Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die nicht unter­schrie­be­ne Beschwer­de­schrift

Durch eine nicht unter­schrie­be­ne Ein­ga­be ist kei­ne wirk­sa­me Beschwer­de ein­ge­legt wor­den, da es an der nach § 64 Abs. 2 Satz 4 FamFG bei schrift­li­cher Ein­le­gung der Beschwer­de not­wen­di­gen Unter­zeich­nung der Beschwer­de­schrift fehlt.

Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die nicht unter­schrie­be­ne Beschwer­de­schrift

Das gesetz­li­che Erfor­der­nis der Unter­schrift soll näm­lich die Iden­ti­fi­zie­rung des Urhe­bers einer Ver­fah­rens­hand­lung ermög­li­chen und des­sen unbe­ding­ten Wil­len zum Aus­druck brin­gen, die vol­le Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men und die­sen bei Gericht ein­zu­rei­chen.

Dadurch soll sicher­ge­stellt wer­den, dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen unau­to­ri­sier­ten Ent­wurf han­delt, son­dern dass es mit Wis­sen und Wol­len des Berech­tig­ten dem Gericht zuge­lei­tet wor­den ist 1.

Es ist jedoch ver­fah­rens­feh­ler­haft, dass das Land­ge­richt die Beschwer­de ver­wor­fen hat, ohne der Betrof­fe­nen bin­nen noch lau­fen­der Beschwer­de­frist durch einen Hin­weis Gele­gen­heit zur Hei­lung des in der feh­len­den Unter­schrift lie­gen­den Form­man­gels zu geben.

Zwar sieht § 68 Abs. 2 Satz 2 FamFG für den Fall einer Ver­wer­fung eines unzu­läs­si­gen Rechts­mit­tels eine Anhö­rung der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nicht aus­drück­lich vor. Die Pflicht zur Anhö­rung des Rechts­mit­tel­füh­rers folgt indes­sen unmit­tel­bar aus Art. 103 Abs. 1 GG. Die­ses Ver­fah­rens­grund­recht gibt dem Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten eines gericht­li­chen Ver­fah­rens ein Recht dar­auf, dass er Gele­gen­heit erhält, sich zu dem einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt zu äußern 2.

Hät­te das Land­ge­richt der Betrof­fe­nen einen ent­spre­chen­den Hin­weis erteilt, so hät­te sie – wie inzwi­schen mit der zwi­schen­zeit­lich ein­ge­gan­ge­nen Ein­ga­be gesche­hen – die Unter­schrift unter die Beschwer­de­schrift nach­ge­holt und den Form­man­gel dadurch geheilt. Durch die Nach­ho­lung der Unter­schrift konn­te im vor­lie­gen­den Fall der Form­man­gel im hier ent­schie­de­nen Fall auch recht­zei­tig geheilt wer­den, da die Frist zur Ein­le­gung der Beschwer­de man­gels Zustel­lung des ange­foch­te­nen Beschlus­ses noch nicht abge­lau­fen war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2019 – XII ZB 35/​19

  1. BGH, Beschluss vom 18.03.2015 – XII ZB 424/​14, Fam­RZ 2015, 919, Rn. 7 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.12 2017 – XII ZB 107/​17, Fam­RZ 2018, 449 Rn. 7 mwN; vgl. auch BSG, Beschluss vom 20.03.2019 – B 1 KR 7/​18 B 10[]