Betreu­er­ver­gü­tung – und die Rechts­be­schwer­de­frist für die Staats­kas­se

Die Frist zur Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de beträgt für die Staats­kas­se in ana­lo­ger Anwen­dung des § 304 Abs. 2 FamFG drei Mona­te. Sie beginnt mit der auch form­los mög­li­chen Bekannt­ga­be der Beschwer­de­ent­schei­dung; § 63 Abs. 3 Satz 2 FamFG fin­det kei­ne Anwen­dung.

Betreu­er­ver­gü­tung – und die Rechts­be­schwer­de­frist für die Staats­kas­se

Der Lauf der Rechts­be­schwer­de­frist ergibt sich für die Staats­kas­se aus einer ana­lo­gen Anwen­dung des § 304 Abs. 2 FamFG. Abwei­chend von der all­ge­mei­nen Beschwer­de­frist nach § 63 FamFG beträgt die Frist zur Ein­le­gung der Beschwer­de durch den Ver­tre­ter der Staats­kas­se mit­hin drei Mona­te und beginnt mit der form­lo­sen Mit­tei­lung (§ 15 Abs. 3 FamFG) an ihn.

§ 304 Abs. 2 FamFG regelt eine beson­de­re Frist für die Ein­le­gung der Beschwer­de durch die Staats­kas­se. Die Vor­schrif­ten über die Rechts­be­schwer­de ver­wei­sen zwar nicht auf § 304 Abs. 2 FamFG. Die­se Rege­lung gilt jedoch für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren ent­spre­chend1. Die für die ent­spre­chen­de Anwen­dung erfor­der­li­che Rege­lungs­lü­cke liegt vor, denn weder aus dem Gesetz noch aus den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en sind Anhalts­punk­te dafür ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber in den Vor­schrif­ten über die Rechts­be­schwer­de bewusst von einem Ver­weis auf § 304 Abs. 2 FamFG abge­se­hen hat. Es besteht auch ein ver­gleich­ba­rer Bedarf, die Rechts­be­schwer­de­frist für die Staats­kas­se wie die Beschwer­de­frist beson­ders zu regeln. Dies ergibt sich schon aus dem Zweck der Vor­schrift, wonach die Rege­lung ermög­li­chen soll, dass die Bezirks­re­vi­so­ren ihre bis­he­ri­ge Pra­xis, in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Revi­sio­nen vor­zu­neh­men, bei­be­hal­ten kön­nen2. Die­se regel­mä­ßi­gen Revi­sio­nen beinhal­ten auch die Prü­fung, ob Beschwer­de­ent­schei­dun­gen ergan­gen sind, die der Staats­kas­se nicht mit­ge­teilt wor­den sind.

Aus die­sem Sinn und Zweck des § 304 Abs. 2 FamFG folgt zudem, dass die Fünf­mo­nats­frist des § 63 Abs. 3 Satz 2 FamFG dane­ben nicht zum Tra­gen kommt3, wobei dahin­ste­hen kann, ob § 63 Abs. 3 Satz 2 FamFG im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren über­haupt Anwen­dung fin­det4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Febru­ar 2017 – XII ZB 299/​15

  1. Beck­OK FamFG/​Günter [Stand: 1.08.2016] § 304 Rn. 8; Guckes in Frösch­le Pra­xis­kom­men­tar Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­ver­fah­ren 3. Aufl. § 304 FamFG Rn. 2 und § 74 FamFG Rn. 11; Prütting/​Helms/​Fröschle FamFG 3. Aufl. § 304 Rn.20; vgl. zur Beschwer­de­be­rech­ti­gung auch BGH, Beschluss vom 06.07.2016 XII ZB 61/​16 Fam­RZ 2016, 1671 Rn. 8 []
  2. BT-Drs. 16/​6308 S. 272; Jürgens/​Kretz Betreu­ungs­recht 5. Aufl. § 304 FamFG Rn. 4; Keidel/​Budde FamFG 18. Aufl. § 304 Rn. 6; Bienwald/​Sonnenfeld/​Harm/​Bienwald Betreu­ungs­recht 6. Aufl. § 304 FamFG Rn. 5; Guckes in Frösch­le Pra­xis­kom­men­tar Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­ver­fah­ren 3. Aufl. § 304 FamFG Rn. 10 []
  3. Prütting/​Helms/​Fröschle FamFG 3. Aufl. § 304 Rn. 18; vgl. auch BT-Drs. 16/​6308 S. 272 []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 531/​11 Fam­RZ 2012, 1049 Rn. 13 mwN []