Befris­tung von Auf­sto­ckungs­un­ter­halt in Alt­fäl­len

Wur­de ein Anspruch auf Auf­sto­ckungs­un­ter­halt gemäß § 1573 Abs. 2 BGB nach der Ver­öf­fent­li­chung des BGH, Urteils vom 12.04.2006 1 durch Urteil gege­be­nen­falls auch in Abän­de­rung eines zuvor geschlos­se­nen Pro­zess­ver­gleichs fest­ge­legt, so ergibt sich weder aus der anschlie­ßen­den Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung noch aus dem Inkraft­tre­ten des § 1578 b BGB am 1.01.2008 eine wesent­li­che Ände­rung der recht­li­chen Ver­hält­nis­se.

Befris­tung von Auf­sto­ckungs­un­ter­halt in Alt­fäl­len

Das gilt auch dann, wenn aus der Ehe Kin­der her­vor­ge­gan­gen sind, die von dem unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten betreut wur­den 2.

Die­se Grund­sät­ze kom­men auch dann zur Anwen­dung, wenn es im ers­ten Abän­de­rungs­ver­fah­ren nicht zu einer (Neu)Festsetzung des Unter­halts, son­dern (nur) zu einer voll­stän­di­gen Abwei­sung des Abän­de­rungs­be­geh­rens des Unter­halts­pflich­ti­gen gekom­men ist.

Wird bei einem durch Ver­gleich titu­lier­ten Unter­halt ein ers­tes Abän­de­rungs­be­geh­ren des Unter­halts­pflich­ti­gen in vol­lem Umfan­ge zurück­ge­wie­sen, ist der Unter­halts­pflich­ti­ge mit sei­nem erneu­ten Abän­de­rungs­be­geh­ren der Beschrän­kung durch die Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten aus­ge­setzt, deren Reich­wei­te sich aus der Wir­kung der Rechts­kraft der ers­ten Abän­de­rungs­ent­schei­dung ergibt 3. Die Rechts­kraft einer im ers­ten Abän­de­rungs­ver­fah­ren ergan­ge­nen ableh­nen­den gericht­li­chen Ent­schei­dung gebie­tet es, die im zwei­ten Abän­de­rungs­ver­fah­ren vor­ge­brach­ten Grün­de, mit denen der Unter­halts­ver­pflich­te­te eine erneu­te Ent­schei­dung über den­sel­ben Ver­fah­rens­ge­gen­stand anstrebt, zunächst dar­an zu mes­sen, ob ver­än­der­te Umstän­de vor­lie­gen 4.

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te das Amts­ge­richt die im Jahr 2005 erho­be­ne Abän­de­rungs­kla­ge durch sein im Janu­ar 2007 ver­kün­de­tes Urteil mit der Begrün­dung abge­wie­sen, dass sich der Unter­halts­be­darf der unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­frau gegen­über den Ver­hält­nis­sen bei Ver­gleichs­schluss im Jah­re 1998 nicht ver­rin­gert habe; dabei hat es auf­sei­ten der Ehe­frau Ein­künf­te aus einer voll­schich­ti­gen Erwerbs­tä­tig­keit in die Unter­halts­be­mes­sung ein­ge­stellt. Das Amts­ge­richt hat sich in den Ent­schei­dungs­grün­den mit dem vom unter­halts­pflich­ti­gen Ehe­mann gel­tend gemach­ten Ein­wand der Befris­tung nach § 1573 Abs. 5 BGB aF aus­ein­an­der­ge­setzt und eine Befris­tung aus­drück­lich abge­lehnt. Soweit das Amts­ge­richt damit in Bezug auf die Unter­halts­be­fris­tung eine Bil­lig­keits­ent­schei­dung getrof­fen hat, wird die­se von der Rechts­kraft sei­ner Ent­schei­dung erfasst. Da sich die für die Bil­lig­keits­ent­schei­dung maß­geb­li­chen tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se ins­be­son­de­re im Hin­blick auf das Vor­lie­gen oder Nicht­vor­lie­gen ehe­be­ding­ter Nach­tei­le der Beklag­ten nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen seit­her nicht geän­dert haben, kommt es allein dar­auf an, ob eine wesent­li­che Ände­rung der recht­li­chen Ver­hält­nis­se zur Unter­halts­be­fris­tung ein­ge­tre­ten ist. Dies ist mit Blick dar­auf, dass die münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt am 29.11.2006 geschlos­sen wor­den ist, nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Novem­ber 2015 – XII ZR 6/​15

  1. BGH, Urteil vom 12.04.2006 – XII ZR 240/​03 Fam­RZ 2006, 1006[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.12 2011 – XII ZR 159/​09 Fam­RZ 2012, 288 Rn. 39; und vom 29.09.2010 – XII ZR 205/​08 Fam­RZ 2010, 1884 Rn. 30 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.05.2013 – XII ZB 374/​11 Fam­RZ 2013, 1215 Rn. 16 ff.; Wendl/​Schmitz Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 9. Aufl. § 10 Rn. 254[]
  4. BGH, Beschluss vom 29.05.2013 – XII ZB 374/​11 Fam­RZ 2013, 1215 Rn. 18[]