Das Braut­ga­be­ver­spre­chen

Mit der Rechts­na­tur und der Form­be­dürf­tig­keit eines kol­li­si­ons­recht­lich nach deut­schem Sach­recht zu beur­tei­len­den Braut­ga­be­ver­spre­chens hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befassen:

Das Braut­ga­be­ver­spre­chen

Kon­kret strit­ten die Betei­lig­ten um die Ver­pflich­tung des Antrags­geg­ners, der Antrag­stel­le­rin eine Pil­ger­rei­se nach Mek­ka zu bezahlen.

Die Betei­lig­ten leb­ten in Deutsch­land. Der Antrags­geg­ner besitzt die liby­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit und ist mus­li­mi­schen Glau­bens. Er schloss am 29.03.2007 vor dem Stan­des­amt M. die Ehe mit der Antrag­stel­le­rin, die deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und zum Islam kon­ver­tiert ist. Der stan­des­amt­li­chen Ehe­schlie­ßung ging am 25.03.2006 eine Trau­ungs­ze­re­mo­nie nach isla­mi­schem Ritus vor­aus, bei wel­cher der Imam eines in Deutsch­land ansäs­si­gen Kul­tur­ver­eins anwe­send war. Anläss­lich der reli­giö­sen Zere­mo­nie unter­zeich­ne­ten die Betei­lig­ten ein teil­wei­se vor­ge­druck­tes und mit „Akt der Ehe­schlie­ßung“ über­schrie­be­nes Schrift­stück in deut­scher Spra­che, das unter ande­rem fol­gen­de Bestim­mung ent­hielt: „Mit­gift Deckung: Pilgerfahrt“

Das Schei­dungs­ver­fah­ren wur­de im Jahr 2015 ein­ge­lei­tet. Die Ehe der Betei­lig­ten wur­de durch fami­li­en­ge­richt­li­chen Beschluss vom 09.11.2016 rechts­kräf­tig geschie­den. In dem vor­lie­gen­den, 2017 ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren hat die Antrag­stel­le­rin zuletzt bean­tragt, dem Antrags­geg­ner auf­zu­ge­ben, ihr eine Pil­ger­rei­se nach Mek­ka zu bezah­len. Das Amts­ge­richt Wies­ba­den hat den Antrag zurück­ge­wie­sen [1]. Die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin ist vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main ohne Erfolg geblie­ben [2]. Mit ihrer zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Antrag­stel­le­rin ihr Begeh­ren wei­ter, hat­te nun aber auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Erfolg:

Im recht­li­chen Aus­gangs­punkt begeg­net für den Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Beden­ken, dass das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt in sei­ner Beschwer­de­ent­schei­dung das in der isla­mi­schen Eheur­kun­de ent­hal­te­ne Leis­tungs­ver­spre­chen des Ehe­manns in tatrich­ter­li­cher Ver­ant­wor­tung nach dem vor­lie­gen­den reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Hin­ter­grund als Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung ange­se­hen hat. Zutref­fend ist fer­ner, dass der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt wegen der liby­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit des Antrags­geg­ners die Ver­bin­dung zu einem aus­län­di­schen Staat auf­weist. Das Beschwer­de­ge­richt hat das Braut­ga­be­ver­spre­chen im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [3] zu den all­ge­mei­nen Ehe­wir­kun­gen gezählt und gemäß Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB aF iVm Art. 229 § 47 Abs. 1 EGBGB an den gemein­sa­men Auf­ent­halts­ort der Betei­lig­ten in Deutsch­land ange­knüpft. Auch die Rechts­be­schwer­de stellt die Anwend­bar­keit deut­schen Sach­rechts nicht in Fra­ge. Im Übri­gen füh­ren unter den hier obwal­ten­den Umstän­den sämt­li­che alter­na­tiv denk­ba­ren Anknüp­fungs­mög­lich­kei­ten – auch unter Berück­sich­ti­gung des Anwen­dungs­vor­rangs bestimm­ter euro­päi­scher Rechts­ak­te (Art. 3 Nr. 1 EGBGB) – in das deut­sche Sachrecht:

Wegen der mög­li­chen Anknüp­fung nach dem Ver­trags­sta­tut ist die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 17.06.2008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom I‑VO) noch nicht maß­geb­lich, weil die Ver­ein­ba­rung der Betei­lig­ten über die Braut­ga­be am 25.03.2006 und somit vor dem Stich­tag des 17.12.2009 (Art. 28 Rom I‑VO) geschlos­sen wor­den ist. Das Ver­trags­sta­tut bestimmt sich in inter­tem­po­ra­ler Hin­sicht daher noch nach den Rege­lun­gen des frü­he­ren natio­na­len Kol­li­si­ons­rechts (Art. 27 ff. EGBGB aF).

Mit der Fest­le­gung einer Braut­ga­be bei einer isla­mi­schen Trau­ung soll ersicht­lich einer – all­ge­mein und län­der­über­grei­fend – im Islam ver­brei­te­ten reli­giö­sen und kul­tu­rel­len Vor­stel­lung Rech­nung getra­gen wer­den. Es liegt des­halb fern, dass die Betei­lig­ten mit der Ver­ein­ba­rung der Braut­ga­be gleich­zei­tig eine Rechts­wahl im Sin­ne von Art. 27 EGBGB aF zuguns­ten des liby­schen Hei­mat­rechts des Antrags­geg­ners ver­bin­den woll­ten [4]. Man­gels Rechts­wahl unter­liegt der Ver­trag mit­hin dem Recht des Staa­tes, mit dem er die engs­ten Ver­bin­dun­gen auf­weist (Art. 28 Abs. 1 EGBGB aF). Nach Art. 28 Abs. 2 EGBGB aF wird ver­mu­tet, dass der Ver­trag die engs­ten Ver­bin­dun­gen mit dem Staat auf­weist, in dem die Ver­trags­par­tei, wel­che die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu erbrin­gen hat, im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat­te. Die­se Anknüp­fung weist in das deut­sche Recht, weil der Antrags­geg­ner bei Ver­ein­ba­rung der Braut­ga­be in Deutsch­land lebte.

