Aner­ken­nung eines aus­län­di­schen Schei­dungs­ur­teils

Ein Aner­ken­nungs­hin­der­nis i.S.d. § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG ist dann gege­ben, wenn wegen einer vom Antrag­stel­ler ver­ur­sach­ten Ersatz­zu­stel­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Doku­ments im Aus­land die in Deutsch­land leben­de und ord­nungs­ge­mäß gemel­de­te Antrags­geg­ne­rin von dem Doku­ment nicht recht­zei­tig tat­säch­li­che Kennt­nis erhält.

Aner­ken­nung eines aus­län­di­schen Schei­dungs­ur­teils

In dem hier vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men ent­schie­de­nen Fall schlos­sen die Betei­lig­ten am 07.03.2003 in B. in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik die Ehe. Der Antrag­stel­ler war und ist deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, die Antrags­geg­ne­rin ist durch­gän­gig Staats­an­ge­hö­ri­ge der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik. Der Antrag­stel­ler hat im Jah­re 2005 ein fami­li­en­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren vor dem Amts­ge­richt Wil­des­hau­sen, gerich­tet auf Auf­he­bung der Ehe, ange­strengt. Dies blieb letzt­lich erfolg­los, weil das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg auf die Beru­fung der Antrags­geg­ne­rin die die Ehe­auf­he­bung aus­spre­chen­de amts­ge­richt­li­che Ent­schei­dung auf­hob und den Antrag auf Ehe­auf­he­bung mit Urteil vom 10.11.2005 zurück­wies. Der Antrag­stel­ler begab sich sodann in die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik und betrieb dort ein Ehe­schei­dungs­ver­fah­ren.

Vor der Kam­mer für Zivil- und Han­dels­sa­chen des Amts­ge­richts des Gerichts­be­zirks San Pedro de Maco­ris fand am 12.06.2007 sowie am 07.08.2007 eine Ver­hand­lung über den Schei­dungs­an­trag des Antrag­stel­lers statt. Zu die­sen Ver­hand­lungs­ter­mi­nen erschien die Antrags­geg­ne­rin nicht; sie betei­lig­te sich auch sonst nicht an dem dor­ti­gen Ver­fah­ren. Laut Aus­kunft des deut­schen Ein­woh­ner­mel­de­amts war die Antrags­geg­ne­rin in der Zeit vom 27.03.2007 bis 22.12.2008 für die N.-Str. xx in Bre­men als Haupt­woh­nung gemel­det. Am 07.08.2007 urteil­te die Kam­mer für Zivil- und Han­dels­sa­chen in San Pedro de Maco­ris aus, dass die Schei­dung der Betei­lig­ten zuge­las­sen wer­de, nach Rechts­kraft des Urteils die Schei­dung zu ver­kün­den sei und in das ent­spre­chen­de Regis­ter ein­ge­tra­gen wer­den dür­fe. Die­se Ein­tra­gung wur­de am 12.10.2007 beim Stan­des­amt des Bezirks San Pedro de Maco­ris vor­ge­nom­men.

Der Antrag­stel­ler hat am 03.11.2009 beim Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men bean­tragt fest­zu­stel­len, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung des Urteils des Fami­li­en­ge­richts San Pedro de Maco­ris vom 07.08.2007 und der Schei­dungs­ur­kun­de des Zivil­ge­richts San Pedro de Maco­ris vom 12.10.2007 vor­lie­gen. Die hier­zu ange­hör­te Antrags­geg­ne­rin hat der Aner­ken­nung des aus­län­di­schen Schei­dungs­ur­teils unter Hin­weis dar­auf wider­spro­chen, dass sie an dem Ehe­schei­dungs­ver­fah­ren in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik nicht betei­ligt wor­den sei.

Die Prä­si­den­tin des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts in Bre­men hat mit der Ent­schei­dung vom 18.06.2012 den Antrag des Antrag­stel­lers zurück­ge­wie­sen. Sie hat in ihrer Begrün­dung aus­ge­führt, es bestün­den Zwei­fel an der ord­nungs­ge­mä­ßen Zustel­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Antrags nach domi­ni­ka­ni­schem Recht. Selbst bei Unter­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen Zustel­lung sei nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die Antrags­geg­ne­rin kei­ne Kennt­nis von dem Schei­dungs­ver­fah­ren erlangt habe und des­halb ihr das recht­li­che Gehör ver­wehrt wor­den sei. Die Aner­ken­nung des aus­län­di­schen Urteils sei daher nach § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG aus­ge­schlos­sen. Im Übri­gen sei auch § 109 Abs. 1 Nr. 4 FamFG als Aus­schluss­grund gege­ben, weil es gegen Art. 103 GG ver­sto­ße, falls das domi­ni­ka­ni­sche Gericht das Feh­len eines Wohn­sit­zes der Antrags­geg­ne­rin in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik für aus­rei­chend gehal­ten haben soll­te, um einen unbe­kann­ten Auf­ent­halt bei der Antrags­geg­ne­rin anzu­neh­men.

