Betreu­ung für die Rege­lung nur einer Ange­le­gen­heit – und die Betreu­er­ver­gü­tung

Die Ver­gü­tungs­re­ge­lung des § 6 VBVG kann über die dort genann­ten Son­der­fäl­le des Ver­hin­de­rungs­be­treu­ers aus Rechts­grün­den und des Ste­ri­li­sa­ti­ons­be­treu­ers hin­aus nicht ana­log auf Betreu­er ange­wandt wer­den, die nur für eine Ange­le­gen­heit bestellt wor­den sind.

Betreu­ung für die Rege­lung nur einer Ange­le­gen­heit – und die Betreu­er­ver­gü­tung

Die Berech­nung der Ver­gü­tung des Betreu­ers ist daher in einem sol­chen Fall gemäß § 5 VBVG nach pau­scha­lier­tem Zeit­auf­wand und nicht gemäß § 6 VBVG iVm §§ 1 Abs. 2, 3 VBVG nach kon­kre­tem Zeit­auf­wand vor­zu­neh­men.

Ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­ge­richts lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 VBVG, der für den berufs­mä­ßig täti­gen Ste­ri­li­sa­ti­ons­be­treu­er (§ 1899 Abs. 2 BGB) und den bei recht­li­cher Ver­hin­de­rung eines Betreu­ers ergän­zend bestell­ten Berufs­be­treu­er (§ 1899 Abs. 4 BGB) aus­nahms­wei­se die Berech­nung der Ver­gü­tung nach sei­nem kon­kre­ten Zeit­auf­wand vor­sieht, nicht vor.

Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob die Ver­wei­sung auf § 1899 Abs. 4 BGB auch den Fall erfasst, dass nicht ein vom Gericht bestell­ter Betreu­er, son­dern ein von dem Betrof­fe­nen Bevoll­mäch­tig­ter recht­lich ver­hin­dert ist 1. Denn es fehlt hier schon an der ergän­zen­den Bestel­lung des Betreu­ers wegen recht­li­cher Ver­hin­de­rung der Bevoll­mäch­tig­ten.

Aus Rechts­grün­den ver­hin­dert ist eine Per­son, die die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 1908 i Abs. 1, 1795 BGB oder des § 181 BGB erfüllt, die also bereits von Geset­zes wegen zur Ver­tre­tung der betrof­fe­nen Per­son nicht berech­tigt ist oder der gemäß §§ 1908 i Abs. 1, 1796 BGB wegen Inter­es­sen­kol­li­si­on die Ver­tre­tungs­be­fug­nis ent­zo­gen wor­den ist oder nicht über­tra­gen wer­den kann.

Danach war die Bevoll­mäch­tig­te an einer Ver­tre­tung des Betrof­fe­nen beim Ver­kauf der Grund­stü­cke, deren Mit­ei­gen­tü­mer der Betrof­fe­ne als Allein­er­be sei­ner Ehe­frau gewor­den war, und bei der Bewil­li­gung einer Dienst­bar­keit zu Las­ten die­ser Grund­stü­cke nicht aus Rechts­grün­den ver­hin­dert. Sie gehör­te weder der Erben­ge­mein­schaft an, deren Mit­glie­der Eigen­tü­mer der Grund­stü­cke waren, noch gehör­te sie, da ihr Vater Allein­er­be sei­ner Ehe­frau gewor­den war, "zum Kreis even­tu­el­ler Erben". Im Übri­gen hat­te der Betrof­fe­ne die Bevoll­mäch­tig­te aus­drück­lich von dem Ver­bot des § 181 BGB befreit. Das Betreu­ungs­ge­richt hät­te die Bevoll­mäch­tig­te danach ohne wei­te­res zur Betreue­rin für den Ver­kauf der Grund­stü­cke und die Bewil­li­gung der Dienst­bar­keit bestel­len kön­nen. Eine direk­te Anwen­dung von § 6 VBVG schei­det des­halb aus.

Auch eine ana­lo­ge Anwen­dung von § 6 VBVG kommt nicht in Betracht 2.

