Betrieb­li­che Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und der Grenz­wert

Für den Grenz­wert nach § 17 VersAus­glG kommt es nicht auf den Gesamt­wert aller betrieb­li­chen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten an, son­dern auf das ein­zel­ne Anrecht. Das gilt auch für ver­schie­de­ne Tei­le oder Bau­stei­ne einer ein­heit­li­chen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge, wenn die­se auf­grund ihrer struk­tu­rel­len Unter­schied­lich­keit wie selb­stän­di­ge Anrech­te aus­zu­glei­chen sind.

Betrieb­li­che Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich – und der Grenz­wert

Nach § 5 Abs. 1 VersAus­glG berech­net der Ver­sor­gungs­trä­ger den Ehe­zeit­an­teil des Anrechts in Form der für das jewei­li­ge Ver­sor­gungs­sys­tem maß­geb­li­chen Bezugs­grö­ße und unter­brei­tet dem Fami­li­en­ge­richt nach § 5 Abs. 3 VersAus­glG einen Vor­schlag für den Aus­gleichs­wert, wor­un­ter die Hälf­te (§ 1 Abs. 2 Satz 2 VersAus­glG) des aus­zu­glei­chen­den Ehe­zeit­an­teils des Ver­sor­gungs­an­rechts zu ver­ste­hen ist. Über­steigt der Aus­gleichs­wert des zu tei­len­den Anrechts als Kapi­tal­wert bei Ende der Ehe­zeit nicht 240 % der monat­li­chen Bezugs­grö­ße gemäß § 18 Abs. 1 SGB IV, kann der Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAus­glG die exter­ne Tei­lung ver­lan­gen. Han­delt es sich bei dem zu tei­len­den Anrecht – wie hier – um ein Anrecht der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung aus einer Direkt­zu­sa­ge oder einer Unter­stüt­zungs­kas­se, kann der Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son nach § 17 VersAus­glG bereits dann ein­sei­tig die exter­ne Tei­lung bean­spru­chen, wenn der Aus­gleichs­wert als Kapi­tal­wert am Ende der Ehe­zeit die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung gemäß §§ 159, 160 SGB VI, die im Jah­re 2011 66.000 € betrug 1, nicht über­steigt.

Dabei kommt es in Bezug auf die Ein­hal­tung der Grenz­wer­te nach §§ 14 Abs. 2 Nr. 2, 17 VersAus­glG nicht auf den Gesamt­wert aller betrieb­li­chen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten an, son­dern nur auf den Wert des ein­zel­nen Anrechts. Dies gilt grund­sätz­lich auch dann, wenn meh­re­re Anrech­te – wie hier – bei dem glei­chen Ver­sor­gungs­trä­ger bestehen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mehr­fach aus­ge­spro­chen, dass ver­schie­de­ne Bau­stei­ne einer betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleich wie ein­zel­ne Anrech­te zu beur­tei­len und geson­dert aus­zu­glei­chen sind, wenn sich die­se Bau­stei­ne in wesent­li­chen struk­tu­rel­len Merk­ma­len, ins­be­son­de­re beim Finan­zie­rungs­ver­fah­ren und bei den wert­bil­den­den Fak­to­ren, von­ein­an­der unter­schei­den 2. Schon der Umstand, dass das Anrecht aus dem Kapi­tal­kon­ten­plan auf Kos­ten des Arbeit­ge­bers, das Anrecht aus dem "defer­red compensation"-Programm dem­ge­gen­über auf Kos­ten des Arbeit­neh­mers (durch Umwand­lung varia­bler Gehalts­be­stand­tei­le) gebil­det wird, gebie­tet es nach der zutref­fen­den Ein­schät­zung des Beschwer­de­ge­richts, die bei­den Anrech­te im Ver­sor­gungs­aus­gleich geson­dert zu behan­deln.

Aus dem Erfor­der­nis geson­der­ter Behand­lung meh­re­rer struk­tu­rell unter­schied­li­cher Anrech­te bei dem glei­chen Ver­sor­gungs­trä­ger folgt zwangs­läu­fig auch eine geson­der­te Beur­tei­lung der Fra­ge, ob der Aus­gleichs­wert der Anrech­te die Grenz­wer­te nach §§ 14 Abs. 2 Nr. 2, 17 VersAus­glG über­schrei­tet oder nicht 3.

Inso­weit lässt sich auch aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 18 Abs. 2 VersAus­glG nichts ande­res her­lei­ten. In die­sem Zusam­men­hang hat­te der Bun­des­ge­richts­hof zwar ent­schie­den, dass in Fäl­len, in denen ein Ehe­gat­te auf­grund einer ein­heit­li­chen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge bei sei­nem Arbeit­ge­ber meh­re­re struk­tu­rell unter­schied­li­che und – für sich genom­men – im Sin­ne von § 18 Abs. 3 VersAus­glG gering­fü­gi­ge Ver­sor­gungs­bau­stei­ne erwor­ben hat, eine Gesamt­be­trach­tung anzu­stel­len und der Gesamt­wert der Ver­sor­gungs­tei­le oder Bau­stei­ne als Abwä­gungs­kri­te­ri­um in die gemäß § 18 Abs. 2 VersAus­glG vor­zu­neh­men­de Ermes­sens­ent­schei­dung des Gerichts über die Durch­füh­rung des Aus­gleichs ein­zu­be­zie­hen ist 4. Damit ist die hier vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on aber schon des­halb nicht ver­gleich­bar, weil dem Gericht bei der Beur­tei­lung der Fra­ge nach der Ein­hal­tung der in §§ 14 Abs. 2 Nr. 2, 17 VersAus­glG gesetz­lich bestimm­ten Wert­gren­zen kein Ermes­sen zukommt. Im Übri­gen müss­te auch eine durch das Gericht im Rah­men von § 18 Abs. 2 VersAus­glG vor­zu­neh­men­de Ermes­sens­ent­schei­dung kei­nes­wegs zwangs­läu­fig zu dem Ergeb­nis füh­ren, dass die ein­zel­nen gering­fü­gi­gen Bau­stei­ne einer ein­heit­li­chen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge nur des­halb in den Wert­aus­gleich ein­be­zo­gen wer­den müss­ten, weil ihre zusam­men­ge­rech­ne­ten Aus­gleichs­wer­te die Gering­fü­gig­keits­gren­ze des § 18 Abs. 3 VersAus­glG über­schrei­ten 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Mai 2016 – XII ZB 649/​14

  1. Fam­RZ 2016, 191[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.11.2011 – XII ZB 79/​11 , Fam­RZ 2012, 189 Rn. 13; und vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11 , Fam­RZ 2012, 610 Rn. 13 f.[]
  3. vgl. auch Johannsen/​Henrich/​Holzwarth Fami­li­en­recht 6. Aufl. § 17 VersAus­glG Rn. 5; Beck­OG­K/A­cker­mann-Spren­ger § 17 VersAus­glG Rn. 8; Beck­OK SozR/​Rehbein [Stand: Dezem­ber 2015] § 17 VersAus­glG Rn. 2; juris­PK-BGB/Breu­ers [Stand: April 2016] § 17 VersAus­glG Rn.05.1[]
  4. vgl. dazu BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11 , Fam­RZ 2012, 610 Rn. 27 ff.; und vom 02.09.2015 – XII ZB 33/​13 , Fam­RZ 2015, 2125 Rn. 26[]
  5. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 02.09.2015 – XII ZB 33/​13 , Fam­RZ 2015, 2125 Rn. 29[]