Beschwer­de­an­trag in Fami­li­en­sa­chen

Mit den Anfor­de­run­gen an einen bestimm­ten Beschwer­de­an­trag in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen hat sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof1 befasst:

Beschwer­de­an­trag in Fami­li­en­sa­chen

Nach § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG hat der Beschwer­de­füh­rer in Ehe­sa­chen und Fami­li­en­streit­sa­chen zur Begrün­dung sei­ner Beschwer­de einen bestimm­ten Sach­an­trag zu stel­len und die­sen zu begrün­den. Zweck des § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG ist es, den Beschwer­de­füh­rer im Inter­es­se der Beschleu­ni­gung des Beschwer­de­ver­fah­rens dazu anzu­hal­ten, sich ein­deu­tig über Umfang und Ziel sei­nes Rechts­mit­tels zu erklä­ren und das Beschwer­de­ge­richt und den Ver­fah­rens­geg­ner über Umfang und Inhalt sei­ner Angrif­fe mög­lichst schnell und zuver­läs­sig ins Bild zu set­zen. Die Vor­schrift ver­langt kei­ne beson­de­re For­ma­li­sie­rung der Antrag­stel­lung, so dass es ins­be­son­de­re eines förm­li­chen; und vom übri­gen Inhalt der Beschwer­de­be­grün­dung abge­setz­ten Antra­ges nicht bedarf2. Es genügt viel­mehr, wenn die inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze des Beschwer­de­füh­rers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig erken­nen las­sen, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ange­foch­ten wer­den soll3.

Aller­dings stellt es auch in den Fäl­len des § 142 Abs. 1 Satz 2 FamFG kei­ne im Sin­ne von § 117 Abs. 1 Satz 1 FamFG for­mal aus­rei­chen­de Begrün­dung einer Beschwer­de zum Schei­dungs­aus­spruch dar, wenn die Beschwer­de­be­grün­dung aus­schließ­lich Aus­füh­run­gen zu der beim Aus­gangs­ge­richt ver­blei­ben­den Streit­fol­ge­sa­che ent­hält4, zumal dies die Schluss­fol­ge­rung nahe­legt, dass es sich bei der Beschwer­de tat­säch­lich um ein unstatt­haf­tes Rechts­mit­tel gegen die im Ver­bund­be­schluss ent­hal­te­ne Teil­ver­säum­nis­ent­schei­dung han­delt5.

Aus­rei­chend ist es dem­ge­gen­über, wenn sich der Begrün­dung der Beschwer­de hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men lässt, dass das Ziel des Rechts­mit­tels dar­in besteht, die Mög­lich­keit der Wie­der­zu­sam­men­füh­rung der in den unter­schied­li­chen Instan­zen anhän­gi­gen Ver­fah­rens­tei­le in einen Ent­schei­dungs­ver­bund zu wah­ren, wenn der durch Ein­spruch ange­foch­te­ne Ver­fah­rens­teil nach einer Beschwer­de gegen die inso­weit erge­hen­de End­ent­schei­dung des Aus­gangs­ge­richts eben­falls in die Rechts­mit­tel­in­stanz gelangt. Davon kann grund­sätz­lich aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der Beschwer­de­füh­rer Ver­fah­rens­feh­ler des Aus­gangs­ge­richts im Zusam­men­hang mit der Behand­lung des Schei­dungs­ver­bunds rügt6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. April 2015 – XII ZB 590/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 04.09.2013 XII ZB 87/​12 Fam­RZ 2013, 1879; und vom 25.06.2014 XII ZB 134/​13 Fam­RZ 2014, 1443 []
  2. vgl. BGH Beschluss vom 13.05.1998 – VIII ZB 9/​98 NJW-RR 1999, 211 zu § 519 Abs. 3 Nr. 1 ZPO aF []
  3. BGH, Beschlüs­se vom 04.09.2013 XII ZB 87/​12 Fam­RZ 2013, 1879 Rn. 11; und vom 25.06.2014 XII ZB 134/​13 Fam­RZ 2014, 1443 Rn. 16 []
  4. BGH, Beschluss vom 25.06.2014 XII ZB 134/​13 Fam­RZ 2014, 1443 Rn.19 f. []
  5. vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 25.06.1997 XII ZB 71/​97 BGHR ZPO § 339 Abs. 2 Ein­spruchs­frist 2; und vom 11.05.1994 XII ZB 55/​94 Fam­RZ 1994, 1521 []
  6. vgl. auch BGH, Beschluss vom 04.09.2013 XII ZB 87/​12 Fam­RZ 2013, 1879 Rn. 12 f. []