Anhö­rung im Beschwer­de­ver­fah­ren in einer Betreu­ungs­sa­che

Auch im Beschwer­de­ver­fah­ren in einer Betreu­ungs­sa­che besteht grund­sätz­lich die Pflicht des Beschwer­de­ge­richts, den Betrof­fe­nen per­sön­lich anzu­hö­ren. Sieht das Beschwer­de­ge­richt von einer per­sön­li­chen Anhö­rung ab, muss es die Grün­de dafür in der Beschwer­de­ent­schei­dung nach­voll­zieh­bar dar­le­gen. Das ist aus­nahms­wei­se dann ent­behr­lich, wenn aus den übri­gen Grün­den ohne wei­te­res ersicht­lich ist, dass eine Anhö­rung kei­ne wei­te­re Auf­klä­rung erwar­ten lässt.

Anhö­rung im Beschwer­de­ver­fah­ren in einer Betreu­ungs­sa­che

Nach § 68 Abs. 3 Satz 1 FamFG bestimmt sich das Beschwer­de­ver­fah­ren nach den Vor­schrif­ten über das Ver­fah­ren im ers­ten Rechts­zug. Das gilt auch für die nach § 278 Abs. 1 Satz 1 FamFG vor der Bestel­lung eines Betreu­ers gebo­te­ne per­sön­li­che Anhö­rung des Betrof­fe­nen.

Aller­dings kann das Beschwer­de­ge­richt nach § 68 Abs. 3 Satz 2 FamFG von der per­sön­li­chen Anhö­rung abse­hen, wenn die­se bereits im ers­ten Rechts­zug vor­ge­nom­men wor­den ist und von einer erneu­ten Anhö­rung kei­ne neu­en Erkennt­nis­se zu erwar­ten sind 1. Das Beschwer­de­ge­richt hat aber – wie auch das erst­in­stanz­li­che Gericht – die Grün­de, aus denen es von einer Anhö­rung aus­nahms­wei­se abse­hen will, in den Ent­schei­dungs­grün­den nach­prüf­bar dar­zu­le­gen 2. Aller­dings ist im Ein­zel­fall eine Begrün­dung ent­behr­lich, wenn aus den wei­te­ren Ent­schei­dungs­grün­den ersicht­lich wird, dass das Beschwer­de­ge­richt in zuläs­si­ger Wei­se von einer erneu­ten per­sön­li­chen Anhö­rung des Betrof­fe­nen abse­hen konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. April 2012 – XII ZB 504/​11

  1. BGH, Beschlüs­se vom 27.07.2011 – XII ZB 118/​11, Fam­RZ 2011, 1577 Rn. 13; und vom 16.03.2011 – XII ZB 601/​10, Fam­RZ 2011, 880 Rn. 13; sie­he auch BGH, Beschluss vom 11.08.2010 – XII ZB 171/​10, Fam­RZ 2010, 1650 Rn. 5 ff.[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.07.1984 – IVb ZB 95/​83, Fam­RZ 1984, 1084; und vom 11.07.1984 – IVb ZB 73/​83, Fam­RZ 1985, 169 – zu §§ 50 a, 50 b FGG; Keidel/​Sternal FamFG 17. Aufl. § 68 Rn. 59 a mwN; vgl. auch BGH, Beschluss BGHZ 185, 272 = Fam­RZ 2010, 1060 Rn. 46[]