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dung sei­ner Prä­si­den­tin:

Mit dem Schei­dungs­ur­teil vom 07.08.2007 und der Schei­dungs­ur­kun­de vom 12.10.2007 lie­gen Ent­schei­dun­gen i.S.d. § 107 Abs. 1 S. 1 FamFG vor, da das Gericht in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik die Schei­dung der Ehe der Betei­lig­ten aus­ge­spro­chen hat. Die Not­wen­dig­keit der Fest­stel­lung der

Aner­ken­nungs­vor­aus­set­zun­gen durch die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung besteht, zumal die Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 107 Abs. 1 S. 2 FamFG hier nicht vor­lie­gen, da der Antrag­stel­ler durch­gän­gig und somit auch zur­zeit der aus­län­di­schen Ent­schei­dung deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger gewe­sen ist.

Die für die Ent­schei­dung gemäß § 107 Abs. 3 FamFG zustän­di­ge Prä­si­den­tin des Ober­lan­des­ge­richts Bre­men 1 hat zu Recht fest­ge­stellt, dass ein Aner­ken­nungs­hin­der­nis gemäß § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG der Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Ehe­schei­dung ent­ge­gen steht.

Die Prä­si­den­tin ist zutref­fend vom Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG aus­ge­gan­gen. An der Rich­tig­keit der Ent­schei­dung ändert sich auch durch den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nach § 107 Abs. 5 FamFG erfolg­ten Vor­trag nichts.

Die Rege­lun­gen der §§ 107 ff. FamFG gehen bei Vor­lie­gen einer Fami­li­en­sa­che nach § 111 FamFG – u.a. also einer Ehe­schei­dung wie hier – zwar dem § 328 ZPO vor, die Rege­lun­gen ent­spre­chen sich jedoch inhalt­lich, so dass auf die zu § 328 ZPO ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen und Kom­men­tie­run­gen zurück­ge­grif­fen wer­den kann 2.

Soweit der Antrag­stel­ler meint, die Antrags­geg­ne­rin sei zu Unrecht davon aus­ge­gan­gen, dass das Gericht in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik für die Schei­dung nicht zustän­dig gewe­sen sei, was ein Aner­ken­nungs­hin­der­nis gemäß § 109 Abs. 1 Nr. 1 FamFG dar­stel­len könn­te, ist dies zwar zutref­fend. Aller­dings ist die Prä­si­den­tin in der Ent­schei­dung vom 18.06.2012 gera­de nicht vom Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 109 Abs. 1 Nr. 1 FamFG aus­ge­gan­gen. Viel­mehr hat sie das domi­ni­ka­ni­sche Gericht zutref­fend für (auch) zustän­dig gehal­ten.

Soweit der Antrag­stel­ler vor­trägt, die Prä­si­den­tin sei unzu­tref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Antrags­geg­ne­rin zum Schei­dungs­ver­fah­ren in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik nicht ord­nungs­ge­mäß gela­den wor­den sei, ist dem nicht zu fol­gen. Die Prä­si­den­tin hat viel­mehr das Aner­ken­nungs­hin­der­nis des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG zu Recht wegen nicht recht­zei­ti­ger Mit­tei­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Doku­ments bejaht.

