Aus­kunfts­pflicht – und die Beschwer­de gegen einen zuspre­chen­den Beschluss

Mit dem Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands für die Beschwer­de gegen einen zur Aus­kunfts­er­tei­lung ver­pflich­ten­den Beschluss hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall zu befas­sen, in dem das Amts­ge­richt zusätz­lich eine Pflicht, „ent­spre­chen­de Bestä­ti­gun­gen vor­zu­le­gen” zuge­spro­chen hat­te:

Aus­kunfts­pflicht – und die Beschwer­de gegen einen zuspre­chen­den Beschluss

Im Aus­gangs­punkt rich­tet sich der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands nach dem Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müssen.Maßgebend ist hier­für regel­mä­ßig der mit der Ertei­lung der Aus­kunft ver­bun­de­ne Auf­wand an Zeit und Kos­ten. Dabei ist für den Zeit­auf­wand eine Stun­den­satz­hö­he von 14 € zuguns­ten des Aus­kunfts­pflich­ti­gen anzu­set­zen 1.

Vor­lie­gend war auch kein Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der Antrag­stel­le­rin wert­er­hö­hend zu berück­sich­ti­gen:

Zwar kann ein sol­ches im Ein­zel­fall für die Bemes­sung des Rechts­mit­tel­in­ter­es­ses erheb­lich sein. Inso­weit muss der Rechts­mit­tel­füh­rer dem Beschwer­de­ge­richt aber sein beson­de­res Inter­es­se, bestimm­te Tat­sa­chen geheim zu hal­ten, und den durch die Aus­kunfts­er­tei­lung dro­hen­den Nach­teil sub­stan­zi­iert dar­le­gen und erfor­der­li­chen­falls glaub­haft machen. Dazu gehört auch, dass gera­de in der Per­son des die Aus­kunft Begeh­ren­den die Gefahr begrün­det sein muss, die­ser wer­de von den ihm gegen­über offen­bar­ten Tat­sa­chen über das Ver­fah­ren hin­aus in einer Wei­se Gebrauch machen, wel­che die schüt­zens­wer­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des zur Aus­kunft Ver­pflich­te­ten gefähr­den könn­te 2.

Der­ar­ti­ges hat die Antrag­stel­le­rin weder in den Vor­in­stan­zen dar­ge­legt noch mit der Rechts­be­schwer­de gel­tend gemacht. Die allein erfolg­te Beru­fung auf all­ge­mei­ne Belan­ge der Geheim­hal­tung und des Ver­trau­lich­keits­schut­zes ist nicht aus­rei­chend 3.

Im vor­lie­gen­den Fall war aller­dings die vom Amts­ge­richt in Beschluss­zif­fer 2 vor­ge­nom­me­ne Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge von Bele­gen nicht voll­stre­ckungs­fä­hig und hät­te daher zu berück­sich­ti­gen­de Kos­ten für die Abwehr der Zwangs­voll­stre­ckung ver­ur­sacht, die zur Über­schrei­tung der Gren­ze des § 61 Abs. 1 FamFG führ­ten.

Hat die Aus­kunfts­ver­pflich­tung, gegen die sich der Rechts­mit­tel­füh­rer zur Wehr setzt, kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt, erhöht sich die Beschwer nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs um die mit der Abwehr einer inso­weit unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten. Denn im maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Beschwer­de­ein­le­gung muss der Unter­halts­schuld­ner gewär­ti­gen, dass er in vol­lem Umfang aus dem erst­in­stanz­li­chen Titel in Anspruch genom­men wird und sich hier­ge­gen zur Wehr set­zen muss 4.

Soweit es die Ver­pflich­tung der Antrag­stel­le­rin zur Vor­la­ge der in Zif­fer 2 des amts­ge­richt­li­chen Beschlus­ses als Bestä­ti­gun­gen bezeich­ne­ten Bele­ge anbe­langt, fehlt es der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung an der Voll­stre­ckungs­fä­hig­keit. Bele­ge, die ein Aus­kunfts­pflich­ti­ger vor­le­gen soll, müs­sen näm­lich in dem Titel bezeich­net und daher jeden­falls in den Ent­schei­dungs­grün­den kon­kre­ti­siert sein 5. Die­se Bestim­mung einem erst nach Beschluss­erlass ein­tre­ten­den Ereig­nis hier der Vor­la­ge der Ver­mö­gens­auf­stel­lung durch die Antrag­stel­le­rin zu über­las­sen, schei­det mit­hin aus.

