Betreu­ung trotz Vor­sor­ge­voll­macht

Eine Vor­sor­ge­voll­macht steht der Anord­nung der Betreu­ung nicht ent­ge­gen, wenn der Bevoll­mäch­tig­te als zur Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Betrof­fe­nen nicht taug­lich erscheint, nament­lich erheb­li­che Zwei­fel an sei­ner Red­lich­keit im Raum ste­hen 1.

Betreu­ung trotz Vor­sor­ge­voll­macht

Ein Betreu­er darf nur bestellt wer­den, soweit die Betreu­er­be­stel­lung erfor­der­lich ist (§ 1896 Abs. 2 Satz 1 BGB). Eine Betreu­ung ist nicht erfor­der­lich, soweit die Ange­le­gen­heit des Betrof­fe­nen durch einen Bevoll­mäch­tig­ten eben­so gut wie durch einen Betreu­er besorgt wer­den kön­nen (§ 1896 Abs. 2 Satz 2 BGB). Eine Vor­sor­ge­voll­macht steht der Bestel­lung eines Betreu­ers aller­dings dann nicht ent­ge­gen, wenn der Bevoll­mäch­tig­te unge­eig­net ist, die Ange­le­gen­hei­ten des Betrof­fe­nen zu besor­gen, ins­be­son­de­re weil zu befürch­ten ist, dass die Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Betrof­fe­nen durch jenen eine kon­kre­te Gefahr für das Wohl des Betrof­fe­nen begrün­den. Dies ist der Fall, wenn der Bevoll­mäch­tig­te wegen erheb­li­cher Beden­ken an sei­ner Red­lich­keit als unge­eig­net erscheint 2.

Dabei ent­schei­det der Tatrich­ter über Art und Umfang sei­ner Ermitt­lun­gen nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Dem Rechts­be­schwer­de­ge­richt obliegt ledig­lich die Kon­trol­le auf Rechts­feh­ler, ins­be­son­de­re die Prü­fung, ob die Tat­sa­chen­ge­rich­te alle maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te in Betracht gezo­gen haben und die Wür­di­gung auf einer aus­rei­chen­den Sach­auf­klä­rung beruht 3.

Soweit erheb­li­che Zwei­fel an der Red­lich­keit des Bevoll­mäch­tig­ten bestehen, ist das Gericht auch nicht gehal­ten, statt der Ein­rich­tung einer Betreu­ung ledig­lich einen Kon­troll­be­treu­er gemäß § 1896 Abs. 3 BGB zu bestel­len 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2014 – XII ZB 301/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – XII ZB 584/​10, Fam­RZ 2011, 964[]
  2. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 XII ZB 584/​10 , Fam­RZ 2011, 964 Rn. 15 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 XII ZB 584/​10 , Fam­RZ 2011, 964 Rn. 16 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 XII ZB 584/​10 , Fam­RZ 2011, 964 Rn. 26[]