Nach § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG ist eine Aner­ken­nung aus­ge­schlos­sen, wenn einem Betei­lig­ten, der sich zur Haupt­sa­che nicht geäu­ßert hat und sich hier­auf beruft, das ver­fah­rens­ein­lei­ten­de Doku­ment nicht ord­nungs­ge­mäß oder nicht so recht­zei­tig mit­ge­teilt wor­den ist, dass er sei­ne Rech­te wahr­neh­men konn­te. Die­se aus der all­ge­mei­nen ord­re-public-Klau­sel des § 109 Abs. 1 Nr. 4 FamFG aus­ge­glie­der­te Betei­lig­ten­schutz­vor­schrift soll sicher­stel­len, dass die Betei­lig­ten vom aus­län­di­schen Ver­fah­ren Kennt­nis erhal­ten haben, damit sie ihre Rech­te im aus­län­di­schen Staat wahr­neh­men konn­ten 3. Es müs­sen sowohl die Ord­nungs­mä­ßig­keit als auch die Recht­zei­tig­keit der Mit­tei­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Schrift­stücks kumu­la­tiv vor­lie­gen, damit eine Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Ent­schei­dung nicht an § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG schei­tert 4. Für die Ord­nungs­mä­ßig­keit und die Mög­lich­keit der Hei­lung von Zustel­lungs­män­geln sind die am aus­län­di­schen Gerichts­ort gel­ten­den Zustel­lungs­vor­schrif­ten ein­schließ­lich völ­ker­recht­li­cher Ver­trä­ge maß­ge­bend 5. Auch Ersatz­zu­stel­lun­gen nach die­sem Recht sind zu beach­ten 6. Die Fra­ge der Ord­nungs­mä­ßig­keit der Zustel­lung bzw. Mit­tei­lung nach dem Ver­fah­rens­recht des aus­län­di­schen Staa­tes hat das Gericht des Voll­stre­ckungs­staa­tes in eige­ner Zustän­dig­keit und Ver­ant­wor­tung ohne Bin­dung an die Fest­stel­lun­gen des erst­staat­li­chen Gerichts zu beur­tei­len 7. Glei­ches gilt für die Recht­zei­tig­keit der Zustel­lung, wobei die­se regel­mä­ßig zu ver­nei­nen ist, wenn dem Beklag­ten bzw. in Schei­dungs­ver­fah­ren dem geg­ne­ri­schen Betei­lig­ten nicht min­des­tens die zwei­wö­chi­ge Ein­las­sungs­frist des § 274 Abs. 3 S. 1 ZPO zur Ver­fü­gung steht. Deren Lauf beginnt erst mit Kennt­nis­er­lan­gung des zuge­stell­ten Doku­ments 8. Die Rege­lung des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG steht einer Aner­ken­nung auch dann ent­ge­gen, wenn der Beklag­te spä­ter von der Ent­schei­dung Kennt­nis erlangt und den­noch die Ein­le­gung von Rechts­mit­teln gegen die aus­län­di­sche Ent­schei­dung unter­lässt 9. Aller­dings schei­det eine Beru­fung auf das Aner­ken­nungs­hin­der­nis des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG aus, wenn sich der Beklag­te im Erst­ver­fah­ren vor dem aus­län­di­schen Gericht ein­ge­las­sen, also eine Pro­zess­hand­lung zur Abwehr der dort gegen ihn erho­be­nen Kla­ge vor­ge­nom­men hat 10.

Vor dem Hin­ter­grund der vor­ste­hen­den Rechts­grund­sät­ze hat die Prä­si­den­tin zu Recht das Vor­lie­gen eines Aner­ken­nungs­hin­der­nis­ses gemäß § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG im vor­lie­gen­den Fall bejaht.

Die Antrags­geg­ne­rin hat sich auf das Aner­ken­nungs­hin­der­nis nach § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG beru­fen. Sie hat sich im Erst­ver­fah­ren vor dem Gericht in San Pedro de Maco­ris nicht ein­ge­las­sen. Sie wur­de viel­mehr in dem Urteil vom 07.08.2007 für abwe­send erklärt, da sie nicht erschie­nen war. Ob ihr der Antrag­stel­ler im Dezem­ber 2007 das Urteil des domi­ni­ka­ni­schen Gerichts über­ge­ben hat, kann dahin ste­hen, da es sich bei einer nach­träg­li­chen Urteils­über­ga­be um kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Mit­tei­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Antrags han­delt. Nur hier­auf kommt es im Rah­men des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG an. Eben­so uner­heb­lich ist, ob die Antrags­geg­ne­rin im Janu­ar 2012 das Gericht in San Pedro de Maco­ris auf­ge­sucht hat. Auch hier­bei han­delt es sich um Umstän­de, die nach Abschluss des Ver­fah­rens ein­ge­tre­ten sein sol­len. Dass die Antrags­geg­ne­rin kein even­tu­ell mög­li­ches Rechts­mit­tel gegen das domi­ni­ka­ni­sche Schei­dungs­ur­teil ein­ge­legt hat, schließt – wie bereits dar­ge­legt – eben­falls die Anwen­dung des § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG nicht aus.

