Betreu­er­ver­gü­tung – und das ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen des Betreuten

Bei der Ermitt­lung des ein­zu­set­zen­den Ver­mö­gens ist grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen, ob den Ver­mö­gens­wer­ten Schul­den oder Ver­pflich­tun­gen des Hil­fe­be­dürf­ti­gen gegen­über­ste­hen1. Daher kön­nen auch im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren die Vor­aus­set­zun­gen der Mit­tel­lo­sig­keit des Betrof­fe­nen nicht dadurch her­bei­ge­führt wer­den, dass die fest­zu­set­zen­de Ver­gü­tung vor­ab als Ver­bind­lich­keit von sei­nem Ver­mö­gen abge­zo­gen wird.

Betreu­er­ver­gü­tung – und das ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen des Betreuten

Ver­gü­tungs­schuld­ner des Berufs­be­treu­ers ist bei Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 Satz 3 BGB, § 1 Abs. 2 VBVG die Staats­kas­se und bei vor­han­de­nem ver­wert­ba­ren Ver­mö­gen nach §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 BGB, § 1 Abs. 2 Satz 1 VBVG der Betreu­te. Mit der Über­nah­me der Betreu­ungs­kos­ten erbringt die Staats­kas­se eine Sozi­al­leis­tung, die gemäß § 1836 c BGB davon abhängt, dass der Betreu­te über kein ein­zu­set­zen­des Ver­mö­gen im Sin­ne des Sozi­al­hil­fe­rechts verfügt.

Der Betreu­te soll durch die Kos­ten der Betreu­ung nicht in sei­nen vor­han­de­nen Lebens­grund­la­gen wesent­lich beein­träch­tigt wer­den. Des­halb ist für die Fest­stel­lung, ob der Betreu­te mit­tel­los oder ver­mö­gend ist, auf den Zeit­punkt der Ent­schei­dung in der letz­ten Tat­sa­chen­in­stanz abzu­stel­len2.

Als mit­tel­los gilt gemäß §§ 1908 i Abs. 1, 1836 d BGB ein Betreu­ter, der die Ver­gü­tung aus sei­nem ein­zu­set­zen­den Ein­kom­men oder Ver­mö­gen nicht oder nur zum Teil oder nur in Raten oder nur im Wege gericht­li­cher Gel­tend­ma­chung von Unter­halts­an­sprü­chen auf­brin­gen kann. Das ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen bestimmt sich nach § 1836 c Nr. 2 BGB gemäß § 90 SGB XII. Danach ist das gesam­te ver­wert­ba­re Ver­mö­gen (§ 90 Abs. 1 SGB XII) mit Aus­nah­me des in § 90 Abs. 2 SGB XII im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Schon­ver­mö­gens ein­zu­set­zen, soweit dies kei­ne Här­te bedeu­tet (§ 90 Abs. 3 SGB XII). Bei der Ermitt­lung des danach ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens kommt es, ent­spre­chend dem Zweck der sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Leis­tun­gen einer tat­säch­li­chen Not­la­ge abzu­hel­fen bezie­hungs­wei­se einen tat­säch­li­chen Bedarf abzu­de­cken, auf die tat­säch­lich vor­han­de­nen und tat­säch­lich ver­wert­ba­ren Ver­mö­gens­wer­te an. Dabei ist grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen, ob den Ver­mö­gens­wer­ten Schul­den oder Ver­pflich­tun­gen des Hil­fe­be­dürf­ti­gen gegen­über­ste­hen3.

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Bei der Ermitt­lung des ein­zu­set­zen­den Ver­mö­gens fin­det eine Sal­die­rung des Aktiv­ver­mö­gens mit Ver­bind­lich­kei­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich nicht statt. 

Der Betrof­fe­ne ist danach mit­tel­los, wenn sein Ein­kom­men und Ver­mö­gen zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung (hier: des Beschwer­de­ge­richts) ins­ge­samt den mit Wir­kung ab 1.04.2017 auf 5.000 € erhöh­ten Schon­be­trag im Sin­ne des § 88 Abs. 2 Nr. 8 BSHG (jetzt: § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII4) nicht übersteigen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Juli 2021 – XII ZB 106/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 582/​12 FamRZ 2013, 620[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 19.08.2015 – XII ZB 314/​13 FamRZ 2015, 1880 Rn. 10; und vom 06.02.2013 – XII ZB 582/​12 FamRZ 2013, 620 Rn. 18 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – XII ZB 582/​12, FamRZ 2013, 620 Rn. 12 f. mwN[]
  4. vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 1 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 11.02.1988 BGBl. I, 150, zuletzt geän­dert durch Arti­kel 1 der Zwei­ten Ände­rungs­ver­ord­nung vom 22.03.2017 BGBl. I, 519[]

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