Das Aus­kunfts­ver­lan­gen des Samen­spen­ders

Einem Samen­spen­der gegen­über ist die Kin­des­mut­ter ver­pflich­tet, auf sein Ver­lan­gen hin Aus­kunft über das Kind zu ertei­len, wenn ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Aus­kunft besteht und die­se dem Kin­des­wohl nicht wider­spricht.

Das Aus­kunfts­ver­lan­gen des Samen­spen­ders

So das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Vaters, der zur gericht­li­chen Durch­set­zung sei­nes Aus­kunfts­ver­lan­gens Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat. Der Antrag­stel­ler aus Düs­sel­dorf ist gericht­lich fest­ge­stell­ter Vater einer von der Antrags­geg­ne­rin gebo­re­nen Toch­ter. Die Antrags­geg­ne­rin und ihre Lebens­ge­fähr­tin aus dem Müns­ter­land woll­ten Müt­ter wer­den. Über ein Inter­net­por­tal gelang­ten sie an den Antrag­stel­ler, der sich zur Spen­de sei­nes Samens bereit erklär­te. Nach erfolg­ter Samen­spen­de und durch­ge­führ­ter Inse­mi­na­ti­on wur­de die Antrags­geg­ne­rin schwan­ger und brach­te 2012 ihre Toch­ter zur Welt. Die Antrags­geg­ne­rin ver­wei­gert die vom Antrag­stel­ler ver­lang­te Aus­kunft über das Kind und lehnt es ab, dem Antrag­stel­ler Fotos vom Kind zu über­las­sen. Sie behaup­tet, der Antrag­stel­ler, der durch Samen­spen­den auch Vater ande­rer Kin­der gewor­den sei, “ter­ro­ri­sie­re“ sie und die ande­ren Müt­ter mit Tele­fo­na­ten und Emails. Ihr gegen­über wei­ge­re er sich – ent­ge­gen sei­ner ursprüng­li­chen Zusi­che­rung – einer Adop­ti­on ihrer Toch­ter durch ihre Lebens­part­ne­rin zuzu­stim­men. Es gehe ihm nicht um die Kin­der, er wol­le aus­schließ­lich Ein­fluss auf das Leben der Frau­en neh­men.

Nach Affas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die vom Antrag­stel­ler beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg. Nach dem der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­stand sei die Antrags­geg­ne­rin gemäß § 1686 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches ver­pflich­tet, dem Antrag­stel­ler Aus­kunft über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der gemein­sa­men Toch­ter zu ertei­len, weil der Antrag­stel­ler ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Aus­kunft habe und die­se dem Kin­des­wohl nicht wider­spre­che.

Es sei zwar nicht zu ver­ken­nen, dass der Antrag­stel­ler die Antrags­geg­ne­rin und auch ande­re Müt­ter sei­ner Kin­der beläs­ti­ge, wie die im Ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Emails bezeug­ten. Dabei wäh­le er den Frau­en gegen­über auch vul­gä­re und die Gren­ze einer Straf­bar­keit über­schrei­ten­de belei­di­gen­de Äuße­run­gen.

Das beschrie­be­ne Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers ände­re nichts an sei­ner Vater­schaft und dem ihm grund­sätz­lich zuste­hen­den Aus­kunfts­an­spruch. Es gebe der­zeit kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür, dass eine Aus­kunfts­er­tei­lung dem Kin­des­wohl wider­spre­che. Wenn das Aus­kunfts­ver­lan­gen das Wohl­be­fin­den der Antrags­geg­ne­rin und ihrer Lebens­ge­fähr­tin stö­re, kön­ne die Aus­kunft ggfls. über eine Mit­tels­per­son wie z.B. das Jugend­amt oder einen Rechts­an­walt erteilt wer­den. Auch wenn das Aus­kunfts­ver­lan­gen des Antrag­stel­lers auf einem plötz­li­chen Sin­nes­wan­del beru­he, sei es zur­zeit nicht als schi­ka­nö­ses Ver­hal­ten anzu­se­hen. Letzt­end­lich begeh­re der Antrag­stel­ler ledig­lich das, was im Vor­feld der Schwan­ger­schaft, als sich die Betei­lig­ten noch ver­stan­den hät­ten, unaus­ge­spro­che­ner Kon­sens gewe­sen sei, dass der Antrag­stel­ler näm­lich in gewis­sem Umfang über die Ent­wick­lung und das Wohl des Kin­des unter­rich­tet wer­de.

Art und Umfang der zu ertei­len­den Aus­kunft sei im Haupt­ver­fah­ren zu klä­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 7. März 2014 – 13 WF 22/​14