Soweit der Antrag­stel­ler in sei­ner Antrags­be­grün­dung vor­trägt, die Ladung zum Gerichts­ter­min am 12.06.2007 sei an die Cou­si­ne der Antrags­geg­ne­rin als „Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­te“ vom Gerichts­die­ner über­ge­ben wor­den, wes­halb eine ord­nungs­ge­mä­ße Zustel­lung vor­lie­ge, kann er mit die­sem Vor­trag sei­nem Antrag nach § 107 Abs. 5 FamFG nicht zum Erfolg ver­hel­fen.

Zum einen fehlt es schon an einem Nach­weis der behaup­te­ten Eigen­schaft der Cou­si­ne als Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­te der Antrags­geg­ne­rin in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik. Das dor­ti­ge Gericht ist jeden­falls nicht davon aus­ge­gan­gen, dass an die Cou­si­ne die Ladung zum Ter­min am 12.06.2007 wirk­sam zuge­stellt wer­den konn­te. In dem Urteil der Kam­mer für Zivil- und Han­dels­sa­chen des Amts­ge­richts des Gerichts­be­zirks San Pedro de Maco­ris vom 07.08.2007 heißt es viel­mehr hin­sicht­lich der Zustel­lung der Gerichts­la­dung, die­se sei zu Hän­den des Staats­an­wal­tes des Gerichts­be­zirks erfolgt, da die Antrags­geg­ne­rin inner­halb der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik über kei­nen bekann­ten Wohn­sitz oder Auf­ent­halts­ort ver­fü­ge. Außer­dem sei eine Kopie der Ladung am Haupt­ein­gang des Gerichts befes­tigt wor­den. Von der Cou­si­ne der Antrags­geg­ne­rin als Zustel­lungs­be­voll­mäch­tig­ter ist in dem Urteil kei­ne Rede. Dass allein durch Über­ga­be der Ladung an den Staats­an­walt sowie Anhef­ten einer Kopie hier­von an den Gerichts­ein­gang eine ord­nungs­ge­mä­ße Zustel­lung nach domi­ni­ka­ni­schem Recht erfol­gen konn­te, ergibt sich auch aus dem letz­ten Absatz vor der Unter­schrift des Gerichts­bo­ten des vom Antrag­stel­ler am 26.04.2012 nur in spa­ni­scher Spra­che vor­ge­leg­ten Schrift­stücks. In die­sem heißt es näm­lich inhalts­gleich mit der dem Staats­an­walt über­ge­be­nen Ladung, dass „die­ser Akt zuge­stellt“ wur­de, indem er, der Bote, eine mit dem Schrift­stück über­ein­stim­men­de Kopie dem Staats­an­walt über­ge­ben und eine wei­te­re an der Ein­gangs­tür des zustän­di­gen Gerichts befes­tigt habe. In der behaup­te­ten Über­ga­be an die Cou­si­ne der Antrags­geg­ne­rin wird somit kei­ne Zustel­lung gese­hen.

Zum ande­ren kommt es auf die Fra­ge, ob eine Kopie der Ladung an die Cou­si­ne der Antrags­geg­ne­rin über­ge­ben wor­den ist, auch des­halb nicht an, weil es offen blei­ben kann, ob der Antrags­geg­ne­rin die Ladung nach domi­ni­ka­ni­schem Recht ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt wor­den ist. Denn ein Aner­ken­nungs­hin­der­nis nach § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG ist – selbst bei unter­stell­ter ord­nungs­ge­mä­ßer Mit­tei­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Schrift­stücks an die Antrags­geg­ne­rin – des­halb gege­ben, weil das ver­fah­rens­ein­lei­ten­de Doku­ment nicht recht­zei­tig der Antrags­geg­ne­rin mit­ge­teilt wor­den ist, was bereits die Prä­si­den­tin in ihrer Ent­schei­dung vom 18.06.2012 zutref­fend fest­ge­stellt hat.

