Abän­de­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs- und die Tat­sa­chen­er­mitt­lung durch das Beschwer­de­ge­richt

Mit dem Pro­blem der Tat­sa­chen­er­mitt­lung durch das Beschwer­de­ge­richt im Abän­de­rungs­ver­fah­ren nach § 51 VersAus­glG muss­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof befas­sen:

Abän­de­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs- und die Tat­sa­chen­er­mitt­lung durch das Beschwer­de­ge­richt

Gemäß § 51 Abs. 1 VersAus­glG ändert das Gericht eine Ent­schei­dung über einen öffent­lich­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich, die nach dem Recht getrof­fen wor­den ist, das bis zum 31.08.2009 gegol­ten hat, bei einer wesent­li­chen Wert­än­de­rung auf Antrag ab, indem es die in den Aus­gleich ein­be­zo­ge­nen Anrech­te nach den §§ 9 bis 19 VersAus­glG teilt.

Gemäß § 51 Abs. 2 VersAus­glG iVm § 225 Abs. 3 FamFG ist die Wert­än­de­rung wesent­lich, wenn sie min­des­tens 5% des bis­he­ri­gen Aus­gleichs­werts des Anrechts beträgt (rela­ti­ve Wesent­lich­keits­gren­ze) und bei einem Ren­ten­be­trag als maß­geb­li­cher Bezugs­grö­ße 1%, in allen ande­ren Fäl­len als Kapi­tal­wert 120% der am Ende der Ehe­zeit maß­geb­li­chen monat­li­chen Bezugs­grö­ße nach § 18 Abs. 1 SGB IV über­steigt (abso­lu­te Wesent­lich­keits­gren­ze), wobei es genügt, wenn sich der Aus­gleichs­wert nur eines Anrechts geän­dert hat.

Gemäß § 51 Abs. 3 VersAus­glG ist die Abän­de­rung auch dann zuläs­sig, wenn sich bei Anrech­ten der berufs­stän­di­schen, betrieb­li­chen oder pri­va­ten Alters­vor­sor­ge (§ 1587 a Abs. 3 oder 4 BGB) der vor der Umrech­nung ermit­tel­te Wert des Ehe­zeit­an­teils wesent­lich von dem dyna­mi­sier­ten und aktua­li­sier­ten Wert unter­schei­det. Die Aktua­li­sie­rung erfolgt mit­hil­fe der aktu­el­len Ren­ten­wer­te der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Der Wert­un­ter­schied nach Satz 1 ist wesent­lich, wenn er min­des­tens 2 Pro­zent der zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung maß­geb­li­chen monat­li­chen Bezugs­grö­ße nach § 18 Abs. 1 des Vier­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch beträgt.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat als Beschwer­de­ge­richt die Pflicht, die zur Fest­stel­lung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen von Amts wegen selbst durch­zu­füh­ren (§ 68 Abs. 3 Satz 1 FamFG iVm § 26 FamFG).

Die Durch­füh­rung eige­ner Ermitt­lun­gen war im vor­lie­gend vom BGH ent­schie­de­nen Fall bereits des­halb unent­behr­lich, weil das Fami­li­en­ge­richt offen­sicht­lich unzu­tref­fend ange­nom­men hat, dass die Erst­ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich von einem nicht dyna­mi­sier­ten (= nomi­na­len) Ehe­zeit­an­teil der Lebens­ver­si­che­rung aus­ge­gan­gen sei. Tat­säch­lich war die­ser Betrag nicht als monat­li­cher Ehe­zeit­an­teil, son­dern als Deckungs­ka­pi­tal ange­ge­ben. Die­ses war mit dem Umrech­nungs­fak­tor für 2001 von 0,0000957429 in Ent­gelt­punk­te umge­rech­net wor­den. Mul­ti­pli­ziert mit dem sei­ner­zei­ti­gen Ren­ten­wert von 49,51 DM (= 25,31 €) ergab sich eine dyna­mi­sier­te monat­li­che Ren­ten­an­wart­schaft, die in den Wert­aus­gleich ein­ge­stellt wur­de.

Die­se dyna­mi­sche Ren­ten­an­wart­schaft ist nach § 51 Abs. 3 Satz 1, 2 VersAus­glG mit­hil­fe der aktu­el­len Ren­ten­wer­te der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu aktua­li­sie­ren. Divi­diert durch den aktu­el­len Ren­ten­wert bei Ehe­zei­ten­de von 25,31 € (= 49,51 DM) und mul­ti­pli­ziert mit dem aktu­el­len Ren­ten­wert bei Ein­gang des Ände­rungs­an­trags von 26,56 € ergibt sich ein aktu­el­ler Wert, der mit dem vor der Umrech­nung ermit­tel­ten Ren­ten­wert des Ehe­zeit­an­teils hät­te ver­gli­chen wer­den müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2013 – XII ZB 709/​12