Betreu­ung – und der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt

Mit den Anfor­de­run­gen an die Anord­nung eines Ein­wil­li­gungs­vor­be­halts hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Betreu­ung – und der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt

Gemäß § 1896 Abs. 1a BGB darf gegen den frei­en Wil­len des Voll­jäh­ri­gen ein Betreu­er nicht bestellt wer­den. Stimmt der Betrof­fe­ne der Ein­rich­tung einer Betreu­ung nicht zu, so ist neben der Not­wen­dig­keit einer Betreu­ung stets zu prü­fen, ob die Ableh­nung durch den Betrof­fe­nen auf einem frei­en Wil­len beruht. Das fach­ärzt­lich bera­te­ne Gericht hat daher fest­zu­stel­len, ob der Betrof­fe­ne trotz sei­ner Erkran­kung noch zu einer frei­en Wil­lens­be­stim­mung fähig ist 1. Die Bezug­nah­me auf eine vor­an­ge­gan­ge­ne, in einer vor­läu­fi­gen Unter­brin­gungs­sa­che ergan­ge­ne Beschwer­de­ent­schei­dung kann geson­der­te Fest­stel­lun­gen im Betreu­ungs­ver­fah­ren über die feh­len­de Fähig­keit zur frei­en Wil­lens­bil­dung schon des­halb nicht erset­zen, weil sich die Unfrei­heit des Wil­lens inso­weit nicht auf die Fra­ge der Unter­brin­gung, son­dern auf die Ableh­nung der Betreu­ung erstre­cken muss.

Gemäß § 1903 Abs. 1 Satz 1 BGB ord­net das Betreu­ungs­ge­richt an, dass der Betreu­te zu einer Wil­lens­er­klä­rung, die den Auf­ga­ben­kreis des Betreu­ers betrifft, des­sen Ein­wil­li­gung bedarf (Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt), soweit dies zur Abwen­dung einer erheb­li­chen Gefahr für die Per­son oder das Ver­mö­gen des Betreu­ten erfor­der­lich ist. Ob dies der Fall ist, hat das Betreu­ungs­ge­richt im Rah­men sei­ner Amts­er­mitt­lungs­pflicht fest­zu­stel­len 2. Selbst bei einem umfang­rei­chen Ver­mö­gen des Betreu­ten kann ein Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt nur dann ange­ord­net wer­den, wenn kon­kre­te Anhalts­punk­te für eine Ver­mö­gens­ge­fähr­dung erheb­li­cher Art vor­lie­gen 3. Der Grund­satz der Erfor­der­lich­keit bedeu­tet dabei auch, dass der Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt je nach den Umstän­den auf einen ein­zel­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stand oder eine bestimm­te Art von Geschäf­ten beschränkt wer­den kann 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. April 2016 – XII ZB 593/​15

  1. BGH, Beschluss vom 21.11.2012 – XII ZB 114/​12 , Fam­RZ 2013, 287 Rn. 13 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.07.2015 – XII ZB 92/​15 , Fam­RZ 2015, 1793 Rn. 7 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.07.2015 – XII ZB 92/​15 , Fam­RZ 2015, 1793 Rn. 9 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 28.07.2015 – XII ZB 92/​15 , Fam­RZ 2015, 1793 Rn. 10 mwN[]