Zu die­sem – zur Ord­nungs­mä­ßig­keit kumu­la­tiv hin­zu­tre­ten­den – Kri­te­ri­um einer dem Grund­satz recht­li­chen Gehörs ent­spre­chen­den Betei­li­gung der Antrags­geg­ne­rin an dem Ver­fah­ren in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik hat der Antrag­stel­ler nichts wei­ter vor­ge­tra­gen. Dies­be­züg­lich heißt es nur in sei­ner Antrags­schrift vom 03.07.2012 nach Aus­füh­run­gen zur Zustel­lung der Ladung an die Cou­si­ne, der Hin­weis, dass die Aner­ken­nung zu ver­sa­gen sei, wenn das ver­fah­rens­ein­lei­ten­de Schrift­stück nicht so recht­zei­tig zuge­stellt wur­de, dass die Antrags­geg­ne­rin ihr Rech­te habe wahr­neh­men kön­nen, sei „hin­fäl­lig und unzu­tref­fend“. Die­se – nicht wei­ter begrün­de­te – Auf­fas­sung wird vom Senat nicht geteilt.

Im vor­lie­gen­den Fall ist eine Ersatz­zu­stel­lung der Ladung zum 12.06.2007 an den Staats­an­walt des zustän­di­gen domi­ni­ka­ni­schen Gerichts vor­ge­nom­men wor­den. Der BGH hat in der auch von der Prä­si­den­tin im Beschluss vom 18.06.2012 ange­führ­ten Ent­schei­dung vom 28.11.2007 11 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in der­ar­ti­gen Fäl­len einer fik­ti­ven Zustel­lung im Regel­fall an der Recht­zei­tig­keit der Mit­tei­lung feh­le, weil dem Beklag­ten meis­tens kei­ne effek­ti­ve Mög­lich­keit eröff­net wür­de, vom Inhalt des zuzu­stel­len­den Schrift­stücks tat­säch­lich Kennt­nis zu neh­men und sich auf das Ver­fah­ren im Ursprungs­land ein­zu­las­sen. Den­noch kön­ne bei einer fik­ti­ven Zustel­lung nicht gene­rell vom Vor­lie­gen eines Aner­ken­nungs­hin­der­nis­ses aus­ge­gan­gen wer­den, da ein der­ar­ti­ges Vor­ge­hen den Schuld­ner, der sich dem Ursprungs­land durch einen unbe­kann­ten Auf­ent­halt ent­zie­he, begüns­ti­gen wür­de. Aus die­sem Grund hat der BGH zur Beur­tei­lung der Fra­ge, ob sich die beklag­te Par­tei im Aner­ken­nungs­ver­fah­ren auf die Ein­schrän­kung ihrer Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten durch eine (ord­nungs­ge­mä­ße) fik­ti­ve Zustel­lung beru­fen kön­ne, eine Abwä­gung zwi­schen den schüt­zens­wer­ten Inter­es­sen der Par­tei­en für erfor­der­lich gehal­ten. Es han­delt sich dabei um eine Bewer­tung der Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­falls 7.

Im vor­lie­gen­den Fall kann nicht fest­ge­stellt wer­den, wann die Antrags­geg­ne­rin tat­säch­lich von dem das Schei­dungs­ver­fah­ren in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik ein­lei­ten­den Schrift­stück Kennt­nis erlangt hat, wes­halb grund­sätz­lich von der Nicht­recht­zei­tig­keit i.S.d. § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG aus­zu­ge­hen ist. Die Prä­si­den­tin hat in ihrer Ent­schei­dung vom 18.06.2012 daher zutref­fend die in einem der­ar­ti­gen Fall vom BGH für erfor­der­lich gehal­te­ne Abwä­gung der schüt­zens­wer­ten Inter­es­sen der Betei­lig­ten vor­ge­nom­men. Sie hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Antrags­geg­ne­rin im Jah­re 2007 ihren Wohn­sitz in Deutsch­land gehabt habe und der Antrag­stel­ler die­sen durch eine ein­fa­che Anfra­ge beim Ein­woh­ner­mel­de­amt hät­te erfah­ren kön­nen. Durch das Unter­las­sen die­ser Anfra­ge hat der Antrag­stel­ler eine Antrags­zu­stel­lung des in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik gestell­ten Schei­dungs­an­trags im Rah­men eines Rechts­hil­fe­er­su­chens an die Antrags­geg­ne­rin in Deutsch­land ver­hin­dert. Es ist daher ihm anzu­las­ten, dass der Antrags­geg­ne­rin der ver­fah­rens­ein­lei­ten­de Schrift­satz durch Ersatz­zu­stel­lung über­mit­telt wer­den muss­te. Die Antrags­geg­ne­rin hat die durch das Gericht in San Pedro de Maco­ris vor­ge­nom­me­ne fik­ti­ve Zustel­lung dage­gen nicht zu ver­tre­ten, zumal sie nichts von dem Schei­dungs­an­trag des Antrag­stel­lers in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik wuss­te – Gegen­tei­li­ges hat der Antrag­stel­ler nicht nach­ge­wie­sen – und in Bre­men ord­nungs­ge­mäß gemel­det war.