Hin­sicht­lich einer mög­li­chen Anknüp­fung nach dem Güter­rechts­sta­tut kann die Ver­ord­nung (EU) 2016/​1103 des Rates vom 24.06.2016 zur Durch­füh­rung einer Ver­stärk­ten Zusam­men­ar­beit im Bereich der Zustän­dig­keit, des anzu­wen­den­den Rechts und der Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Fra­gen des ehe­li­chen Güter­stands (EuGü­VO) für die Bestim­mung des anwend­ba­ren Sach­rechts noch nicht her­an­ge­zo­gen wer­den, weil die kol­li­si­ons­recht­li­chen Rege­lun­gen in Kapi­tel – III der Euro­päi­schen Güter­stands­ver­ord­nung gemäß Art. 69 Abs. 3 EuGü­VO nur für Ehe­gat­ten gel­ten, die am 29.01.2019 oder danach die Ehe ein­ge­gan­gen sind oder eine Rechts­wahl des auf ihren Güter­stand anzu­wen­den­den Rechts getrof­fen haben [5]. So liegt der Fall hier nicht, so dass es man­gels inter­tem­po­ra­ler Anwend­bar­keit der Ver­ord­nung auch kei­ner nähe­ren Erör­te­rung der Fra­ge bedarf, ob und gege­be­nen­falls unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Braut­ga­ben als ver­mö­gens­recht­li­che Rege­lung zwi­schen den Ehe­gat­ten auf­grund der Ehe oder der Auf­lö­sung der Ehe im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 lit. a EuGü­VO anzu­se­hen und daher unter der Gel­tung der Euro­päi­schen Güter­rechts­ver­ord­nung (nun­mehr) güter­recht­lich zu qua­li­fi­zie­ren sind [6].

Die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten für eine güter­recht­li­che Anknüp­fung wären im vor­lie­gen­den Fall noch dem frü­he­ren natio­na­len Kol­li­si­ons­recht zu ent­neh­men, Art. 15 EGBGB aF. Da inso­weit kei­ne Anhalts­punk­te für eine Rechts­wahl nach Art. 15 Abs. 2 EGBGB aF ersicht­lich sind, wür­den die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen der Ehe nach Art. 15 Abs. 1 EGBGB aF dem bei der Ehe­schlie­ßung für die all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe maß­ge­ben­den Recht unter­lie­gen. Beru­fen wäre somit man­gels gemein­sa­mer Staats­an­ge­hö­rig­keit der Betei­lig­ten das Recht ihres gemein­sa­men Auf­ent­halts­orts (Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 EGBGB aF), mit­hin deut­sches Sachrecht.

In Bezug auf das Unter­halts­sta­tut wür­de sich die kol­li­si­ons­recht­li­che Ein­ord­nung nach Art. 15 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 4/​2009 des Rates vom 18.12.2008 über die Zustän­dig­keit, das anwend­ba­re Recht, die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen und die Zusam­men­ar­beit in Unter­halts­sa­chen (EuUnth­VO) rich­ten, der auf die Bestim­mun­gen des Haa­ger Pro­to­kolls vom 23.11.2007 über das auf Unter­halts­pflich­ten anzu­wen­den­de Recht (HUP) ver­weist [7].

Eine Unter­halts­pflicht im Sin­ne der Ver­ord­nung liegt dann vor, wenn die in Fra­ge ste­hen­de Leis­tung dazu bestimmt ist, die Lebens­be­dürf­nis­se des bedürf­ti­gen Berech­tig­ten zu sichern oder wenn die Bedürf­nis­se und Mit­tel des Berech­tig­ten und des Ver­pflich­te­ten bei der Fest­set­zung der Leis­tung berück­sich­tigt wer­den [8]. Davon ist bei einem Braut­ga­be­ver­spre­chen zumeist schon des­halb nicht aus­zu­ge­hen, weil weder das Bestehen einer beson­de­ren Bedürf­nis­la­ge auf­sei­ten der Ehe­frau noch deren Bedürf­tig­keit eine Rol­le spie­len [9]. Auch wenn eine unter­halts­recht­li­che Ein­ord­nung des hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Braut­ga­be­ver­spre­chens aus dem Blick­win­kel der Euro­päi­schen Unter­halts­ver­ord­nung mit­hin fern­lie­gen dürf­te, wür­de auch die unter­halts­recht­li­che Anknüp­fung in das deut­sche Sach­recht wei­sen, weil die Antrag­stel­le­rin als Berech­tig­te ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort in Deutsch­land hat (Art. 3 Abs. 1 HUP).

Schließ­lich ergä­be sich auch kein ande­res Ergeb­nis, wenn man auf den – im Zusam­men­hang mit der Schei­dung ste­hen­den – Zeit­punkt der Gel­tend­ma­chung des Anspruchs abstell­te und die Braut­ga­be des­halb im Sin­ne von Art. 17 Abs. 1 EGBGB als ver­mö­gens­recht­li­che Schei­dungs­fol­ge qua­li­fi­zier­te, die weder in den Anwen­dungs­be­reich der Euro­päi­schen Güter­rechts­ver­ord­nung noch in den der Euro­päi­schen Unter­halts­ver­ord­nung fällt [10]. Denn die Auf­fang­re­ge­lung des Art. 17 Abs. 1 EGBGB erklärt das Recht für maß­ge­bend, wel­ches nach der Ver­ord­nung (EU) 1259/​2010 des Rates vom 20.12.2010 zur Durch­füh­rung einer Ver­stärk­ten Zusam­men­ar­beit im Bereich des auf die Ehe­schei­dung und Tren­nung ohne Auf­lö­sung des Ehe­ban­des anzu­wen­den­den Rechts (Rom III-VO) auf die Schei­dung selbst anwend­bar ist. Man­gels Rechts­wahl (Art. 5 Abs. 1 Rom IIIVO) wür­de sich das anzu­wen­den­de Recht nach dem gemein­sa­men Auf­ent­halts­ort der Betei­lig­ten im Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Schei­dungs­ver­fah­rens bestim­men (Art. 8 lit. a Rom III-VO), so dass auch inso­weit deut­sches Sach­recht beru­fen wäre.

