Anschluss­be­schwer­de eines Ver­sor­gungs­trä­gers

Unge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit der Anschluss­be­schwer­de in Ver­sor­gungs­aus­gleichs­sa­chen ist, dass der Anschluss­be­schwer­de­füh­rer – hier der Ver­sor­gungs­trä­ger – durch die auf das Haupt­rechts­mit­tel – hier eines ande­ren Ver­sor­gungs­trä­gers – erge­hen­de Ent­schei­dung in sei­nen Rech­ten beein­träch­tigt sein kann.

Anschluss­be­schwer­de eines Ver­sor­gungs­trä­gers

Nach § 66 FamFG kann sich ein Betei­lig­ter der Beschwer­de anschlie­ßen, selbst wenn er auf die Beschwer­de ver­zich­tet hat oder die Beschwer­de­frist ver­stri­chen ist.

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Anschluss­be­schwer­de gemäß § 66 FamFG sind umstrit­ten, ins­be­son­de­re, ob sich das Anschluss­rechts­mit­tel gegen den Haupt­be­schwer­de­füh­rer rich­ten muss 1 oder aber ein kon­tra­dik­to­ri­sches Ver­hält­nis zwi­schen dem Haupt- und dem Anschluss­be­schwer­de­füh­rer nicht erfor­der­lich ist 2. Nach der erst­ge­nann­ten Auf­fas­sung wäre vor­lie­gend das Anschluss­rechts­mit­tel des Lan­des­am­tes für Besol­dung und Ver­sor­gung Baden-Würt­tem­berg unzu­läs­sig, da eas an einer Geg­ner­stel­lung zur Haupt­be­schwer­de­füh­re­rin, der SV Spar­kas­sen­Ver­si­che­rung Lebens­ver­si­che­rung AG, fehlt.

Die Unzu­läs­sig­keit der Anschluss­be­schwer­de folgt jedoch – unab­hän­gig von der Fra­ge der erfor­der­li­chen Geg­ner­stel­lung – vor­lie­gend aus dem Zweck und dem Wesen der Anschluss­be­schwer­de. Denn der­je­ni­ge Betei­lig­te, der eine Anschluss­be­schwer­de ein­legt, muss jeden­falls durch das Haupt­rechts­mit­tel des ande­ren Betei­lig­ten selbst kon­kret betrof­fen sein 3. Es muss also die Mög­lich­keit bestehen, dass es bei Durch­füh­rung des Haupt­rechts­mit­tels zu einer – sei­ne kon­kre­te Rechts­po­si­ti­on betref­fen­den – Abän­de­rung der Ent­schei­dung kom­men kann. Mit der Anschluss­be­schwer­de wird einem Betei­lig­ten näm­lich die Mög­lich­keit eröff­net, eine für ihn güns­ti­ge­re Ent­schei­dung her­bei­zu­füh­ren und sei es nur dadurch, dass er eine even­tu­el­le Ver­schlech­te­rung in einem Bereich, d. h. in einer Fol­ge­sa­che, durch eine Ver­bes­se­rung in einem ande­ren Bereich – jeden­falls aus sei­ner Sicht – kom­pen­sie­ren kann 4. Unge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit der Anschluss­be­schwer­de ist des­halb, dass der Anschluss­be­schwer­de­füh­rer durch die auf das Haupt­rechts­mit­tel erge­hen­de Ent­schei­dung in sei­nen Rech­ten beein­träch­tigt sein kann.

Eine sol­che Betrof­fen­heit des Anschluss­be­schwer­de­füh­rers ist im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall nicht ersicht­lich. Durch eine Ent­schei­dung über das Haupt­rechts­mit­tel eines ande­ren Ver­sor­gungs­trä­gers wird der Anschluss­be­schwer­de­füh­rer in sei­ner Rechts­po­si­ti­on nicht beein­träch­tigt. Die Beschwer­de des ande­ren Ver­sor­gungs­trä­gers betrifft aus­schließ­lich die bei ihr als Ziel­ver­sor­gung zu begrün­den­den Anrech­te der Antrags­geg­ne­rin. Es liegt somit eine zuläs­si­ge Teil­an­fech­tung in Bezug auf die­se bei­den Anrech­te vor. Eine Aus­wir­kung auf die Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ent­schei­dung betref­fend das Anrecht des Antrag­stel­lers bei dem Anschluss­be­schwer­de­füh­rer, dem Lan­des­amt für Besol­dung und Ver­sor­gung, ist aus­ge­schlos­sen.

Soweit der Anschluss­be­schwer­de­füh­rer – wie vor­lie­gend – eine eige­ne Beschwer in Bezug auf das bei ihm bestehen­de Anrecht durch die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung gel­tend macht, hät­te dies durch eine selb­stän­di­ge Beschwer­de inner­halb der Frist gemäß § 63 Abs. 1 FamFG erfol­gen müs­sen 5.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 27. Mai 2013 – 18 UF 378/​12

  1. so OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2011, 1226; Prütting/​Helms, FamFG, 2. Auf­la­ge 2011, § 66 Rz. 3; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Un­ger, FamFG, 3. Auf­la­ge 2012, § 66 Rz. 10; Musielak/​Borth, FamFG, 3. Auf­la­ge 2012, § 66 Rz. 3; Borth, a.a.O., Rz. 1211; Keidel/​Sternal, FamFG, 17. Auf­la­ge 2011, § 66 Rz. 8b; auch Johannsen/​Henrich, Fami­li­en­recht, 5. Auf­la­ge 2010, § 66 FamFG Rz. 3 als Fra­ge des Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses[]
  2. KG Fam­RZ 2011, 1733; Zöller/​Feskorn, ZPO, 29. Auf­la­ge 2012, § 66 FamFG Rz. 4[]
  3. so aus­drück­lich OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2011, 1226; Borth, a.a.O., Rz. 1211[]
  4. OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2011, 1226; eine kon­kre­te Betrof­fen­heit for­dernd auch OLG Frank­furt, Beschluss vom 07.12.2011 – 4 UF 203/​11; ähn­lich OLG Bre­men, Beschluss vom 11.03.2011 – 4 UF 1/​11; OLG Schles­wig Beschluss vom 02.08.2011 – 10 UF 242/​10; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Un­ger, a.a.O., § 66 Rz. 12; Borth, a.a.O., Rz. 1211; im Ergeb­nis auch OLG Hamm Beschluss vom 12.10.2012 – II.3 UF 186/​11; für eine unein­ge­schränk­te Zuläs­sig­keit OLG Cel­le, Beschluss vom 15.11.2010 – 10 UF 182/​10[]
  5. so auch Borth, a.a.O., Rz. 1211[]