Bestel­lung eines Kon­troll­be­treu­ers – und der Wil­le des Betreu­ten

Zu den Vor­aus­set­zun­gen für die Bestel­lung eines Kon­troll­be­treu­ers hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Bestel­lung eines Kon­troll­be­treu­ers – und der Wil­le des Betreu­ten

Nach § 1896 Abs. 1a BGB darf gegen den frei­en Wil­len eines Voll­jäh­ri­gen ein Betreu­er nicht bestellt wer­den. Daher muss vor der gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen erfol­gen­den Bestel­lung fest­ge­stellt wer­den, dass der Betrof­fe­ne nicht in der Lage ist, sei­nen Wil­len frei zu bestim­men. Dies gilt auch, soweit wie hier jeden­falls mit den Beschlüs­sen des Amts­ge­richts vom 24.02.und 5.03.2015 erfolgt ein Kon­troll­be­treu­er ein­ge­setzt wird 1.

Dabei ist der Begriff der frei­en Wil­lens­be­stim­mung im Sin­ne des § 1896 Abs. 1a BGB mit dem des § 104 Nr. 2 BGB im Kern deckungs­gleich. Die bei­den ent­schei­den­den Kri­te­ri­en sind die Ein­sichts­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen und des­sen Fähig­keit, nach die­ser Ein­sicht zu han­deln. Fehlt es an einem die­ser bei­den Ele­men­te, liegt kein frei­er, son­dern nur ein natür­li­cher Wil­le vor. Ein­sichts­fä­hig­keit setzt die Fähig­keit des Betrof­fe­nen vor­aus, im Grund­satz die für und wider eine Betreu­er­be­stel­lung spre­chen­den Gesichts­punk­te zu erken­nen und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen. An die Auf­fas­sungs­ga­be des Betrof­fe­nen dür­fen jedoch kei­ne über­spann­ten Anfor­de­run­gen gestellt wer­den. Auch der an einer Erkran­kung im Sin­ne des § 1896 Abs. 1 BGB lei­den­de Betrof­fe­ne kann in der Lage sein, einen frei­en Wil­len zu bil­den und ihn zu äußern. Der Betrof­fe­ne muss Grund, Bedeu­tung und Trag­wei­te einer Betreu­ung intel­lek­tu­ell erfas­sen kön­nen, was den­knot­wen­dig vor­aus­setzt, dass er sei­ne Defi­zi­te im Wesent­li­chen zutref­fend ein­schät­zen und auf der Grund­la­ge die­ser Ein­schät­zung die für oder gegen eine Betreu­ung spre­chen­den Gesichts­punk­te gegen­ein­an­der abwä­gen kann. Ist der Betrof­fe­ne zur Bil­dung eines kla­ren Urteils zur Pro­ble­ma­tik der Betreu­er­be­stel­lung in der Lage, muss ihm wei­ter mög­lich sein, nach die­sem Urteil zu han­deln und sich dabei von den Ein­flüs­sen inter­es­sier­ter Drit­ter abzu­gren­zen. Die Fest­stel­lun­gen zum krank­heits­be­ding­ten Aus­schluss der frei­en Wil­lens­be­stim­mung müs­sen nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs durch ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten belegt sein 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – XII ZB 381/​15

  1. BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – XII ZB 177/​15[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – XII ZB 177/​15 mwN[]