Die hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Braut­ga­be lässt sich aus dem Blick­win­kel des deut­schen Sach­rechts als fami­li­en­recht­li­cher Ver­trag sui gene­ris ein­ord­nen, der Über­ein­stim­mun­gen mit dem in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­wi­ckel­ten Rechts­in­sti­tut der unbe­nann­ten Zuwen­dung aufweist.

Braut­ga­be­ver­spre­chen, die der Beur­tei­lung nach deut­schem Sach­recht unter­lie­gen, sind im Aus­gangs­punkt als ver­trag­li­che Abre­de zwi­schen den Betei­lig­ten zu betrach­ten, weil die Ver­pflich­tung des Man­nes zur Leis­tung der Braut­ga­be auf dies­be­züg­lich sich decken­den Wil­lens­er­klä­run­gen von Mann und Frau beruht [11]. Da die Braut­ga­be als Rechts­in­sti­tut dem deut­schen Recht unbe­kannt ist, hat sich eine unter deut­schem Recht vor­zu­neh­men­de Aus­le­gung der Ver­ein­ba­rung dar­an zu ori­en­tie­ren, was die Ehe­leu­te mit dem Ver­spre­chen einer Braut­ga­be nach Treu und Glau­ben (§ 157 BGB) zum Aus­druck brin­gen woll­ten [12]. Nach dem Aus­le­gungs­er­geb­nis bestimmt es sich, ob und gege­be­nen­falls wie sich das Braut­ga­be­ver­spre­chen im kon­kre­ten Ein­zel­fall in die bekann­ten Kate­go­rien des deut­schen Zivil­rechts ein­ord­nen lässt.

Die Einordung der Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung als Ehe­ver­trag im Sin­ne von § 1408 Abs. 1 BGB schei­det vor­lie­gend aus.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat aller­dings in sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung erwo­gen, ein Braut­ga­be­ver­spre­chen aus dem Blick­win­kel des deut­schen Sach­rechts als ehe­ver­trag­li­che Rege­lung über die güter­recht­li­chen Ver­hält­nis­se zu behan­deln [13]. Eine der­ar­ti­ge recht­li­che Ein­ord­nung kommt dann in Betracht, wenn die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung als eine Abre­de aus­ge­legt wer­den kann, nach der ent­we­der die Braut­ga­be an die Stel­le des gesetz­li­chen Anspruchs auf Zuge­winn­aus­gleich tritt oder der gesetz­li­che Anspruch auf Zuge­winn­aus­gleich sich um die in der Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung fest­ge­setz­te Leis­tung erhö­hen oder sich min­des­tens auf die­se Leis­tung belau­fen soll. Eine sol­che Bedeu­tung kann einer Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung ins­be­son­de­re dann zukom­men, wenn die Ehe­leu­te nicht ledig­lich die Ver­pflich­tung des Man­nes zur Leis­tung der Braut­ga­be begrün­den, son­dern dar­über hin­aus die Rege­lung ihrer gesam­ten auf der Ehe beru­hen­den Rechts­be­zie­hun­gen an den Vor­stel­lun­gen einer isla­misch gepräg­ten Rechts­ord­nung aus­rich­ten woll­ten [12]. Von einem sol­chen Ver­trags­wil­len, den man als „Han­deln unter fal­schem Recht“ beschrei­ben könn­te [14] kann indes­sen nicht aus­ge­gan­gen wer­den, wenn mus­li­mi­sche Ehe­gat­ten bei der Ver­ein­ba­rung einer Braut­ga­be anläss­lich einer isla­mi­schen Trau­ungs­ze­re­mo­nie nicht den Wer­tun­gen einer bestimm­ten aus­län­di­schen Rechts­ord­nung – ins­be­son­de­re mit regu­lier­ter Braut­ga­be – Gel­tung ver­schaf­fen, son­dern ledig­lich ihrem kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Hin­ter­grund Rech­nung tra­gen wol­len [15].

Im vor­lie­gen­den Fall besitzt die Antrag­stel­le­rin allein die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit und die Ehe der Betei­lig­ten wur­de in Deutsch­land geschlos­sen und gelebt. Wie auch das Beschwer­de­ge­richt zutref­fend erkannt hat, liegt es schon aus die­sem Grund fern, dass das Braut­ga­be­ver­spre­chen durch die über­ein­stim­men­de Vor­stel­lung von der (ver­meint­li­chen) Anwend­bar­keit eines aus­län­di­schen Rechts geprägt wor­den sein könn­te [16].

Auch eine Aus­le­gung des Braut­ga­be­ver­spre­chens als Unter­halts­ver­ein­ba­rung im Sin­ne von § 1585 c Satz 1 BGB schei­det ersicht­lich aus. Eine sol­che Aus­le­gung kommt nur dann in Betracht, wenn die Braut­ga­be einer­seits bis zur Schei­dung gestun­det wor­den ist und ande­rer­seits aus der Ver­ein­ba­rung ein­deu­tig der Wil­le der Betei­lig­ten her­vor­geht, dass die Braut­ga­be den Zweck erfül­len soll, die finan­zi­el­len Bedürf­nis­se der Ehe­frau nach Been­di­gung der Ehe ganz oder teil­wei­se anstel­le ihres gesetz­li­chen Unter­halts­an­spruchs abzu­si­chern [17]. Hier spricht schon die zweck­ge­bun­de­ne Natur der ver­ein­bar­ten Braut­ga­be – Frei­stel­lung von den Kos­ten einer isla­mi­schen Pil­ger­fahrt nach Mek­ka („Hadsch“) – dage­gen, dass die Braut­ga­be nach der Vor­stel­lung der Betei­lig­ten dazu bestimmt gewe­sen sein könn­te, lau­fen­de Lebens­be­dürf­nis­se der Antrag­stel­le­rin nach der Schei­dung zu decken.

