Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die unter­blie­be­ne Zustel­lung

Das Unter­blei­ben einer gemäß § 41 Abs. 1 Satz 2 FamFG erfor­der­li­chen Zustel­lung führt zur Unwirk­sam­keit der Bekannt­ga­be 1.

Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die unter­blie­be­ne Zustel­lung

Der Beschluss (hier: über die Erwei­te­rung der Betreu­ung) muss der Betrof­fe­nen nach § 41 Abs. 1 Satz 2 FamFG zuge­stellt wer­den, wenn er gemäß § 58 FamFG mit der Beschwer­de anfecht­bar ist und dem erklär­ten Wil­len der Betrof­fe­nen nicht ent­spricht.

Das Unter­blei­ben einer gemäß § 41 Abs. 1 Satz 2 FamFG erfor­der­li­chen Zustel­lung führt zur Unwirk­sam­keit der Bekannt­ga­be, wes­halb nach § 63 Abs. 3 Satz 1 FamFG die Beschwer­de­frist nicht zu lau­fen beginnt 2.

Von einer etwai­gen Hei­lung der Zustel­lungs­män­gel i.S.v. § 15 Abs. 2 Satz 1 FamFG i.V.m. § 189 ZPO kann vor­lie­gend nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Es ist im hier ent­schie­de­nen Fall nicht fest­ge­stellt, ob bzw. wann die Betrof­fe­ne den Beschluss tat­säch­lich erhal­ten hat. Ob in der nach­träg­li­chen Über­sen­dung des Beschlus­ses an den Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten der Betrof­fe­nen, der ihre Ver­tre­tung am 3.07.2014 bei Gericht ange­zeigt hat­te, im vor­lie­gen­den Fall eine Hei­lung von Män­geln in der Bekannt­ga­be des Beschlus­ses erblickt wer­den kann, kann hier dahin­ste­hen. Denn in die­sem Fall wäre die Monats­frist nicht vor dem 4.08.2014 (einem Mon­tag) abge­lau­fen. Die Beschwer­de der Betrof­fe­nen ist indes bereits am 23.07.2014 bei Gericht ein­ge­gan­gen und wäre damit frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den.

Die Monats­frist des § 63 Abs. 1 FamFG hat bei der hier vor­lie­gen­den feh­ler­haf­ten Bekannt­ga­be gemäß § 63 Abs. 3 Satz 2 FamFG spä­tes­tens mit Ablauf von fünf Mona­ten nach Erlass des ange­foch­te­nen Beschlus­ses zu lau­fen begon­nen. Dabei ist es für den Fris­ten­lauf uner­heb­lich, ob die schrift­li­che Bekannt­ga­be des wirk­sam erlas­se­nen Beschlus­ses an den bereits förm­lich betei­lig­ten Rechts­mit­tel­füh­rer mit Män­geln behaf­tet 3 oder schlicht aus wel­chen Grün­den auch immer unter­blie­ben ist 4.

Der Beschluss ist am 3.02.2014 erlas­sen wor­den. Damit begann die ein­mo­na­ti­ge Beschwer­de­frist des § 63 Abs. 1 FamFG am 3.07.2014 zu lau­fen und war am 4.08.2014 (einem Mon­tag) abge­lau­fen. Da die Beschwer­de der Betrof­fe­nen indes bereits am 23.07.2014 bei Gericht ein­ge­gan­gen ist, ist sie noch frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Mai 2015 – XII ZB 491/​14

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 10.07.2013 – XII ZB 411/​12, Fam­RZ 2013, 1566; und vom 04.05.2011 – XII ZB 632/​10, Fam­RZ 2011, 1049[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 10.07.2013 – XII ZB 411/​12, Fam­RZ 2013, 1566 Rn. 8; und vom 04.05.2011 – XII ZB 632/​10, Fam­RZ 2011, 1049 Rn. 7 und 12[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – XII ZB 411/​12, Fam­RZ 2013, 1566 Rn. 16 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 11.03.2015 – XII ZB 571/​13[]