Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Begut­ach­tung wäh­rend der Anhörung

Auch wenn der Sach­ver­stän­di­ge den Betrof­fe­nen wäh­rend der Anhö­rung begut­ach­tet, ist der Betrof­fe­ne nach Erstat­tung des schrift­li­chen Gut­ach­tens erneut anzu­hö­ren. Dazu ist ihm die­ses recht­zei­tig vor dem neu­en Anhö­rungs­ter­min zu über­las­sen1.

Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Begut­ach­tung wäh­rend der Anhörung

Einer der Zwe­cke der per­sön­li­chen Anhö­rung nach § 278 Abs. 1 Satz 1 FamFG besteht dar­in, den Anspruch des Betrof­fe­nen auf recht­li­ches Gehör aus Art. 103 Abs. 1 GG zu sichern. Die­sen Zweck kann die Anhö­rung regel­mä­ßig nur dann erfül­len, wenn das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten dem Betrof­fe­nen recht­zei­tig vor dem Anhö­rungs­ter­min über­las­sen wur­de, um ihm Gele­gen­heit zu geben, sich zu die­sem und den sich hier­aus erge­ben­den Umstän­den zu äußern2.

Dem ist das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall nicht gerecht gewor­den. Die Betrof­fe­ne ist in der vom Land­ge­richt erst­mals durch­ge­führ­ten Anhö­rung am 5.06.2019 von dem anwe­sen­den Sach­ver­stän­di­gen begut­ach­tet wor­den. Das schrift­li­che Gut­ach­ten ist erst nach der Anhö­rung, näm­lich am 15.09.2019 gefer­tigt und dem Land­ge­richt über­sandt wor­den. Die Betrof­fe­ne hat­te vor ihrer Anhö­rung mit­hin nicht die Mög­lich­keit, sich mit dem bis dahin noch nicht vor­lie­gen­den schrift­li­chen Gut­ach­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen und ent­spre­chen­de Ein­wen­dun­gen zu for­mu­lie­ren. Schon aus die­sem Grund hät­te das Land­ge­richt die Anhö­rung gemäß §§ 278 Abs. 1 Satz 1, 68 Abs. 3 Satz 1 FamFG wie­der­ho­len müs­sen3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juli 2020 – XII ZB 228/​20

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 27.05.2020 – XII ZB 582/​19[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.05.2020 – XII ZB 582/​19 6 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 27.05.2020 – XII ZB 582/​19 7[]

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