Beschwer­de­be­rech­ti­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren

In Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren rich­tet sich die Beschwer­de­be­rech­ti­gung der am Ver­fah­ren mate­ri­ell betei­lig­ten Ver­sor­gungs­trä­ger und der Ehe­gat­ten grund­sätz­lich nach § 59 Abs. 1 FamFG. Eine Beschwer­de­be­rech­ti­gung nach die­ser Vor­schrift setzt vor­aus, dass die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich mit einem unmit­tel­ba­ren Ein­griff in die sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lung des Beschwer­de­füh­rers ver­bun­den ist.

Beschwer­de­be­rech­ti­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleichs­ver­fah­ren

Beschwer­de­be­fug­nis des Ver­sor­gungs­trä­gers[↑]

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Ver­sor­gungs­trä­ger in sei­nen Rech­ten unmit­tel­bar betrof­fen, wenn ein bei ihm bestehen­des Anrecht ver­se­hent­lich nicht in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­be­zo­gen wor­den ist, zumal sich wegen der Unge­wiss­heit zukünf­ti­ger Ver­si­che­rungs­ver­läu­fe regel­mä­ßig nicht fest­stel­len lässt, ob sich die Nicht­ein­be­zie­hung des Anrechts im kon­kre­ten Fall wirt­schaft­lich zum Nach­teil des Ver­sor­gungs­trä­gers aus­wir­ken kann 1.

Die­se Grund­sät­ze kom­men auch dann zur Anwen­dung, wenn für das in der Aus­gangs­ent­schei­dung über­gan­ge­ne Anrecht die Anwen­dung der Baga­tell­klau­sel des § 18 VersAus­glG in Rede steht 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass eine unmit­tel­ba­re Betrof­fen­heit des Ver­sor­gungs­trä­gers in eige­nen Rech­ten jeden­falls dann gege­ben ist, wenn er mit sei­ner Beschwer­de in Bezug auf ein Anrecht die unzu­tref­fen­de Beur­tei­lung der gesetz­li­chen Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen von § 18 Abs. 1 und 2 VersAus­glG rügt 3. Glei­ches muss auch dann gel­ten, wenn das Gericht der Aus­gangs­ent­schei­dung ein Anrecht über­sieht und sich daher von vorn­her­ein der Fra­ge ver­schließt, ob die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung von § 18 VersAus­glG in Bezug auf das über­gan­ge­ne Anrecht vor­lie­gen.

Beschwer­de­be­fug­nis des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten[↑]

Der aus­gleichs­pflich­ti­ge Ehe­gat­te hat einen Rechts­an­spruch dar­auf, dass sein gerecht­fer­tig­tes Begeh­ren, den Ver­sor­gungs­aus­gleich wegen eines von ihm erwor­be­nen Baga­tel­l­an­rechts nach § 18 VersAus­glG aus­zu­schlie­ßen, durch eine Beschluss­fas­sung nach § 224 Abs. 3 FamFG for­mell beschie­den wird 4. Denn mit die­sem Aus­spruch steht aus­drück­lich und bin­dend fest, dass dem aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten nicht etwa die Mög­lich­keit offen bleibt, in einem spä­te­ren Ver­fah­ren wegen die­ses gering­wer­ti­gen Anrechts schuld­recht­li­che Aus­gleichs­an­sprü­che nach der Schei­dung gel­tend zu machen 5.

Zwar kön­nen auch die vom Gericht in der Aus­gangs­ent­schei­dung ver­se­hent­lich über­gan­ge­nen Anrech­te, die als aus­gleichs­rei­fe Anrech­te an sich dem Wert­aus­gleich bei der Schei­dung unter­fal­len wären, nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht Gegen­stand von spä­te­ren Aus­gleichs­an­sprü­chen nach der Schei­dung gemäß §§ 20 ff. VersAus­glG sein 6. Inso­weit liegt die Beschwer des aus­gleichs­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten aller­dings schon in der Gefahr einer abwei­chen­den Beur­tei­lung die­ser Rechts­la­ge durch ein spä­ter mit schuld­recht­li­chen Aus­gleichs­an­sprü­chen befass­tes Gericht 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2015 – XII ZB 33/​13

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.02.2009 – XII ZB 221/​06 Fam­RZ 2009, 853 Rn. 12; und vom 19.01.2000 – XII ZB 16/​96 Fam­RZ 2000, 746[]
  2. im Ergeb­nis eben­so OLG Bran­den­burg Beschluss vom 24.11.2014 – 9 UF 262/​14 5[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.01.2013 – XII ZB 550/​11 , Fam­RZ 2013, 612 Rn.20 f.[]
  4. Borth/​Grandel in Musielak/​Borth FamFG 5. Aufl. § 224 Rn. 9[]
  5. vgl. Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 3. Aufl. Rn. 435; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 5. Aufl. § 18 Rn. 11[]
  6. BGH, Beschluss BGHZ 198, 91 = Fam­RZ 2013, 1548 Rn. 24 ff.[]
  7. vgl. auch BGH, Beschluss vom 26.10.1994 – XII ZB 114/​93 Fam­RZ 1995, 293[]