Kann die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung nicht aus­nahms­wei­se als Ehe­ver­trag über die güter­recht­li­chen Ver­hält­nis­se nach § 1408 Abs. 1 BGB oder als Ver­ein­ba­rung über den nach­ehe­li­chen Unter­halt nach § 1585 c BGB aus­ge­legt wer­den, lässt sie sich nicht ohne wei­te­res in die dem deut­schen Recht bekann­ten Ver­trags­ty­pen und Rechts­fi­gu­ren einordnen.

Die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung kann nicht als abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen im Sin­ne von § 780 BGB ange­se­hen wer­den. Ein abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen liegt nur dann vor, wenn die mit ihm über­nom­me­ne Ver­pflich­tung von ihren wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Zusam­men­hän­gen gelöst und allein auf den im Ver­spre­chen zum Aus­druck gekom­me­nen Leis­tungs­wil­len des Schuld­ners gestellt wer­den soll. Bei Braut­ga­be­ver­spre­chen ist ein selb­stän­di­ger Ver­pflich­tungs­wil­le des Man­nes in der Regel schon des­halb nicht anzu­neh­men, weil der Rechts­grund der anläss­lich der isla­mi­schen Trau­ungs­ze­re­mo­nie ver­spro­che­nen Leis­tung – wie hier – urkund­lich kon­kret bezeich­net ist [18].

Einer recht­li­chen Einordung des Braut­ga­be­ver­spre­chens als Schen­kungs­ver­trag im Sin­ne von § 516 Abs. 1 BGB steht – aus dem Blick­win­kel der zu den Zuwen­dun­gen unter Ehe­gat­ten ent­wi­ckel­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs – regel­mä­ßig die feh­len­de sub­jek­ti­ve Unent­gelt­lich­keit ent­ge­gen. Das gilt auch hier.

An der erfor­der­li­chen Einig­keit der Ver­trags­par­tei­en über die Unent­gelt­lich­keit der Zuwen­dung fehlt es näm­lich immer dann, wenn eine Ver­trags­par­tei die Zuwen­dung als Abgel­tung einer Gegen­leis­tung oder als Erfül­lung einer Ver­bind­lich­keit ansieht. Die inso­weit eine Unent­gelt­lich­keit aus­schlie­ßen­de Ver­knüp­fung der Zuwen­dung mit einer Gegen­leis­tung kann dabei nach Art eines gegen­sei­ti­gen Ver­trags als auch durch Set­zung einer Bedin­gung oder eines bestimm­ten Rechts­zwecks erfol­gen, wobei die Gegen­leis­tung auch einen imma­te­ri­el­len Cha­rak­ter haben kann [19]. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs stellt eine Zuwen­dung unter Ehe­gat­ten, der die Vor­stel­lung oder Erwar­tung zugrun­de liegt, dass die ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft Bestand haben wer­de, oder die sonst um der Ehe wil­len und als Bei­trag zur Ver­wirk­li­chung oder Aus­ge­stal­tung, Erhal­tung oder Siche­rung der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft erbracht wird und die hier­in ihre Geschäfts­grund­la­ge hat, kei­ne Schen­kung, son­dern eine unbe­nann­te Zuwen­dung dar [20]. Auch der Ver­ein­ba­rung einer Braut­ga­be wird die sub­jek­ti­ve Ent­gelt­lich­keit des Leis­tungs­ver­spre­chens und damit das Vor­lie­gen einer ech­ten Schen­kung zu ver­nei­nen sein. Braut­ga­be­ver­ein­ba­run­gen sind nur zwi­schen Ehe­leu­ten mög­lich und set­zen eine wirk­sa­me Ehe­schlie­ßung vor­aus. Die Braut­ga­be steht nach den kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Vor­stel­lun­gen mus­li­mi­scher Ehe­leu­te in einem unlös­ba­ren Zusam­men­hang mit der Ehe­schlie­ßung. Eine Zuwen­dung, die von dem Mann in der Vor­stel­lung geleis­tet wird, dadurch mit der Frau eine Ehe erst ein­ge­hen zu kön­nen, weist die stärks­te vor­stell­ba­re Ehe­be­zo­gen­heit auf [21].

Vor die­sem recht­li­chen Hin­ter­grund wer­den Braut­ga­be­ver­spre­chen, die kol­li­si­ons­recht­lich dem deut­schen Recht unter­lie­gen, in Tei­len von Recht­spre­chung und Lite­ra­tur dog­ma­tisch der Rechts­fi­gur der unbe­nann­ten Zuwen­dung zuge­rech­net [22]. Aller­dings knüpft die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung – anders als die unbe­nann­te Zuwen­dung – in der Regel nicht an die Erwar­tung des Fort­be­stands der Ehe an [23]. Die Braut­ga­be kann zudem nach den ihr zugrun­de­lie­gen­den kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Hin­ter­grün­den nur durch den Mann zuge­wen­det wer­den. Eine unter deut­schem Recht zu beur­tei­len­de Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung, die nicht aus­nahms­wei­se güter­recht­lich oder unter­halts­recht­lich ein­ge­ord­net wer­den kann, wird des­halb als fami­li­en­recht­li­cher Ver­trag sui gene­ris ein­zu­ord­nen sein [24], der aller­dings wegen sei­ner Ehe­be­zo­gen­heit zumin­dest grund­sätz­li­che Über­ein­stim­mun­gen mit dem in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­wi­ckel­ten Rechts­in­sti­tut der unbe­nann­ten Zuwen­dung aufweist.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a.M. begrün­det ein Braut­ga­be­ver­spre­chen aller­dings nicht des­halb nur eine unvoll­kom­me­ne Ver­bind­lich­keit (Natu­ral­ob­li­ga­ti­on), weil es sei­ne Wur­zeln in reli­giö­sem Brauch­tum habe und mit dem Grund­ver­ständ­nis der Ehe in der moder­nen Gesell­schaft nicht in Ein­klang zu brin­gen sei [25].