Im Übri­gen wür­de es selbst dann, wenn die Antrags­geg­ne­rin am Tag der Über­ga­be der Ladung an ihre Cou­si­ne (31.05.2007) hier­von Kennt­nis erhal­ten haben soll­te, was noch nicht ein­mal der Antrag­stel­ler behaup­tet, an einer recht­zei­ti­gen Mit­tei­lung i.S.d. § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG feh­len, da der damals über­wie­gend in Deutsch­land leben­den Antrags­geg­ne­rin bis zum Gerichts­ter­min am 12.06.2007 nur 11 Tage ver­blie­ben wären, um sich gegen den Schei­dungs­an­trag zu ver­tei­di­gen und recht­zei­tig vor Gericht in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik zu erschei­nen. Dass es noch einen wei­te­ren Gerichts­ter­min am 07.08.2007 geben wür­de, kann am 31.05.2007 nicht bekannt gewe­sen sein, zumal die Ladung nur auf den Ter­min am 12.06.2007 lau­te­te. Aus wel­chem Grund spä­ter noch ein wei­te­rer Ter­min erfor­der­lich war, lässt sich den vor­ge­leg­ten Doku­men­ten eben­so wenig ent­neh­men wie eine Ladung der Antrags­geg­ne­rin zu dem Ter­min am 07.08.2007. Im Übri­gen fehlt hier­zu auch jeg­li­cher Antrag­stel­ler­vor­trag.

Sofern der Antrag­stel­ler nun anführt, er habe „im Nach­hin­ein“ die von der Antrags­geg­ne­rin ange­ge­be­nen Anschrif­ten und auch ihre der­zei­ti­ge Wohn­an­schrift in Bre­men und in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik über­prüft, kann er hier­mit kei­ne abwei­chen­de Bewer­tung der Umstän­de errei­chen. Er behaup­tet selbst nicht, eine Ein­woh­ner­mel­de­amts­an­fra­ge in Deutsch­land Anfang 2007 ver­an­lasst zu haben. Wel­che Wohn­an­schrif­ten die Antrags­geg­ne­rin spä­ter hat­te bzw. jetzt hat, ist für die Fra­ge der recht­zei­ti­gen Mit­tei­lung des ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Schrift­stücks im Jah­re 2007 irrele­vant.

Es bleibt somit bei der von der Prä­si­den­tin am 18.06.2012 getrof­fe­nen Ent­schei­dung über das Vor­lie­gen eines Aner­ken­nungs­hin­der­nis­ses nach § 109 Abs. 1 Nr. 2 FamFG.

Ob dane­ben noch durch die Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Ent­schei­dung der ord­re public in Fami­li­en­sa­chen gemäß § 109 Abs. 1 Nr. 4 FamFG ver­letzt wür­de, kann offen blei­ben.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 15. Okto­ber 2012 – 4 VA 2/​12

  1. Thomas/​Putzo/​Hüßtege, ZPO, 32. Aufl., § 107 FamFG Rn. 22[]
  2. Thomas/​Putzo/​Hüßtege, a.a.O., § 328 ZPO Rn. 1; § 107 FamFG Rn. 2[]
  3. Keidel/​Zimmermann, FamFG, 17. Aufl., § 109 Rn. 5, 13[]
  4. Musielak/​Stadler, ZPO, 9. Aufl., § 328 Rn. 17[]
  5. Musielak/​Stadler, a.a.O., § 328 Rn. 15; Keidel/​Zimmermann, a.a.O., § 109 Rn. 5[]
  6. Thomas/​Putzo/​Hüßtege, a.a.O., § 328 Rn. 12[]
  7. BGH, Fam­RZ 2008, 390[][]
  8. Musielak/​Stadler, a.a.O., § 328 Rn. 18[]
  9. Prütting/​Helms/​Hau, FamFG, 2. Aufl., § 109 Rn. 36 m.w.N.; Keidel/​Zimmermann, a.a.O., § 109 Rn. 6; Musielak/​Stadler, a.a.O., § 328 Rn. 16[]
  10. Musielak/​Stadler, a.a.O., § 328 Rn.19[]
  11. Fam­RZ 2008, 390[]