Betreu­er­aus­wahl gegen den Wil­len des Betreu­ten

Zu den Vor­aus­set­zun­gen, unter denen nach § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB bei der Aus­wahl eines Betreu­ers vom Vor­schlag des voll­jäh­ri­gen Betreu­ten abge­wi­chen wer­den kann, hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof erneut 1 Stel­lung genom­men:

Betreu­er­aus­wahl gegen den Wil­len des Betreu­ten

Im Fall des § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB steht dem Rich­ter bei der Aus­wahl des Betreu­ers kein Ermes­sen zu. Es ist die Per­son zum Betreu­er zu bestel­len, die der Betreu­te wünscht 2. Der Wil­le des Betreu­ten kann aber dann unbe­rück­sich­tigt blei­ben, wenn die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son dem Wohl des Betreu­ten zuwi­der­läuft 3. Dies setzt vor­aus, dass sich auf­grund einer umfas­sen­den Abwä­gung aller rele­van­ten Umstän­de Grün­de von erheb­li­chem Gewicht erge­ben, die gegen die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son spre­chen. Es muss die kon­kre­te Gefahr bestehen, dass der Vor­ge­schla­ge­ne die Betreu­ung des Betrof­fe­nen nicht zu des­sen Wohl füh­ren kann oder will 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2010 – XII ZB 355/​10

  1. im Anschluss an den Senats­be­schluss vom 15. Sep­tem­ber 2010 – XII ZB 166/​10Fam­RZ 2010, 1897 ff.[]
  2. BayO­bLG Fam­RZ 2001, 1100 (Ls.); MünchKommBGB/​Schwab 5. Aufl. § 1897 Rn. 21[]
  3. BayO­bLG aaO; OLG Hamm Fam­RZ 2001, 254, 255[]
  4. BGH, Beschluss vom 15.09.2010 – XII ZB 166/​10, Fam­RZ 2010, 1897 Rn. 20; BayO­bLG aaO; OLG Hamm aaO; MünchKommBGB/​Schwab aaO § 1897 Rn. 21[]