Der pri­mä­re Zweck der Braut­ga­be dürf­te in der heu­ti­gen Zeit dar­in erblickt wer­den, der Frau – gege­be­nen­falls auch neben dem Unter­halts- und Güter­recht – eine zusätz­li­che finan­zi­el­le Absi­che­rung für den Zeit­raum nach Been­di­gung der Ehe zu ver­schaf­fen [26]. Dies ist auch unter Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass die Leis­tungs­ver­pflich­tung aus der Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung nur einen Mann tref­fen kann, mit einem moder­nen Ehe­ver­ständ­nis nicht schlecht­hin unver­ein­bar, weil die Auf­tei­lung von Erwerbs- und Fami­li­en­ar­beit – vor allem betreu­ungs­be­dingt – oft­mals wei­ter­hin geschlechts­spe­zi­fi­schen Mus­tern folgt und sich das sich dar­aus erge­ben­de wirt­schaft­li­che Ungleich­ge­wicht zwi­schen den Ehe­leu­ten über­wie­gend zu Las­ten von Frau­en aus­wirkt. Im Übri­gen weist die Rechts­be­schwer­de zu Recht dar­auf hin, dass die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung auf einer ein­ver­nehm­li­chen und nach dem Wil­len der Ehe­leu­te gestal­te­ten Ver­ein­ba­rung beruht, der nicht schon wegen ihrer kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Prä­gung der recht­li­che Erfül­lungs­zwang ver­wei­gert wer­den kann.

Dem­ge­gen­über hält die Beur­tei­lung des Beschwer­de­ge­richts, die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung vom 25.03.2006 sei man­gels nota­ri­el­ler Beur­kun­dung jeden­falls nach § 125 Satz 1 BGB form­nich­tig, einer recht­li­chen Über­prü­fung stand.

Ein Rechts­ge­schäft ist gemäß Art. 11 Abs. 1 EGBGB form­gül­tig, wenn es die Form­erfor­der­nis­se des Rechts, das auf das sei­nen Gegen­stand bil­den­de Rechts­ver­hält­nis anzu­wen­den ist (Geschäfts­recht), oder das Recht des Staa­tes erfüllt, in dem es vor­ge­nom­men wird (Orts­recht). Wird des­halb die Braut­ga­be – wie hier – im Inland ver­ein­bart und ist zudem deut­sches Recht auf die Abspra­che anwend­bar, kommt es auf die Ein­hal­tung der Form­vor­schrif­ten des deut­schen Rechts an.

Wie das OLG Frank­furt in sei­ner Beschwer­de­ent­schei­dung zutref­fend aus­ge­führt hat, ist es in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­ten, ob sol­che Braut­ga­be­ver­spre­chen, die nicht als Rege­lung zu den nach­ehe­li­chen Unter­halts­pflich­ten oder zu den güter­recht­li­chen Ver­hält­nis­sen aus­zu­le­gen sind, nach deut­schem Recht form­frei ver­ein­bart wer­den kön­nen. Dies wird zum Teil bejaht [27]. Ande­re Stim­men in der Recht­spre­chung und im Schrift­tum sind dem­ge­gen­über der Ansicht, dass sol­che Braut­ga­be­ver­spre­chen unter deut­schem Recht der nota­ri­el­len Beur­kun­dung bedür­fen, was teil­wei­se aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 518 Abs. 1 BGB [28] und teil­wei­se – mit dem Beschwer­de­ge­richt – aus einer Gesamt­ana­lo­gie aller Form­vor­schrif­ten des Schen­kungs, Güter- und Schei­dungs­fol­gen­rechts (§§ 518 Abs. 1, 1378 Abs. 3 Satz 2, 1410, 1585 c Abs. 2 BGB, § 7 Abs. 1 VersAus­glG) her­ge­lei­tet wird [29].

Zutref­fend ist die Ansicht, dass noch nicht voll­zo­ge­ne Braut­ga­be­ver­spre­chen, die bei Anwen­dung deut­schen Rechts nicht aus­nahms­wei­se ohne­hin als Ehe­ver­trag wegen § 1410 BGB oder als Ver­ein­ba­rung zum nach­ehe­li­chen Unter­halt wegen § 1585 c Satz 2 BGB form­be­dürf­tig sind, zu ihrer Wirk­sam­keit in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 518 Abs. 1 BGB der nota­ri­el­len Beur­kun­dung bedürfen.

