Anfech­tungs­frist für die Vater­schaft­an­fech­tung – und die Kennt­nis der Mut­ter

Ist die Mut­ter von der gesetz­li­chen Ver­tre­tung des min­der­jäh­ri­gen Kin­des im Ver­fah­ren auf Anfech­tung der Vater­schaft nicht aus­ge­schlos­sen, ist für den Beginn der das min­der­jäh­ri­ge Kind betref­fen­den Frist zur Anfech­tung der Vater­schaft auf die Kennt­nis der Mut­ter als allei­ni­ger gesetz­li­cher Ver­tre­te­rin abzu­stel­len.

Anfech­tungs­frist für die Vater­schaft­an­fech­tung – und die Kennt­nis der Mut­ter

Die Zurech­nung der Kennt­nis und der dadurch aus­ge­lös­te Lauf der Anfech­tungs­frist erge­ben sich aus der Stel­lung der Mut­ter als der allei­ni­gen gesetz­li­chen Ver­tre­te­rin des Antrag­stel­lers.

Nach § 1600 b Abs. 1 Satz 1 BGB kann die Vater­schaft bin­nen zwei Jah­ren gericht­lich ange­foch­ten wer­den. Die Frist beginnt gemäß § 1600 b Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1 BGB mit dem Zeit­punkt, in dem der Berech­tig­te von den Umstän­den erfährt, die gegen die Vater­schaft spre­chen. Im Fall der durch Aner­ken­nung begrün­de­ten Vater­schaft beginnt die Frist nicht vor Wirk­sam­wer­den der Aner­ken­nung (§ 1600 b Abs. 2 BGB).

Ist das Kind nicht voll geschäfts­fä­hig, so kommt es für die den Frist­lauf aus­lö­sen­de Kennt­nis nach § 1600 b Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1 BGB nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen auf die Per­son des gesetz­li­chen Ver­tre­ters an, der berech­tigt ist, das Kind im Anfech­tungs­ver­fah­ren zu ver­tre­ten 1. Die Wis­sens­zu­rech­nung ergibt sich aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 166 Abs. 1 BGB. Dass das Wis­sen des gesetz­li­chen Ver­tre­ters dem min­der­jäh­ri­gen Kind zuzu­rech­nen ist, wird von der gesetz­li­chen Rege­lung zum Abstam­mungs­recht vor­aus­ge­setzt, was ins­be­son­de­re durch die in § 1600 b Abs. 3 BGB ent­hal­te­ne Bestim­mung und den in § 1600 b Abs. 5 Satz 3 BGB ent­hal­te­nen Ver­weis auf § 210 BGB deut­lich wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Novem­ber 2016 – XII ZB 583/​15

  1. vgl. BGH Urtei­le vom 23.09.2004 – IX ZR 421/​00, Fam­RZ 2004, 1950, 1951 vom 16.05.1989 – VI ZR 251/​88, NJW 1989, 2323 mwN; und vom 20.01.1976 – VI ZR 15/​74, Fam­RZ 1976, 212, 213, jeweils zum Beginn der Ver­jäh­rung; OLG Cel­le Fam­RZ 2012, 567 f.; OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2009, 59; OLG Bam­berg Fam­RZ 1992, 220; zur gemein­sa­men elter­li­chen Sor­ge OLG Koblenz Fam­RZ 2015, 1122; OLG Köln Fam­RZ 2001, 245; Münch-KommBG­B/Wel­len­ho­fer 6. Aufl. § 1600 b Rn. 25; Staudinger/​Rauscher BGB [2011] § 1600 b Rn. 38; Erman/​Hammermann BGB 14. Aufl. § 1600 b Rn. 10; Palandt/​Brudermüller BGB 75. Aufl. § 1600 b Rn. 9[]