Beschwer­de­be­fug­nis eines berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­trä­gers im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Für die Beschwer­de­be­fug­nis eines berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­trä­gers ist sein recht­li­ches Inter­es­se an einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Rege­lung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs maß­geb­lich; nicht ent­schei­dend ist, ob die im Streit ste­hen­de Anwart­schaft vom Gericht zu hoch oder zu gering bemes­sen wor­den ist [1].

Beschwer­de­be­fug­nis eines berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­trä­gers im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass es für die Beschwer eines Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers nicht ent­schei­dend ist, ob die über­tra­ge­nen oder zu begrün­den­den Anwart­schaf­ten vom Gericht zu hoch oder zu gering bemes­sen wor­den sind. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung stel­le allein auf die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen des Ver­sor­gungs­aus­gleichs ab und las­se das recht­li­che Inter­es­se der zu betei­li­gen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger an einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Rege­lung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs außer Betracht [2].

Zwar han­delt es sich bei der Rechts­be­schwer­de­füh­re­rin nicht um einen Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und auch nicht um den Trä­ger einer beam­ten­recht­li­chen Ver­sor­gung [3], son­dern um eine berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­an­stalt des öffent­li­chen Rechts. Die­se nimmt für die Alters­ver­sor­gung der bei ihr Ver­si­cher­ten jedoch eine ver­gleich­ba­re Stel­lung wie die vor­ge­nann­ten Ver­sor­gungs­trä­ger ein. Gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI sind die Mit­glie­der einer berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung grund­sätz­lich von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht befreit. Fer­ner zählt der Gesetz­ge­ber sie zu den Regel­si­che­rungs­sys­te­men im Sin­ne des § 32 VersAus­glG, auf die er die Anpas­sun­gen nach Rechts­kraft (§ 32 ff. VersAus­glG, bis­lang §§ 4 bis 10 VAHRG) und Abän­de­run­gen des Wert­aus­gleichs bei der Schei­dung (§§ 225, 226 FamFG; bis­lang § 10 a VAHRG) beschränkt hat [4].

Im Übri­gen lässt sich wegen der Unge­wiss­heit des zukünf­ti­gen „Ver­si­che­rungs­ver­laufs“ regel­mä­ßig nicht fest­stel­len, wie sich die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung im kon­kre­ten Fall tat­säch­lich für den Ver­sor­gungs­trä­gers aus­wir­ken wird [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. März 2012 – XII ZB 599/​10

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 12.11.1980 – IVb ZB 712/​80FamRZ 1981, 132[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.11.1980 – IVb ZB 712/​80, FamRZ 1981, 132, 133; s. auch BGH, Beschlüs­se vom 11.04.1984 – IVb ZB 87/​83, FamRZ 1984, 671; und vom 18.02.2009 – XII ZB 221/​06, FamRZ 2009, 853 Rn. 12; OLG Karls­ru­he FamRZ 1989, 984, 985[]
  3. s. dazu BGH, Beschluss vom 18.02.2009 – XII ZB 221/​06, FamRZ 2009, 853[]
  4. BT-Drucks. 16/​10144 S. 42 und 72[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 18.02.2009 – XII ZB 221/​06, FamRZ 2009, 853 Rn. 12[]