Zur Gül­tig­keit eines Ver­trags, durch den eine Leis­tung schenk­wei­se ver­spro­chen wird, ist nach § 518 Abs. 1 Satz 1 BGB die nota­ri­el­le Beur­kun­dung des Ver­spre­chens erfor­der­lich. Der Man­gel der Form wird nach § 518 Abs. 2 BGB durch die Bewir­kung der ver­spro­che­nen Leis­tung geheilt. Wäh­rend § 516 Abs. 1 BGB die soge­nann­te Hand­schen­kung regelt, bei der die Zuwen­dung unmit­tel­bar und ohne vor­an­ge­hen­de Ver­pflich­tung des Schen­kers erfolgt, befasst sich § 518 BGB mit dem auf spä­te­re Erfül­lung gerich­te­ten Schen­kungs­ver­trag (sog. Ver­spre­chens­schen­kung). Wie bereits in den Moti­ven zum Ent­wurf des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs dar­ge­legt ist, soll der Schen­ker durch das Form­erfor­der­nis bei der Ver­spre­chens­schen­kung in ers­ter Linie davor geschützt wer­den, sich über­eilt zu einer Ver­mö­gens­min­de­rung zu sei­nen Las­ten zu ver­pflich­ten [30]. Bei der Hand­schen­kung und bei der voll­zo­ge­nen Ver­spre­chens­schen­kung bedarf es eines sol­chen Über­ei­lungs­schut­zes nicht, weil dem Schen­ker sein ein­sei­ti­ges Ver­mö­gens­op­fer hin­rei­chend deut­lich vor Augen geführt wird, wenn er sich des Schen­kungs­ge­gen­stands tat­säch­lich ent­äu­ßert. In die­sen Fäl­len soll der Rechts­frie­den nicht durch eine Rück­for­de­rung des hin­ge­ge­be­nen Schen­kungs­ge­gen­stands belas­tet wer­den [31]. Dar­über hin­aus soll mit dem Beur­kun­dungs­zwang auch eine Umge­hung der Form­erfor­der­nis­se für letzt­wil­li­ge Ver­fü­gun­gen und Schen­kun­gen auf den Todes­fall (§§ 2247 Abs. 1, 2301 Abs. 1 BGB) ver­hin­dert wer­den [32].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung noch nicht zu der – prak­tisch frei­lich kaum bedeut­sa­men – Fra­ge geäu­ßert, ob auch das nicht voll­zo­ge­ne Ver­spre­chen einer unbe­nann­ten Zuwen­dung unter Ehe­gat­ten zu sei­ner Wirk­sam­keit wenigs­tens in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 518 Abs. 1 BGB der nota­ri­el­len Beur­kun­dung bedarf [33]. Die­se Fra­ge ist zu bejahen.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs soll die ehe­be­zo­ge­ne Moti­va­ti­ons­la­ge des Zuwen­den­den kei­nen Rechts­grund im Sin­ne des Ver­trags­rechts dar­stel­len, der einen eigen­stän­di­gen Leis­tungs­an­spruch des Zuwen­dungs­emp­fän­gers begrün­den könn­te. Sie bil­de viel­mehr ledig­lich einen – im Fal­le von Tren­nung und Schei­dung unter Umstän­den ent­fal­len­den – Rechts­grund für das Behal­ten­dür­fen einer von dem zuwen­den­den Ehe­gat­ten ohne Rechts­pflicht erbrach­ten Zuwen­dung. Die Ehe als sol­che kön­ne dem­ge­gen­über ohne zusätz­li­che ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung nur sol­che Leis­tungs­an­sprü­che begrün­den, zu denen die Ehe­gat­ten bereits kraft Geset­zes ver­pflich­tet sei­en [34]. Nach die­ser Auf­fas­sung ergä­be sich die Form­be­dürf­tig­keit der unbe­nann­ten Zuwen­dung bereits dar­aus, dass die Über­la­ge­rung der Schen­kung durch den Rechts­grund der ehe­be­ding­ten Zuwen­dung erst ein­tre­ten kön­ne, wenn die Zuwen­dung erfolgt sei. Bis zu ihrem Voll­zug müss­te die unbe­nann­te Zuwen­dung zwi­schen Ehe­gat­ten fol­ge­rich­tig als gewöhn­li­che – und daher nach § 518 Abs. 1 BGB form­be­dürf­ti­ge – Schen­kung behan­delt wer­den [35].

Ob die­ser Auf­fas­sung zu fol­gen ist, kann dahin­ste­hen. Jeden­falls ergibt sich aus Sinn und Zweck des Beur­kun­dungs­er­for­der­nis­ses, dass § 518 Abs. 1 BGB zumin­dest ent­spre­chend auf unbe­nann­te Zuwen­dun­gen anzu­wen­den ist.

uch zwi­schen Ehe­gat­ten ist eine ech­te Schen­kung im Sin­ne des § 516 Abs. 1 BGB mög­lich, wenn die Zuwen­dung im Sin­ne ech­ter Frei­gie­big­keit erfolgt und nicht an die Erwar­tung des Fort­be­stehens der Ehe geknüpft, son­dern zur frei­en Ver­fü­gung des Emp­fän­gers geleis­tet wird [36]. Bei der unbe­nann­ten Zuwen­dung hat der Ehe­gat­te dem­ge­gen­über die Vor­stel­lung, der zuge­wen­de­te Gegen­stand wer­de ihm letzt­lich nicht ver­lo­ren gehen, son­dern der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft und damit auch ihm selbst zugu­te­kom­men. Ehe­be­zo­ge­ne Zuwen­dun­gen und Schen­kun­gen unter­schei­den sich inso­weit nur im sub­jek­ti­ven Tat­be­stand. Dem­ge­gen­über haben die Schen­kung und – in den meis­ten Fäl­len – die unbe­nann­te Zuwen­dung gemein­sam, dass der Zuwen­dungs­emp­fän­ger für die ihm ver­spro­che­ne Leis­tung kein eige­nes Ver­mö­gens­op­fer erbringt, sie mit­hin objek­tiv unent­gelt­lich ist. Ist dies aber der Fall, genießt nach dem Norm­zweck des § 518 Abs. 1 BGB der Schutz des Schen­kers, dem durch das Form­erfor­der­nis die ein­sei­ti­ge Min­de­rung sei­nes Ver­mö­gens deut­lich vor Augen geführt und der dadurch vor einer Über­ei­lung gewarnt wer­den soll, den Vor­rang vor dem Inter­es­se des Beschenk­ten an der Ein­hal­tung des von dem Schen­ker gege­be­nen und ihn ein­sei­tig berei­chern­den Ver­spre­chens [37]. Auch soweit mit dem Beur­kun­dungs­zwang nach § 518 Abs. 1 BGB die Umge­hung erbrecht­li­cher Form­vor­schrif­ten ver­mie­den wer­den soll, betrifft dies Schen­kun­gen und unbe­nann­te Zuwen­dun­gen zwi­schen Ehe­gat­ten in glei­chem Maße.

