Betreu­er­ver­gü­tung für einen Ver­wal­tungs­fach­wirt

Ein Betreu­er, der berufs­be­glei­tend an einem Stu­di­en­in­sti­tut für kom­mu­na­le Ver­wal­tung den "Ange­stell­ten­lehr­gang II" mit einem Gesamt­auf­wand von 1.050 Stun­den und dem erfolg­rei­chen Abschluss zum "Ver­wal­tungs­fach­wirt" absol­viert hat, kann sei­ner Ver­gü­tung nicht einen Stun­den­satz nach der höchs­ten Ver­gü­tungs­stu­fe von 44 Euro zugrun­de legen, weil sei­ne Aus­bil­dung nicht mit einer abge­schlos­se­nen Hoch­schul­aus­bil­dung im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Nr. 2 VBVG ver­gleich­bar ist. Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass der Abschluss zum geprüf­ten Fach­wirt im Deut­schen Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men für lebens­lan­ges Ler­nen (DQR) mit dem Bache­lor-Abschluss auf der glei­chen (sechs­ten) Niveau­stu­fe ein­ge­ord­net wor­den ist.

Betreu­er­ver­gü­tung für einen Ver­wal­tungs­fach­wirt

Gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG kann der Betreu­er die erhöh­te Ver­gü­tung von 44 € pro Stun­de nur bean­spru­chen, wenn er über beson­de­re Kennt­nis­se ver­fügt, die für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­bar sind, und wenn er die­se Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder durch eine ver­gleich­ba­re Aus­bil­dung erwor­ben hat.

Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Berufs­be­treu­er im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG die Bewil­li­gung einer erhöh­ten Ver­gü­tung recht­fer­ti­gen, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob er die maß­geb­li­chen Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt, Rechts­be­grif­fe ver­kannt und Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt und die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat 1.

Der von der Betreue­rin berufs­glei­tend an einem Stu­di­en­in­sti­tut für kom­mu­na­le Ver­wal­tung im "Ange­stell­ten­lehr­gang II" erwor­be­ne Fort­bil­dungs­ab­schluss zur Ver­wal­tungs­fach­wir­tin ist einem Hoch­schul­ab­schluss recht­lich nicht gleich­ge­stellt. Eine recht­li­che Gleich­stel­lung lässt sich ins­be­son­de­re nicht schon dar­aus her­lei­ten, dass der Abschluss zum geprüf­ten Fach­wirt im Deut­schen Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men für lebens­lan­ges Ler­nen (DQR) mit dem Bache­lor-Abschluss und dem Fach­hoch­schul­di­plom auf der glei­chen Stu­fe ein­ge­ord­net wor­den ist 2.

Soweit in tatrich­ter­li­cher Ver­ant­wor­tung die Ver­gleich­bar­keit der von der Betreue­rin im "Ange­stell­ten­lehr­gang II" absol­vier­ten Aus­bil­dung mit einer Hoch­schul­aus­bil­dung – ins­be­son­de­re dem drei­jäh­ri­gen Stu­di­um an einer Fach­hoch­schu­le für öffent­li­che Ver­wal­tung mit dem Abschluss eines Diplom-Ver­wal­tungs­wirts (FH) oder eines "Bache­lor of Laws" bzw. eines "Bache­lor of Arts – All­ge­mei­ne Ver­wal­tung" – ver­neint wur­de, hält dies vor dem Bun­des­ge­richts­hof stand.

Einer Hoch­schul­aus­bil­dung ver­gleich­bar ist eine Aus­bil­dung, die ihr in ihrer Wer­tig­keit ent­spricht und einen for­ma­len Abschluss auf­weist. Gleich­wer­tig ist sie, wenn sie staat­lich aner­kannt ist und der durch sie ver­mit­tel­te Wis­sens­stand nach Art und Umfang dem eines Hoch­schul- oder Fach­hoch­schul­stu­di­ums ent­spricht. Als Kri­te­ri­en hier­für kön­nen ins­be­son­de­re der mit der Aus­bil­dung ver­bun­de­ne Zeit­auf­wand, Umfang und Inhalt des Lehr­stof­fes und die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen her­an­ge­zo­gen wer­den. Bei der Prü­fung der Ver­gleich­bar­keit hat der Tatrich­ter stren­ge Maß­stä­be anzu­le­gen 3.

§ 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG knüpft als Quel­le für den Erwerb von ver­gü­tungs­er­hö­hen­den beson­de­ren Kennt­nis­sen aus­schließ­lich an den typi­sier­ten Aus­bil­dungs­gang an. Mit dem nach der Art der Aus­bil­dung gestaf­fel­ten Stun­den­satz woll­te der Gesetz­ge­ber den Gerich­ten eine leicht zu hand­ha­ben­de Rege­lung zur Ver­fü­gung stel­len und auf die­se Wei­se eine ein­heit­li­che Ver­gü­tungs­pra­xis sichern. Wort­laut und Zweck der Vor­schrift ste­hen des­halb auch einer Gesamt­be­trach­tung dahin ent­ge­gen, dass meh­re­re Aus­bil­dun­gen und Fort­bil­dungs­maß­nah­men ins­ge­samt einer Hoch­schul­aus­bil­dung ver­gleich­bar sind. Der Bun­des­ge­richts­hof hat vor die­sem Hin­ter­grund mehr­fach ent­schie­den, dass eine an die beruf­li­che Aus­bil­dung anschlie­ßen­de beruf­li­che Fort­bil­dung nicht schon des­halb mit einer (Fach)Hochschulausbildung ver­gleich­bar ist, weil die durch den Fort­bil­dungs­ab­schluss nach­ge­wie­se­nen Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten im Tarif­recht des öffent­li­chen Diens­tes nach den kon­kre­ten Ein­zel­fall­um­stän­den die Ein­grup­pie­rung eines Ange­stell­ten in eine dem geho­be­nen Dienst ent­spre­chen­de Ver­gü­tungs­grup­pe recht­fer­ti­gen kön­nen 4.

