Anfor­de­run­gen an das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in Betreu­ungs­ver­fah­ren

Nach § 1896 BGB bestellt das Betreu­ungs­ge­richt für einen Voll­jäh­ri­gen, der auf­grund einer psy­chi­schen Krank­heit oder einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen kann, auf sei­nen Antrag oder von Amts wegen einen Betreu­er. Im Hin­blick auf den erheb­li­chen Ein­griff in die Frei­heits­rech­te, der mit einer Betreu­er­be­stel­lung ver­bun­den ist, erfor­dert die Anord­nung und Auf­recht­erhal­tung einer Betreu­ung eine sorg­fäl­ti­ge Sach­ver­halts­auf­klä­rung zu den medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen einer Betreu­er­be­stel­lung 1.

Anfor­de­run­gen an das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in Betreu­ungs­ver­fah­ren

Dem trägt § 280 FamFG, der für die Bestel­lung eines Betreu­ers die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens durch förm­li­che Beweis­auf­nah­me vor­schreibt und die inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen an das Gut­ach­ten näher spe­zi­fi­ziert, Rech­nung.

Nach § 280 Abs. 3 FamFG hat sich das Gut­ach­ten auf das Krank­heits­bild ein­schließ­lich der Krank­heits­ent­wick­lung (Nr. 1), die durch­ge­führ­ten Unter­su­chun­gen und die die­sen zugrun­de geleg­ten For­schungs­er­kennt­nis­se (Nr. 2), den kör­per­li­chen und psych­ia­tri­schen Zustand des Betrof­fe­nen (Nr. 3), den Umfang des Auf­ga­ben­krei­ses (Nr. 4) und die vor­aus­sicht­li­che Dau­er der Maß­nah­me (Nr. 5) zu erstre­cken. Das Gut­ach­ten muss daher Art und Aus­maß der Erkran­kung im Ein­zel­nen anhand der Vor­ge­schich­te, der durch­ge­führ­ten Unter­su­chun­gen und der sons­ti­gen Erkennt­nis­se dar­stel­len und wis­sen­schaft­lich begrün­den. Die­se Anfor­de­run­gen an den Inhalt des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens sol­len gewähr­leis­ten, dass das Gericht sei­ner Pflicht nach­kom­men kann, das Gut­ach­ten auf sei­ne wis­sen­schaft­li­che Begrün­dung, sei­ne inne­re Logik und sei­ne Schlüs­sig­keit hin zu über­prü­fen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2012 – XII ZB 270/​12

  1. Keidel/​Budde FamFG 17. Aufl. § 280 Rn. 1[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 19.01.2011 – XII ZB 256/​10, Fam­RZ 2011, 637 Rn. 12; und vom 15.09.2010 – XII ZB 383/​10, Fam­RZ 2010, 1726 Rn. 21[]