Bedarf hier­nach das Ver­spre­chen einer unbe­nann­ten Zuwen­dung grund­sätz­lich der nota­ri­el­len Beur­kun­dung, kön­nen aus dem Blick­win­kel des deut­schen Rechts für ein Braut­ga­be­ver­spre­chen, dem kei­ne ver­mö­gens­wer­te Gegen­leis­tung von Sei­ten der Frau gegen­über­steht, kei­ne grund­sätz­lich ande­ren Maß­stä­be gelten.

Es ist zwar zutref­fend, dass Braut­ga­be­ver­spre­chen in der Regel schrift­lich auf der Ehe­schlie­ßungs­ur­kun­de ver­ein­bart wer­den [38]. Die wesent­li­che Funk­ti­on des Erfor­der­nis­ses nota­ri­el­ler Beur­kun­dung nach § 518 Abs. 1 BGB besteht aber nicht in der Beweis­funk­ti­on, son­dern im Über­ei­lungs­schutz. Zudem wer­den die im Rah­men einer isla­mi­schen Trau­ungs­ze­re­mo­nie auf­ge­setz­ten Schrift­stü­cke in der Regel – wie auch hier – erbrecht­li­chen Form­vor­schrif­ten nicht genügen.

Dass die Braut­ga­be nicht an den Fort­be­stand der Ehe anknüpft, son­dern im Ein­zel­fall Funk­tio­nen der finan­zi­el­len Absi­che­rung der Frau für die Zeit nach der Auf­lö­sung der Ehe über­neh­men soll, spricht aus der Sicht des deut­schen Rechts nicht gegen, son­dern eher für die Erstre­ckung des Beur­kun­dungs­er­for­der­nis­ses auf Braut­ga­be­ver­ein­ba­run­gen, weil – wor­auf das Beschwer­de­ge­richt zu Recht hin­weist – nach deut­schem Recht alle Ver­ein­ba­run­gen über finan­zi­el­le Schei­dungs­fol­gen, die vor der Auf­lö­sung der Ehe geschlos­sen wer­den, zum Schutz vor Über­vor­tei­lung des einen oder ande­ren Ehe­gat­ten nur wirk­sam sind, wenn sie nota­ri­ell beur­kun­det wer­den [39].

Auch aus dem Gesichts­punkt, dass den anläss­lich isla­mi­scher Trau­un­gen in Deutsch­land ver­ein­bar­ten Braut­ga­be­ver­spre­chen in den meis­ten Fäl­len kei­ne beson­de­re wirt­schaft­li­che Bedeu­tung zukommt, lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nichts gegen deren Form­be­dürf­tig­keit her­lei­ten. Denn auch § 518 Abs. 1 BGB dif­fe­ren­ziert nicht danach, wel­chen Wert der ver­spro­che­ne Zuwen­dungs­ge­gen­stand hat.

Schließ­lich kann auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die nota­ri­el­le Beur­kun­dung des Braut­ga­be­ver­spre­chens für die Betei­lig­ten weder im Sin­ne einer Schutz­funk­ti­on noch im Sin­ne einer Gül­tig­keits­ge­währ einen Mehr­wert dar­stel­len wür­de [40]. Durch das Beur­kun­dungs­er­for­der­nis wird dem Zuwen­den­den vor Augen geführt, dass die Braut­ga­be­ver­ein­ba­rung nicht nur eine For­ma­lie ist, die recht­lich unver­bind­lich allein von der Absicht getra­gen wer­den kann, gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen oder fami­liä­ren Erwar­tun­gen zu ent­spre­chen [41]. Das Beur­kun­dungs­er­for­der­nis des § 518 Abs. 1 BGB dient inso­weit nicht nur dem Schutz des Zuwen­den­den, son­dern soll – auch im Inter­es­se des Zuwen­dungs­emp­fän­gers – Zwei­fel am Wil­len zur rechts­ge­schäft­li­chen Bin­dung des Zuwen­den­den besei­ti­gen [42].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. März 2020 – XII ZB 380/​19

