Betreu­er­be­stel­lung gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen

Nach § 1896 BGB bestellt das Betreu­ungs­ge­richt für einen Voll­jäh­ri­gen, der auf­grund einer psy­chi­schen Krank­heit oder einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung sei­ne Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen kann, auf sei­nen Antrag oder von Amts wegen einen Betreu­er.

Betreu­er­be­stel­lung gegen den Wil­len des Betrof­fe­nen

Im Hin­blick auf den erheb­li­chen Ein­griff in die Frei­heits­rech­te, der mit einer Betreu­er­be­stel­lung ver­bun­den ist, erfor­dert die Anord­nung und Auf­recht­erhal­tung einer Betreu­ung eine sorg­fäl­ti­ge Sach­ver­halts­auf­klä­rung zu den medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen einer Betreu­er­be­stel­lung 1. Gemäß § 26 FamFG ist das Gericht von Amts wegen ver­pflich­tet, alle zur Fest­stel­lung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen durch­zu­füh­ren. Über Art und Umfang die­ser Ermitt­lun­gen ent­schei­det zwar grund­sätz­lich der Tatrich­ter nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat jedoch unter ande­rem nach­zu­prü­fen, ob das Beschwer­de­ge­richt die Gren­zen sei­nes Ermes­sens ein­ge­hal­ten hat, fer­ner, ob es von zutref­fen­den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen aus­ge­gan­gen ist 2. Dazu gehört, dass sich der Tatrich­ter davon über­zeugt, dass das sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de geleg­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten auf zutref­fen­den Tat­sa­chen­grund­la­gen beruht.

Nach § 1896 Abs. 1 a BGB darf gegen den frei­en Wil­len des Voll­jäh­ri­gen ein Betreu­er nicht bestellt wer­den. Stimmt der Betrof­fe­ne der Ein­rich­tung einer Betreu­ung nicht zu, so ist neben der Not­wen­dig­keit einer Betreu­ung stets zu prü­fen, ob die Ableh­nung durch den Betrof­fe­nen auf einem frei­en Wil­len beruht 3. Das fach­ärzt­lich bera­te­ne Gericht hat daher fest­zu­stel­len, ob der Betrof­fe­ne trotz sei­ner Erkran­kung noch zu einer frei­en Wil­lens­be­stim­mung fähig ist.

Wenn der Betrof­fe­ne die Bestel­lung eines Betreu­ers ablehnt, darf ohne ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen zu § 1896 Abs. 1 a BGB kei­ne Betreu­ung ange­ord­net wer­den. Das gilt auch dann, wenn eine Betreu­ung für den Betrof­fe­nen objek­tiv vor­teil­haft wäre 4.

  1. Keidel/​Budde FamFG 17. Aufl. § 280 Rn. 1[]
  2. BGH, Beschluss vom 16.05.2012 – XII ZB 584/​11, Fam­RZ 2012, 1210 Rn. 6[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 14.03.2012 – XII ZB 502/​11, Fam­RZ 2012, 869 Rn. 13 und vom 09.02.2011 – XII ZB 526/​10, Fam­RZ 2011, 630 Rn. 3[]
  4. BGH, Beschluss vom 14.03.2012 – XII ZB 502/​11, Fam­RZ 2012, 869 Rn.19[]