Das Dar­le­hen von den Schwie­ger­el­tern

Zur Aus­gleichs­pflicht eines Ehe­gat­ten für ein Dar­le­hen, das der ande­re Ehe­gat­te von sei­nen Eltern zur Finan­zie­rung einer von den Ehe­leu­ten gemein­sam erwor­be­nen Eigen­tums­woh­nung allein auf­ge­nom­men hat, hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Das Dar­le­hen von den Schwie­ger­el­tern

Aus­gangs­punkt war hier­bei zunächst, dass sich Aus­gleichs­an­sprü­che nicht aus § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB erge­ben: Da die Ehe­frau das Dar­le­hen bei ihren Eltern allein auf­ge­nom­men hat, sind die Par­tei­en inso­fern – anders als bei den ihnen gewähr­ten Bank­dar­le­hen – kei­ne Gesamt­schuld­ner.

Des wei­te­ren ging der Bun­des­ge­richts­hof davon aus, dass die Auf­wen­dun­gen für den Erwerb der Eigen­tums­woh­nung, die die Ehe­frau mit dem zins­lo­sen Dar­le­hen der Eltern bestrit­ten hat, nicht unter § 748 BGB fal­len, weil die­se Bestim­mung nur die Las­ten des gemein­sa­men Gegen­stan­des sowie die Kos­ten sei­ner Erhal­tung, Ver­wal­tung und gemein­sa­men Benut­zung behan­delt. Auf­wen­dun­gen, durch die die Gemein­schaft erst begrün­det wor­den ist, fal­len eben­so wenig unter § 748 BGB wie sol­che, die zum Bei­spiel eine wert­stei­gern­de Ver­än­de­rung zum Gegen­stand haben 1.

Unstrei­tig war auch, dass die Ehe­gat­ten kei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung über einen Aus­gleich des Eltern­dar­le­hens im Innen­ver­hält­nis geschlos­sen haben.

Sodann kon­zen­trie­ren sich die Erwä­gun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs auf die Fra­ge, ob zwi­schen den Ehe­gat­ten eine sol­che Ver­ein­ba­rung kon­klu­dent geschlos­sen wur­de:

In der Vor­in­stanz hat­te das Beru­fungs­ge­richt eine sol­che kon­klu­dent geschlos­se­ne Ver­ein­ba­rung noch ver­neint, es meint zwar, beim Erwerb einer Woh­nung, die der gemein­sa­men Lebens­füh­rung die­nen sol­le, sei es oft nicht fern lie­gend, dass die Part­ner still­schwei­gend davon aus­gin­gen, ein­ge­gan­ge­ne Ver­pflich­tun­gen soll­ten von bei­den hälf­tig getra­gen wer­den. Eine ent­spre­chen­de Regel las­se sich für die Finan­zie­rung einer Woh­nung wäh­rend des Zusam­men­le­bens von Ehe­gat­ten aber nicht all­ge­mein auf­stel­len. Denn deren oft unter­schied­li­che Bei-trä­ge zur gemein­sa­men Lebens­füh­rung stell­ten ehe­be­zo­ge­ne Zuwen­dun­gen dar, für die ein Aus­gleich – von Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen – im Rah­men des Zuge­winn­aus­gleichs erfol­ge, was der Annah­me eines ander­wei­ti­gen Aus­gleichs­wil­lens ent­ge­gen­ste­he. Dies sah der Bun­des­ge­richts­hof frei­lich anders:

Zutref­fend ist aller­dings auch für den Bun­des­ge­richts­hof der Aus­gangs­punkt, dass es für den Aus­gleich von Zuwen­dun­gen, die Ehe­gat­ten ein­an­der wäh­rend des gesetz­li­chen Güter­stan­des gemacht haben, in aller Regel mit dem güter­recht­li­chen Aus­gleich als der vom Gesetz vor­ge­se­he­nen Lösung sein Bewen­den haben muss. Nur in extre­men Aus­nah­me­fäl­len, in denen die güter­recht­li­chen Vor­schrif­ten den im Ein­zel­fall bestehen­den Inter­es­sen­kon­flikt nicht zu erfas­sen ver­mö­gen und das Ergeb­nis der güter­recht­li­chen Abwick­lung schlecht­hin unan­ge­mes­sen und für den Zuwen­den­den unzu­mut­bar unbil­lig ist, kommt ein Aus­gleich nach den Regeln über den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge in Betracht 2.