Es kann vor­lie­gend auch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Berück­sich­ti­gung der mit der Abwehr einer Zwangs­voll­stre­ckung aus Zif­fer 2 des amts­ge­richt­li­chen Beschlus­ses ver­bun­de­nen Kos­ten zu einem Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands von über 600 € füh­ren wür­de. Denn es erscheint mög­lich, dass die­se Kos­ten die Dif­fe­renz zwi­schen der vom Beschwer­de­ge­richt ange­nom­me­nen Beschwer von 435 € und der Wert­gren­ze des § 61 Abs. 1 FamFG über­stei­gen.

Abzu­stel­len ist dar­auf, wel­che Kos­ten der Antrag­stel­le­rin ent­stün­den, um sich gegen die Voll­stre­ckung der Pflicht „ent­spre­chen­de Bestä­ti­gun­gen vor­zu­le­gen” zur Wehr zu set­zen. Im Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung kön­nen bis zu 0, 6 Anwalts­ge­büh­ren (§ 18 Nr. 13 RVG i.V.m. VV RVG 3309, 3310) zuzüg­lich Aus­la­gen (VV RVG 7000 ff.) und Mehr­wert­steu­er anfal­len 6. Danach bedürf­te es eines Gegen­stands­werts von über 2.000 €, um zu Kos­ten von über 165 € zu gelan­gen. Maß­geb­lich ist inso­weit gemäß § 25 Abs. 1 Nr. 3 RVG der Wert, den die Vor­la­ge der von Beschluss­zif­fer 2 erfass­ten Bestä­ti­gun­gen für den Antrags­geg­ner hat. Inso­weit ist zwar nach § 42 Abs. 1 FamG­KG grund­sätz­lich ein Bruch­teil des Mehr­be­trags zugrun­de zu legen, den der Antrags­geg­ner sich im Zuge­winn­aus­gleich als Fol­ge der Auf­de­ckung noch nicht bekann­ten Pri­vat­ver­mö­gens der Antrag­stel­le­rin zum Stich­tag erhofft 7. Die­ser Bruch­teil wäre hier zudem gege­be­nen­falls wei­ter zu redu­zie­ren, weil es nicht um die Aus­kunft selbst, son­dern ledig­lich um die Vor­la­ge von die Aus­kunft bestä­ti­gen­den Bele­gen geht. Nach­dem jedoch kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich sind, anhand derer sich der vom Antrags­geg­ner erhoff­te Mehr­be­trag bestim­men lässt, ist zumin­dest denk­bar, auch zur Bewer­tung der Pflicht zur Beleg­vor­la­ge auf den Auf­fang­wert des § 42 Abs. 3 FamG­KG von 5.000 € zurück­zu­grei­fen 8.

Dem­nach könn­te das Beschwer­de­ge­richt bei einer neu­er­li­chen Wert­be­mes­sung mög­li­cher­wei­se zu einem 600 € über­stei­gen­den Beschwer­de­wert gelan­gen. Der ange­foch­te­ne Beschluss ist daher auf­zu­he­ben und die Sache zur erneu­ten Behand­lung und Ent­schei­dung an das Beschwer­de­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Mai 2016 – XII ZB 12/​16

  1. vgl. dazu etwa BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 317/​14 Fam­RZ 2015, 838 Rn. 22
  2. BGH, Beschlüs­se vom 30.07.2014 – XII ZB 85/​14 Fam­RZ 2014, 1696 Rn. 9; und vom 09.04.2014 – XII ZB 565/​13 Fam­RZ 2014, 1100 Rn. 11 mwN
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 30.07.2014 – XII ZB 85/​14 Fam­RZ 2014, 1696 Rn. 12
  4. BGH, Beschluss vom 02.09.2015 – XII ZB 132/​15 Fam­RZ 2015, 2142 Rn. 17 mwN
  5. BGH, Urtei­le vom 05.05.1993 – XII ZR 88/​92 Fam­RZ 1993, 1423, 1424; und vom 26.01.1983 – IVb ZR 355/​81 Fam­RZ 1983, 454; Wendl/​Schmitz Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 9. Aufl. § 10 Rn. 350
  6. vgl. auch BGH, Urteil vom 10.12 2008 – XII ZR 108/​05 Fam­RZ 2009, 495 Rn. 16
  7. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2008 – XII ZR 108/​05 Fam­RZ 2009, 495 Rn. 16
  8. vgl. Thiel in Schneider/​Herget Streit­wert-Kom­men­tar 14. Aufl. Rn. 6950; Schind­ler in Dorndörfer/​Neie/​Petzold/​Wendtland Beck´scher Online-Kom­men­tar Kos­ten­recht [Stand: 15.02.2016] § 42 FamG­KG Rn. 25