Aus­kunft über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se eines Kin­des – und ihre Voll­stre­ckung

Eine Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se eines Kin­des wird durch die Ver­hän­gung von Zwangs­mit­teln gemäß §§ 95 Abs. 1 Nr. 3 FamFG, 888 ZPO voll­streckt.

Aus­kunft über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se eines Kin­des – und ihre Voll­stre­ckung

Gegen die Aus­kunfts­ver­pflich­te­te ist daher nicht ein Ord­nungs­geld, son­dern ein Zwangs­geld nach §§ 95 Abs. 1 Nr. 3 FamFG, 888 ZPO fest­zu­set­zen.

Nach § 95 Abs. 1 Nr. 3 FamFG ist auf die Voll­stre­ckung zur Vor­nah­me einer nicht ver­tret­ba­ren Hand­lung soweit es nicht um die Her­aus­ga­be von Per­so­nen und die Rege­lung des Umgangs geht § 888 ZPO ent­spre­chend anzu­wen­den. Danach ist der Schuld­ner durch Zwangs­geld, ersatz­wei­se Zwangs­haft, oder durch Zwangs­haft zur Vor­nah­me der Hand­lung anzu­hal­ten, wobei eine Andro­hung der Zwangs­mit­tel nach § 888 Abs. 2 ZPO nicht statt­fin­det.

Anders als die­se Zwangs­mit­tel, die aus­schließ­lich der Ein­wir­kung auf den Wil­len der pflich­ti­gen Per­son die­nen, haben Ord­nungs­mit­tel nach § 89 FamFG dane­ben Sank­ti­ons­cha­rak­ter. Sie kön­nen des­halb auch dann fest­ge­setzt und voll­streckt wer­den, wenn die zu voll­stre­cken­de Hand­lung, Dul­dung oder Unter­las­sung wegen Zeit­ab­laufs nicht mehr vor­ge­nom­men wer­den kann 1. Mit die­ser wei­ter­ge­hen­den Sank­ti­ons­mög­lich­keit der Ord­nungs­mit­tel kor­re­spon­diert die Hin­weis­pflicht nach § 89 Abs. 2 FamFG.

Nach weit über­wie­gen­der Auf­fas­sung 2 han­delt es sich bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung nach § 1686 BGB nicht um eine Rege­lung des Umgangs im Sin­ne des § 89 Abs. 1 FamFG, son­dern um eine nicht ver­tret­ba­re Hand­lung nach §§ 95 Abs. 1 Nr. 3 FamFG, 888 ZPO.

Die über­wie­gend ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ist zutref­fend.

Nach § 1686 BGB kann jeder Eltern­teil bei berech­tig­tem Inter­es­se vom ande­ren Eltern­teil Aus­kunft über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Kin­des ver­lan­gen, soweit dies dem Kin­des­wohl nicht wider­spricht. Der Aus­kunfts­an­spruch wur­de durch das Gesetz zur Reform des Kind­schafts­rechts vom 16.12 1997 (Kind­schafts­rechts­re­form­ge­setz Kin­dRG) 3 mit Wir­kung zum 1.07.1998 in § 1686 Satz 1 BGB gere­gelt. Wäh­rend der zuvor in § 1634 Abs. 3 Satz 1 BGB gere­gel­te Aus­kunfts­an­spruch ursprüng­lich geschaf­fen wur­de, um das mit Ein­schrän­kung oder Aus­schluss des Umgangs­rechts ein­her­ge­hen­de Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit des umgangs­be­rech­tig­ten Eltern­teils aus­zu­glei­chen 4, kommt dem Anspruch nun­mehr neben die­ser rei­nen Ersatz­funk­ti­on zusätz­lich eine Ergän­zungs­funk­ti­on gegen­über dem Umgangs­recht zu 5. § 1686 BGB will dem Grund­satz nach jedem Eltern­teil ohne Rück­sicht auf die Ver­tei­lung des Sor­ge­rechts ermög­li­chen; vom ande­ren Eltern­teil die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Kin­des zu erhal­ten, an die er anders nicht in zumut­ba­rer Wei­se gelan­gen kann 6. Danach steht die Aus­kunfts­ver­pflich­tung selb­stän­dig neben einer Rege­lung des Umgangs.

Dass eine Ver­pflich­tung zur Ertei­lung einer Aus­kunft, die nur auf­grund per­sön­li­chen Wis­sens des Aus­kunfts­pflich­ti­gen gege­ben wer­den kann, regel­mä­ßig als unver­tret­ba­re Hand­lung nach § 888 ZPO voll­streckt wird, ent­spricht im Übri­gen all­ge­mei­ner Auf­fas­sung 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. März 2017 – XII ZB 245/​16

  1. BGH, Beschluss vom 17.08.2011 XII ZB 621/​10 Fam­RZ 2011, 1729 Rn. 14 mwN[]
  2. OLG Saar­brü­cken Fam­RZ 2015, 162; OLG Frank­furt Beschluss vom 12.09.2011 6 UF 193/​11 11 f.; Keidel/​Giers FamFG 19. Aufl. § 95 Rn. 12; Zöller/​Feskorn, ZPO 31. Aufl. § 95 FamFG Rn. 6; Staudinger/​Rauscher BGB [2014] § 1686 Rn. 17; Erman/​Döll BGB [2014] § 1686 Rn. 1; Münch­Komm-BGB/Hen­ne­mann 7. Aufl. § 1686 BGB Rn. 14; Prütting/​Helms/​Hammer FamFG 3. Aufl. § 95 Rn. 6; a.A.: NK-BGB/Pe­schel-Gut­zeit 3. Aufl. § 1686 Rn. 13 Fn. 48; Völker/​Clausius Das fami­li­en­recht­li­che Man­dat § 2 Rn. 214 iVm § 6 Rn. 30[]
  3. BGBl. I S. 2942[]
  4. BT-Drs. 8/​2788 S. 55 f.[]
  5. BGH, Beschluss vom 14.12 2016 XII ZB 345/​16 Fam­RZ 2017, 378 Rn. 15 mwN[]
  6. BT-Drs. 13/​4899 S. 107; BGH, Beschluss vom 14.12 2016 XII ZB 345/​16 Fam­RZ 2017, 378 Rn. 16[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2011 XII ZB 465/​11 Fam­RZ 2012, 24 Rn. 21; BGH Beschluss vom 03.07.2008 – I ZB 87/​06 NJW 2008, 2919, 2920 zur Voll­stre­ckung des Anspruchs auf Nen­nung des Namens des Kin­des­va­ters; BGHZ 49, 11, 15 zur Aus­kunfts­pflicht des Kon­kurs­ver­wal­ters; Wendl/​Dose Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 9. Aufl. § 1 Rn. 1191[]