Hier­an hält der Bun­des­ge­richts­hof auch unter Berück­sich­ti­gung des von der Rechts­be­schwer­de beson­ders her­aus­ge­ho­be­nen Umstands fest, dass die Abschlüs­se des geprüf­ten Fach­wirts und des Bache­lors im DQR auf der glei­chen (sechs­ten) Niveau­stu­fe ver­or­tet wor­den sind.

Der am 1.05.2013 ein­ge­führ­te DQR ist die natio­na­le Umset­zung des Euro­päi­schen Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­mens (EQR), mit dem natio­na­le Qua­li­fi­ka­tio­nen euro­pa­weit bes­ser ver­ständ­lich gemacht wer­den sol­len. Die im deut­schen Bil­dungs­sys­tem erwor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen ord­net der DQR in acht Niveaus ein, die ihrer­seits den acht Niveaus des EQR zuge­ord­net wer­den kön­nen.

Eine Ein­ord­nung in die sechs­te Niveau­stu­fe, dem der geprüf­te Fach­wirt, der Fach­schul­ab­sol­vent und der Bachelor/​Fachhochschulabsolvent – aber auch der geprüf­te Meis­ter – zuge­ord­net sind, setzt auf der Ebe­ne der Fach­kom­pe­tenz (Wis­sen) ein "brei­tes und inte­grier­tes Wis­sen ein­schließ­lich der wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen, der prak­ti­schen Anwen­dung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches sowie eines kri­ti­schen Ver­ständ­nis­ses der wich­tigs­ten Theo­ri­en und Metho­den (ent­spre­chend der Stu­fe 1 [Bache­lor-Ebe­ne] des Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­mens für Deut­sche Hoch­schul­ab­schlüs­se)" oder aber "ein brei­tes und inte­grier­tes beruf­li­ches Wis­sen ein­schließ­lich der aktu­el­len fach­li­chen Ent­wick­lun­gen" vor­aus. Die für die Ein­stu­fung eines natio­na­len Abschlus­ses in eine bestimm­te Niveau­stu­fe tra­gen­den Erwä­gun­gen sind im DQR nicht im Ein­zel­nen offen­ge­legt, weil sich der DQR inso­weit auf den Hin­weis beschränkt, dass die Zuord­nung nach "dem Kon­sens­prin­zip im Arbeits­kreis DQR" erfolgt 5.

Schon dar­aus erschließt sich, dass sich aus der Ein­ord­nung eines Abschlus­ses in die sechs­te Niveau­stu­fe des DQR – unab­hän­gig von der recht­li­chen Unver­bind­lich­keit des DQR – kei­ne beson­de­ren Erkennt­nis­se für die im Rah­men des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG zu beur­tei­len­de Fra­ge gewin­nen las­sen, ob in der zum Abschluss füh­ren­den Aus­bil­dung eine der Hoch­schul- oder Fach­hoch­schul­aus­bil­dung nach Art und Umfang ent­spre­chen­de Wis­sens­ver­mitt­lung statt­ge­fun­den hat.

Im Übri­gen konn­te die Ermes­sens­ent­schei­dung, ledig­lich den Stun­den­satz von 33, 50 € zuzu­er­ken­nen, rechts­feh­ler­frei schon dar­auf gestützt wer­den, dass der fest­ge­stell­te Zeit­auf­wand von 1.050 Stun­den für die Fort­bil­dung im "Ange­stell­ten­lehr­gang II" deut­lich hin­ter dem Zeit­auf­wand für ein Fach­hoch­schul­stu­di­um mit einer Regel­stu­di­en­zeit von sechs Semes­tern zurück­bleibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2015 – XII ZB 186/​15

  1. BGH, Beschluss vom 17.09.2014 – XII ZB 684/​13 , Fam­RZ 2015, 253 Rn. 3 mwN[]
  2. vgl. auch BayVGH Beschluss vom 15.01.2013 – 7 CE 12.2407 23 f. und Urteil vom 13.07.2015 – 7 BV 14.1507 22 f.; VG Müns­ter Urteil vom 12.05.2014 – 4 K 3369/​12 19[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.01.2012 – XII ZB 409/​10 , Fam­RZ 2012, 629 Rn. 11 f.; und vom 04.04.2012 – XII ZB 447/​11 , NJW-RR 2012, 774 Rn. 16[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.10.2013 – XII ZB 23/​13 , Fam­RZ 2014, 117 Rn. 16; und vom 04.04.2012 – XII ZB 447/​11 , NJW-RR 2012, 774 Rn.20 f.[]
  5. vgl. auch VG Müns­ter Urteil vom 12.05.2014 – 4 K 3369/​12 22[]