Mit der Ein­füh­rung der pau­scha­len Betreu­er­ver­gü­tung soll­te ein ein­fa­ches und streit­ver­mei­den­des Abrech­nungs­sys­tem geschaf­fen wer­den, des­sen Grund­la­ge nicht mehr der dem Betreu­er im Ein­zel­fall tat­säch­lich ent­stan­de­ne von ihm kon­kret dar­zu­le­gen­de Zeit­auf­wand ist, son­dern ein von Umfang und Schwie­rig­keit der ein­zel­nen Betreu­ung unab­hän­gi­ger, pau­scha­ler Stun­den­an­satz, des­sen Anzahl nur von der Betreu­ungs­dau­er, dem Auf­ent­halts­ort des Betreu­ten und davon abhängt, ob der Betreu­te bemit­telt oder nicht bemit­telt ist 3.

Um die­sen Zweck wei­test­ge­hend zu errei­chen, hat der Gesetz­ge­ber in § 6 VBVG nur zwei Aus­nah­men von dem Pau­scha­lie­rungs­sys­tem geschaf­fen 4. Danach erhal­ten der gemäß § 1899 Abs. 2 BGB für die Ent­schei­dung über die Ein­wil­li­gung zur Ste­ri­li­sa­ti­on stets beson­ders bestell­te Ste­ri­li­sa­ti­ons­be­treu­er und der bei recht­li­cher Ver­hin­de­rung des Betreu­ers gemäß § 1899 Abs. 4 BGB bestell­te Ergän­zungs­be­treu­er abwei­chend von dem Pau­scha­lie­rungs­sys­tem eine Ver­gü­tung gemäß § 3 VBVG nach ihrem kon­kre­ten Zeit­auf­wand.

Eine all­ge­mei­ne Aus­nah­me von der pau­scha­lier­ten Ver­gü­tung für alle Fäl­le, in denen der Betreu­er nur für einen begrenz­ten Auf­ga­ben­be­reich oder eine ein­zel­ne Ange­le­gen­heit bestellt wird, war nicht gewollt. Bis auf die "zah­len­mä­ßig gerin­gen Son­der­fäl­le" des § 6 VBVG soll­te es von der Pau­schal­ver­gü­tung kei­ne Aus­nah­me­tat­be­stän­de geben, weil jeder Aus­nah­me­tat­be­stand "zu Strei­tig­kei­ten über sei­nen Anwen­dungs­be­reich und ggf. eine ana­lo­ge Anwen­dung füh­ren" wür­de 5.

Die­ser gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le wür­de miss­ach­tet, wenn über die Son­der­fäl­le des § 6 VBVG i.V.m. § 1899 Abs. 2 BGB und § 1899 Abs. 4 BGB hin­aus in den Fäl­len, in denen die Betreu­ung nur einen begrenz­ten Auf­ga­ben­be­reich oder nur eine Ange­le­gen­heit umfasst, abwei­chend vom Sys­tem der Pau­schal­ver­gü­tung stets nach kon­kre­tem Zeit­auf­wand abge­rech­net wer­den könn­te.

Es fehlt somit an der für eine Ana­lo­gie erfor­der­li­chen Geset­zes­lü­cke.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. März 2013 – XII ZB 231/​12

  1. so OLG Mün­chen, Beschluss vom 19.09.2010 – 33 Wx 60/​10; Bien­wald JR 2012, 317, 318[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10 Fam­RZ 2012, 1051 Rn. 14; OLG Cel­le Fam­RZ 2008, 1213, 1214; OLG Hamm Fam­RZ 2007, 497, 498; LG Müns­ter, Beschluss vom 28.08.2008 – 5 T 62/​07; Jurgeleit/​Maier Betreu­ungs­recht 2. Aufl. § 6 VBVG Rn. 2; Jürgens/​Jürgens Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 6 VBVG Rn. 1; Zim­mer­mann Fam­RZ 2011, 1776, 1778; Bien­wald JR 2012, 317; aA LG Mün­chen Beschluss vom 27.11.2009 – 13 T 11628/​09; Münch­Komm-BGB/Frösch­le 6. Aufl. § 6 VBVG Rn. 4a f.[]
  3. BT-Drucks. 15/​2494 S. 31[]
  4. BT-Drucks. 15/​2494 S. 34, 35[]
  5. vgl. BT-Drucks. 15/​2494 S. 33[]

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