Ein Vor­rang des Güter­rechts besteht dage­gen nicht im Ver­hält­nis zu einem Gesamt­schuld­ner­aus­gleich zwi­schen Ehe­gat­ten. Denn bei rich­ti­ger Hand­ha­bung der güter­rech­ti­chen Vor­schrif­ten ver­mag der Gesamt­schuld­ner­aus­gleich das Ergeb­nis des Zuge­winn­aus­gleichs nicht zu ver­fäl­schen 3. Gesamt­schuld­ner sind ein­an­der zu glei­chen Antei­len ver­pflich­tet, sofern nicht ein ande­res bestimmt ist (§ 426 Abs. 1 Satz 1 BGB). Eine sol­che abwei­chen­de Bestim­mung kann sich aus dem Gesetz, einer Ver­ein­ba­rung, dem Inhalt und Zweck des Rechts­ver­hält­nis­ses oder der Natur der Sache erge­ben 4. Schei­det eine abwei­chen­de gesetz­li­che Rege­lung aus, kommt es mit­hin in ers­ter Linie dar­auf an, ob die Ehe­gat­ten eine abwei­chen­de Bestim­mung über den Aus­gleich im Innen­ver­hält­nis getrof­fen haben.

Nach einer sol­chen (kon­klu­den­ten) Ver­ein­ba­rung ist aber auch dann vor­ran­gig zu fra­gen, wenn die Ehe­gat­ten nicht Gesamt­schuld­ner eines Dar­le­hens sind, son­dern ein Ehe­gat­te im Inter­es­se auch des ande­ren ein Dar­le­hen auf­ge­nom­men hat und zu ent­schei­den ist, ob ein Aus­gleichs- oder Frei­stel­lungs­an­spruch des Dar­le­hens­neh­mers gegen den ande­ren Ehe­gat­ten besteht. Denn eine ehe­be­zo­ge­ne Zuwen­dung des Ehe­gat­ten, der das Dar­le­hen auf­ge­nom­men hat, schei­det den­knot­wen­dig aus, wenn sich eine Ver­ein­ba­rung über einen Aus­gleich im Innen­ver­hält­nis fest­stel­len lässt. Damit steht auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs in Ein­klang, nach der es dann, wenn ein Mit­glied einer Bruch­teils­ge­mein­schaft Auf­wen­dun­gen zur Finan­zie­rung des gemein­schaft­li­chen Gegen­stan­des gemacht hat, im Zwei­fel dem Wil­len der Betei­lig­ten ent­spricht, dass der Vor­leis­ten­de einen antei­li­gen Erstat­tungs­an­spruch gegen die übri­gen Teil­ha­ber hat. Die Aus­gleichs­ver­pflich­tung – auch unter Ehe­gat­ten – ergibt sich dann aus beson­de­rer Ver­ein­ba­rung 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2010 – XII ZR 104/​08

  1. BGH, Urteil vom 09.10.1991 – XII ZR 2/​90, Fam­RZ 1992, 43, 44; BGH Urteil vom 28.11.1974 – II ZR 38/​73, WM 1975, 197; MünchKomm/​K. Schmidt 5. Aufl. § 748 Rdn. 8[]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Urtei­le in BGHZ 115, 132, 138; vom 04.12.1998 – XII ZR 160/​96, Fam­RZ 1998, 669, 670; und vom 03.02.2010 – XII ZR 189/​06[]
  3. st. Rspr., vgl. BGHZ 87, 265, 273; BGH, Urtei­le vom 30.09.1987 – IVb ZR 94/​86, Fam­RZ 1987, 1239, 1240; vom 27.04.1988 – IVb ZR 55/​87, Fam­RZ 1988, 920, 921; und vom 13.07.1988 – IVb ZR 96/​87, Fam­RZ 1988, 1031[]
  4. BGH, Urtei­le vom 30.11.1994 – XII ZR 59/​93, Fam­RZ 1995, 216, 217; vom 11.05.2005 – XII ZR 289/​02, Fam­RZ 2005, 1236, 1237; vom 26.09.2007 – XII ZR 90/​05, Fam­RZ 2007, 1975, 1976; und vom 09.01.2008 – XII ZR 184/​05, Fam­RZ 2008, 602[]
  5. BGH, Urtei­le vom 09.10.1991 – XII ZR 2/​90, Fam­RZ 1992, 43, 44; vom 13.01.1993 – XII ZR 212/​90, Fam­RZ 1993, 676, 677; und vom 28.11.1974 – II ZR 38/​73, WM 1975, 1997; eben­so OLG Bran­den­burg NJW-RR 2001, 1297; OLG Koblenz NJW 2003, 1675, 1676; zustim­mend Münch-Kom­m/K. Schmidt aaO § 748 Rdn. 8; Palandt/​Sprau BGB 69. Aufl. § 748 Anm. 1;Wever Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung der Ehe­gat­ten außer­halb des Güter­rechts 4. Aufl. Rdn. 303; kri­tisch Staudinger/​Langhein BGB 2008 § 748 Rdn. 14; Erman/​Aderhold BGB 12. Aufl. § 748 Rdn. 4[]