Beschwer­de­ver­fah­ren über eine teil­wei­se Sor­ge­rechts­ent­zie­hung – und die refor­ma­tio in pei­us

Das Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us gilt in Beschwer­de­ver­fah­ren über eine (teil­wei­se) Sor­ge­rechts­ent­zie­hung nur ein­ge­schränkt und schließt nach ent­spre­chen­dem Hin­weis an die Betei­lig­ten eine im Sin­ne des Kin­des­wohls gebo­te­ne Ent­zie­hung wei­te­rer elter­li­cher Sor­ge­be­fug­nis­se auch dann nicht aus, wenn nur die Eltern Beschwer­de ein­ge­legt haben 1.

Beschwer­de­ver­fah­ren über eine teil­wei­se Sor­ge­rechts­ent­zie­hung – und die refor­ma­tio in pei­us

Die (hier:) erst­ma­li­ge Ent­zie­hung des Umgangs­be­stim­mungs­rechts im Beschwer­de­ver­fah­ren ist ver­fah­rens­recht­lich zuläs­sig. Ein Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us besteht inso­weit nicht, da im Ver­fah­ren nach §§ 1666, 1666 a BGB die Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me nicht gilt und des­halb vom Rechts­mit­tel­füh­rer im Inter­es­se des Kin­des­wohls auch eine Schlech­ter­stel­lung hin­zu­neh­men ist 2. Die- se vor dem Inkraft­tre­ten der FGG-Reform ergan­ge­ne Recht­spre­chung ist für das seit 1.09.2009 gel­ten­de Ver­fah­rens­recht auf­recht­zu­er­hal­ten, zumal für eine dies­be­züg­li­che Ände­rungs­ab­sicht des Gesetz­ge­bers nichts ersicht­lich ist.

Die zum Betreu­ungs­recht ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 steht wegen der Ver­schie­den­ar­tig­keit von Sor­ge­rechts­ent­zie­hung und Betreu­er­be­stel­lung nicht ent­ge­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dar­in bereits auf sei­ne in Kind­schafts­sa­chen anders­lau­ten­de Recht­spre­chung hin­ge­wie­sen 4.

Die­se Dif­fe­ren­zie­rung ent­spricht auch der Pra­xis zum frü­he­ren Ver­fah­rens­recht 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2016 – XII ZB 47/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.10.2007 XII ZB 42/​07 Fam­RZ 2008, 45[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.10.2007 XII ZB 42/​07 Fam­RZ 2008, 45 Rn. 24[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 11.12 2013 XII ZB 280/​11 Fam­RZ 2014, 378 Rn. 10; und vom 03.12 2014 XII ZB 355/​14 Fam­RZ 2015, 486 Rn. 24[]
  4. BGH, Beschluss vom 03.12 2014 XII ZB 355/​14 Fam­RZ 2015, 486 Rn. 27[]
  5. vgl. Keidel/​Kahl FGG 15. Aufl. § 19 Rn. 117 f. mwN[]