Betreu­erwech­sel

Ist im Zusam­men­hang mit der Ent­schei­dung über die Ver­län­ge­rung einer bereits bestehen­den Betreu­ung über einen Betreu­erwech­sel zu befin­den, rich­tet sich die Aus­wahl der Per­son des Betreu­ers nicht nach § 1908 b Abs. 3 BGB, son­dern nach der für die Neu­be­stel­lung eines Betreu­ers maß­geb­li­chen Vor­schrift des § 1897 BGB. Eine von dem voll­jäh­ri­gen Betreu­ten als Betreu­er vor­ge­schla­ge­ne Per­son kann des­halb nur dann abge­lehnt wer­den, wenn deren Bestel­lung dem Wohl des Voll­jäh­ri­gen zuwi­der­lau­fen wür­de, § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB.

Betreu­erwech­sel

§ 1908 b Abs. 1 BGB regelt zwar die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen die Ent­las­sung eines Betreu­ers erfol­gen kann. Die Vor­schrift bezieht sich jedoch nur auf die­je­ni­gen Fäl­le, in denen bei fort­be­stehen­der Betreu­ung eine iso­lier­te Ent­schei­dung über die Been­di­gung des Amtes des bis­he­ri­gen Betreu­ers getrof­fen wer­den soll. Ist dage­gen im Zusam­men­hang mit der Ent­schei­dung über die Ver­län­ge­rung einer bereits bestehen­den Betreu­ung über einen Betreu­erwech­sel zu befin­den, rich­tet sich die Aus­wahl der Per­son des Betreu­ers nach der für die Neu­be­stel­lung eines Betreu­ers maß­geb­li­chen Vor­schrift des § 1897 BGB [1]. In der Sache han­delt es sich bei einer Ver­län­ge­rungs­ent­schei­dung um die erneu­te Anord­nung einer Betreu­ung ein­schließ­lich der Ent­schei­dung über die Per­son des Betreu­ers, auch wenn der bis­he­ri­ge Betreu­er wie­der bestellt wird [2]. Die bis­he­ri­ge Betreu­ung und damit die Bestel­lung des bis­he­ri­gen Betreu­ers enden näm­lich mit der Wirk­sam­keit der Ver­län­ge­rungs­ent­schei­dung und wer­den durch die dar­in getrof­fe­nen Anord­nun­gen abge­löst [3]. Dies ergibt sich nun­mehr auch aus § 295 Abs. 1 Satz 1 FamFG, wonach für die Ver­län­ge­rung der Bestel­lung eines Betreu­ers die Ver­fah­rens­vor­schrif­ten über die erst­ma­li­ge Anord­nung die­ser Maß­nah­me ent­spre­chend gel­ten [4].

Nach § 1908 b Abs. 3 BGB steht es grund­sätz­lich im Ermes­sen des Gerichts, ob ein Betreu­er wäh­rend eines lau­fen­den Betreu­ungs­ver­fah­rens ent­las­sen wird, weil der Betreu­te eine gleich geeig­ne­te Per­son, die zur Über­nah­me bereit ist, als neu­en Betreu­er vor­schlägt. § 1897 Abs. 4 Satz 1 BGB räumt dage­gen dem Tatrich­ter bei der Aus­wahl des Betreu­ers kein Ermes­sen ein. Es ist die Per­son zum Betreu­er zu bestel­len, die der Betreu­te wünscht [5]. Der Wil­le des Betreu­ten kann nur dann unbe­rück­sich­tigt blei­ben, wenn die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son dem Wohl des Betreu­ten zuwi­der­läuft [6]. Dies setzt vor­aus, dass sich auf­grund einer umfas­sen­den Abwä­gung aller rele­van­ten Umstän­de Grün­de von erheb­li­chem Gewicht erge­ben, die gegen die Bestel­lung der vor­ge­schla­ge­nen Per­son spre­chen. Es muss die kon­kre­te Gefahr bestehen, dass der Vor­ge­schla­ge­ne die Betreu­ung des Betrof­fe­nen nicht zu des­sen Wohl füh­ren kann oder will [7], etwa weil die vor­ge­schla­ge­ne Per­son die Über­nah­me der Betreu­ung ablehnt [8] oder durch die Über­nah­me des Amtes in die kon­kre­te Gefahr eines schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikts gerät [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2010 – XII ZB 166/​10

  1. OLG Hamm FamRZ 2001, 254, 255; Bay­O­bLG FamRZ 2001, 1100 (Ls.) und FamRZ 2005, 654, 655; OLG Schles­wig FamRZ 2006, 288; OLG Frank­furt FamRZ 2006, 1874; MünchKommBGB/​Schwab 5. Aufl. § 1896 Rn. 223[]
  2. Bay­O­bLG FamRZ 2001, 1100 (Ls.); OLG Hamm FamRZ 2001, 254, 255[]
  3. OLG Hamm FamRZ 2001, 254, 255[]
  4. Keidel/​Budde FamFG 16. Aufl. § 295 Rn. 1; Jürgens/​Kretz Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 295 FamFG Rn. 1; Bumiller/​Harders FamFG 9. Aufl. § 295 Rn. 1[]
  5. Bay­O­bLG FamRZ 2001, 1100 (Ls.); MünchKommBGB/​Schwab 5. Aufl. § 1897 Rn. 21[]
  6. Bay­O­bLG aaO; OLG Hamm FamRZ 2001, 254, 255[]
  7. Bay­O­bLG aaO; OLG Hamm aaO; MünchKommBGB/​Schwab aaO § 1897 Rn. 21[]
  8. MünchKommBGB/​Schwab aaO § 1897 Rn. 28[]
  9. OLG Bran­den­burg FamRZ 2001, 936; Bay­O­bLG FamRZ 2002, 1589; OLG Zwei­brü­cken FamRZ 2005, 832; MünchKommBGB/​Schwab aaO § 1897 Rn. 26[]

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