Das Brautgabeversprechen
  1. AG Wies­ba­den, Beschluss vom 01.11.2017 – 537 F 77/​17, MDR 2019, 1136[]
  2. OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 26.04.2019 – 8 UF 192/​17[]
  3. vgl. BGH, Urteil BGHZ 183, 287 = FamRZ 2010, 533 Rn. 14 ff.[]
  4. vgl. auch BGH, Urteil vom 28.01.1987 – IVb ZR 10/​86 , FamRZ 1987, 463, 464[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 26.06.2019 – XII ZB 299/​18 , FamRZ 2019, 1535 Rn. 27[]
  6. so Beck­OK BGB/​Wiedemann [Stand: 1.02.2020] EuGü­VO Art. 3 Rn. 3; Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 321; Zier­eis NZFam 2019, 237, 238; Hei­der­hoff IPrax 2018, 1, 2; Koch FF 2018, 351, 353; Erb­arth NZFam 2018, 249, 252; Dut­ta FamRZ 2016, 1973, 1974; gegen eine weit­ge­hen­de Ein­be­zie­hung all­ge­mei­ner ver­mö­gens­recht­li­cher Ehe­wir­kun­gen in den Anwen­dungs­be­reich der EuGü­VO dem­ge­gen­über Bono­mi in Dutta/​Weber Die Euro­päi­schen Güter­rechts­ver­ord­nun­gen S. 123, 136 f.; zwei­felnd auch Coes­ter-Walt­jen FamRZ 2013, 170, 172[]
  7. zur inter­tem­po­ra­len Anwend­bar­keit des HUP vgl. BGH, Beschluss BGHZ 203, 372 = FamRZ 2015, 479 Rn. 22[]
  8. vgl. EuGH Urteil vom 27.02.1997 – C‑220/​95, Slg. 1997, I‑1147 Rn. 22 – van den Boo­gaard; und vom 06.03.1980 – 120/​79, Slg. 1980, 731 Rn. 5 – de Cavel II; vgl. auch BGH, Beschluss vom 05.06.2019 – XII ZB 44/​19 , FamRZ 2019, 1340 Rn.20[]
  9. vgl. BGH, Urteil BGHZ 183, 287 = FamRZ 2010, 533 Rn. 15[]
  10. zum Über­gangs­recht vgl. Art. 229 § 28 Abs. 1 EGBGB[]
  11. vgl. Koch FF 2018, 351, 353; vgl. auch Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 348 ff.[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 28.01.1987 – IVb ZR 10/​86 , FamRZ 1987, 463, 466[][]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 28.01.1987 – IVb ZR 10/​86 , FamRZ 1987, 463, 466; vgl. auch BGH, Urteil BGHZ 183, 287 = FamRZ 2010, 533 Rn. 23[]
  14. vgl. MünchKommBGB/​von Hein 7. Aufl. Einl. zum IPR Rn. 223 ff.; Andrae Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht 4. Aufl. Rn. 322; Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 338; Mörs­dorf-Schul­te FamRB­int 2007, 29 f.[]
  15. vgl. Andrae Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht 4. Aufl. Rn. 322[]
  16. vgl. auch Wurm­nest FamRZ 2005, 1878, 1880 f.[]
  17. vgl. Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 341[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 14.10.1998 – XII ZR 66/​97 , FamRZ 1999, 217 f. mwN[]
  19. vgl. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 – XII ZB 434/​12 , FamRZ 2014, 98 Rn. 18 mwN[]
  20. vgl. BGH, Urtei­le vom 02.10.1991 – XII ZR 132/​90 , FamRZ 1992, 293, 294; und vom 17.01.1990 – XII ZR 1/​89 , FamRZ 1990, 600, 601 mwN[]
  21. vgl. Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 347[]
  22. vgl. OLG Frank­furt Urteil vom 11.03.2010 – 1 UF 146/​08 Rn. 12; AG Büdin­gen NJW-RR 2014, 1033, 1034; MünchKommFamFG/​Erbarth 3. Aufl. § 266 Rn. 296; Andrae Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht 4. Aufl. Rn. 326[]
  23. vgl. inso­weit OLG Saar­brü­cken NJW-RR 2005, 1306, 1307[]
  24. vgl. AG Mün­chen FamRZ 2019, 866, 867; Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 348; Koch FF 2018, 351, 354; Ober­mann NZFam 2015, 894, 898[]
  25. so auch Andrae Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht 4. Aufl. Rn. 325[]
  26. vgl. BGH, Urteil BGHZ 183, 287 = FamRZ 2010, 533 Rn. 12[]
  27. vgl. Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 353 ff.; Ober­mann NZFam 2015, 894, 898[]
  28. vgl. AG Mün­chen FamRZ 2019, 866, 867; Andrae Inter­na­tio­na­les Fami­li­en­recht 4. Aufl. Rn. 327; vgl. auch BeckOGK/​Hecht BGB [Stand: 1.01.2020] § 125 Rn. 43[]
  29. zustim­mend Papado­pou­los juris­PR-IWR 4/​2019 Anm. 3; ähn­lich bereits Wurm­nest JZ 2010, 736, 738 f.[]
  30. Mot. II S. 293[]
  31. vgl. BGH Urteil vom 28.06.2016 – X ZR 65/​14 , FamRZ 2016, 1923 Rn. 12[]
  32. Mot. II S. 293; vgl. auch BGH Urteil vom 06.03.1970 – V ZR 57/​67 , NJW 1970, 941, 942[]
  33. dafür Soergel/​Eckert BGB 13. Aufl. § 518 Rn. 2; Beck­OK BGB/​Gehrlein [Stand: 1.02.2020] § 518 Rn. 1; Erman/​Hähnchen BGB 15. Aufl. § 518 Rn. 13; Staudinger/​Hertel BGB [2012] Beur­kun­dungs­ge­setz Rn. 53; Naj­de­cki in Burandt/​Rojahn Erbrecht 3. Aufl. § 518 BGB Rn. 2; Sei­ler in FS Hen­rich S. 551, 562; Sand­weg NJW 1989, 1965, 1969; dage­gen OLG Bre­men FamRZ 2000, 671; Staudinger/​Chiusi BGB [2013] § 518 Rn. 5; juris­PK-BGB/­Küh­le [Stand: 1.02.2020] § 518 Rn. 10; Schulz/​Hauß Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung bei Tren­nung und Schei­dung 6. Aufl. Rn. 1564; Berg­schnei­der FPR 2011, 244, 245; Mor­hard NJW 1987, 1734, 1736[]
  34. vgl. BFH NJW 1994, 2044, 2046[]
  35. vgl. Sand­weg NJW 1989, 1965, 1969[]
  36. vgl. BGH, Urteil BGHZ 177, 193 = FamRZ 2008, 1822 Rn. 15; BGH Urteil vom 06.05.2014 – X ZR 135/​11 , FamRZ 2014, 1547 Rn. 9[]
  37. vgl. BeckOGK/​Harke BGB [Stand: 1.01.2020] § 518 Rn. 5[]
  38. Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 354[]
  39. vgl. Wurm­nest JZ 2010, 736, 739[]
  40. so aber Yas­sa­ri Die Braut­ga­be im Fami­li­en­ver­mö­gens­recht S. 354[]
  41. vgl. Koch FF 2018, 351, 354[]
  42. vgl. BGH Urteil vom 06.03.1970 – V ZR 57/​67 , NJW 1970, 941, 942[]

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