Das ört­lich unzu­stän­di­ge Fami­li­en­ge­richt – und der Ver­wei­sungs­an­trag in der Beschwer­de­instanz

Bei einer Fami­li­en­streit­sa­che nach Art. 111 Abs. 3 FGG-RG, §§ 112 Nr. 1, 231 Abs. 1 Nr. 2 FamFG kann eine Ver­wei­sung wegen Unzu­stän­dig­keit gemäß § 113 Abs. 1 Satz 1 und 2 FamFG nicht nach § 3 FamFG von Amts wegen, son­dern nur ent­spre­chend § 281 ZPO auf Antrag erfol­gen.

Das ört­lich unzu­stän­di­ge Fami­li­en­ge­richt – und der Ver­wei­sungs­an­trag in der Beschwer­de­instanz

Dabei ist strei­tig, ob bei einer erst­in­stanz­li­chen Antrags­zu­rück­wei­sung wegen ört­li­cher Unzu­stän­dig­keit auf einen erst­mals in der Beschwer­de­instanz gestell­ten Ver­wei­sungs­an­trag eine Ver­wei­sung gemäß § 281 Abs. 1 Satz 1 ZPO an das zustän­di­ge erst­in­stanz­li­che Gericht – unter Auf­he­bung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung – mög­lich ist.

Die­se Ver­wei­sungs­mög­lich­keit wird ver­ein­zelt abge­lehnt, weil kein Fall des § 513 Abs. 1 ZPO vor­lie­ge1. Dem­ge­gen­über geht die weit über­wie­gen­de Mei­nung dahin, das Beru­fungs­ge­richt kön­ne den Rechts­streit auch bei einem erst­mals in der zwei­ten Instanz gestell­ten Ver­wei­sungs­an­trag an das zustän­di­ge Gericht ers­ter Instanz ver­wei­sen, wenn ein auf die ört­li­che oder sach­li­che Unzu­stän­dig­keit gestütz­tes Pro­zes­sur­teil mit der Beru­fung ange­grif­fen ist2.

Mit­hin ist in recht­li­cher Hin­sicht noch nicht abschlie­ßend geklärt, ob das Ober­lan­des­ge­richt dem hilfs­wei­sen Ver­wei­sungs­an­trag der Antrag­stel­le­rin hät­te ent­spre­chen müs­sen und des­halb an einer Beschluss­zu­rück­wei­sung gehin­dert war. Dies gilt unbe­scha­det des Umstands, dass es im fami­li­en­ge­richt­li­chen Beschwer­de­ver­fah­ren schon an einer dem § 513 Abs. 1 ZPO ent­spre­chen­den Norm – auf die sich das Ober­lan­des­ge­richt bei sei­ner Argu­men­ta­ti­on wesent­lich gestützt hat – fehlt, son­dern die Beschwer­de nach § 65 Abs. 3 FamFG auf neue Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel gestützt wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juni 2017 – XII ZB 231/​17

  1. OLG Olden­burg, Beschluss vom 31.03.2017 – 11 UF 26/​17; Thü­rO­LG, NJW-RR 2009, 719, 720; Stein/​Jonas/​Leipold ZPO 22. Aufl. § 281 Rn. 58; wohl auch Musielak/​Voit/​Foerste ZPO 14. Aufl. § 281 Rn. 6
  2. vgl. etwa OLG Mün­chen NJW-RR 2013, 1359, 1360; OLG Stutt­gart Fam­RZ 2013, 559, 560; KG Urteil vom 01.03.2011 – 14 U 122/​08 14; OLG Koblenz BeckRS 2012, 07804; OLG Köln NJW-RR 2009, 569, 570; OLG Ham­burg Urteil vom 09.11.2006 – 3 U 58/​06 36; Hk-ZPO/­Sa­en­ger 7. Aufl. § 281 Rn. 14; Prütting/​Gehrlein/​Geisler ZPO 7. Aufl. § 281 Rn. 26; Thomas/​Putzo/​Reichold ZPO 38. Aufl. § 281 Rn. 7; Wieczorek/​Schütze/​Assmann ZPO 4. Aufl. § 281 Rn. 60; Zöller/​Greger ZPO 31. Aufl. § 281 Rn. 11