Aus­kunfts­pflicht über die eige­nen Ein­künf­te – und der Beschwer­de­wert

Für die Bemes­sung des Beschwer­de­wertge­gen­stan­des bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung über die eige­nen Ein­künf­te ist das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen.

Aus­kunfts­pflicht über die eige­nen Ein­künf­te – und der Beschwer­de­wert

Abge­se­hen von dem Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 1.

Dabei kann der dem Beschwer­de­ge­richt bei sei­ner Schät­zung ein­ge­räum­te Ermes­sens­spiel­raum im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Gericht die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 2.

Bezüg­lich der Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen an zwei Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung beschränkt sich die Beleg­pflicht auf die Vor­la­ge von "Gewinn- und Ver­lust­rech­nun­gen". Die­se sind Teil der Jah­res­ab­schlüs­se (§ 242 Abs. 2, 3 HGB), wel­che die Geschäfts­füh­rer spä­tes­tens inner­halb von sechs Mona­ten nach Ablauf des Geschäfts­jah­res auf­zu­stel­len haben (§ 264 Abs. 1 Satz 3, 4 HGB) und die spä­tes­tens inner­halb von elf Mona­ten durch Gesell­schaf­ter­be­schluss fest­zu­stel­len sind (§ 42 a Abs. 2 GmbHG). Dass die Gesell­schaf­ten die­sen Geset­zes­pflich­ten nicht nach­ge­kom­men sei­en, ist nicht fest­ge­stellt. Da der Antrags­geg­ner in bei­den hier in Rede ste­hen­den Gesell­schaf­ten wäh­rend des maß­geb­li­chen Aus­kunfts­zeit­raums sowohl eine Geschäfts­füh­rer- als auch eine Gesell­schaf­ter­stel­lung inne­hat­te, kann man­gels gegen­tei­li­ger Anhalts­punk­te davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass er über die jewei­li­gen Gewinn- und Ver­lust­rech­nun­gen ver­fügt.

Ins­be­son­de­re bedarf es zur Erfül­lung der Aus­kunft auch inso­weit nicht der Hin­zu­zie­hung eines Steu­er­be­ra­ters. Die Kos­ten der Zuzie­hung einer sach­kun­di­gen Hilfs­per­son kön­nen bei der Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des näm­lich nur berück­sich­tigt wer­den, wenn sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der Aus­kunfts­pflich­ti­ge zu einer sach­ge­rech­ten Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in der Lage ist 3. Davon ist im vor­lie­gen­den Fall nicht aus­zu­ge­hen.

Der eige­ne Zeit­auf­wand des Aus­kunfts­pflich­ti­gen konn­te für die hier rele­van­te Zeit nicht höher als maxi­mal 17 € pro Stun­de bewer­tet wer­den 4. Dass danach ein Gesamt­auf­wand von ins­ge­samt über 600 € ent­stün­de, ist weder ersicht­lich noch dar­ge­legt.

Eben­falls ist der Auf­wand für die Erstel­lung eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses nicht in die maß­geb­li­che Beschwer ein­zu­rech­nen. Für die Wert­gren­ze der Beschwer­de nach § 61 Abs. 1 FamFG ist nicht die Beschwer aus dem ange­foch­te­nen Beschluss, son­dern der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des aus dem beab­sich­tig­ten Rechts­mit­tel­ver­fah­ren maß­ge­bend 5. Beschränkt der Rechts­mit­tel­füh­rer wie hier sein Rechts­mit­tel auf ein­zel­ne Gegen­stän­de der aus­ge­spro­che­nen Ver­pflich­tung, ist nur die dar­in lie­gen­de Beschwer für das Errei­chen der Zuläs­sig­keits­gren­ze her­an­zu­zie­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2014 – XII ZB 278/​13

  1. BGH, Beschlüs­se vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11 Fam­RZ 2012, 24 Rn. 16; und vom 23.03.2011 – XII ZB 436/​10 Fam­RZ 2011, 882 Rn. 9 mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 26.10.2011 – XII ZB 465/​11 Fam­RZ 2012, 24 Rn. 17; vom 14.02.2007 – XII ZB 150/​05 Fam­RZ 2007, 711 Rn. 9; vom 03.11.2004 – XII ZB 165/​00 Fam­RZ 2005, 104, 105; BGHZ 155, 127 = Fam­RZ 2003, 1267, 1268; und vom 24.07.2002 – XII ZB 31/​02 Fam­RZ 2003, 597[]
  3. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – XII ZB 25/​05 Fam­RZ 2006, 33, 34; und BGH, Urteil vom 11.07.2001 – XII ZR 14/​00 Fam­RZ 2002, 666, 667[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2012 – XII ZB 594/​11; und vom 21.03.2012 – XII ZB 420/​11; BGH Beschluss vom 28.09.2011 – IV ZR 250/​10, Fam­RZ 2012, 299 mwN[]
  5. vgl. BGH Beschluss vom 30.11.2005 – IV ZR 214/​04, NJW 2006, 1142[]