Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Unter­brin­gungs­ver­fah­ren – und sei­ne Bekannt­ga­be an den Betrof­fe­nen

In einem Unter­brin­gungs­ver­fah­ren ist das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten grund­sätz­lich mit sei­nem vol­len Wort­laut an den Betrof­fe­nen per­sön­lich bekannt­zu­ge­ben. Davon kann nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 325 Abs. 1 FamFG abge­se­hen wer­den 1.

Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Unter­brin­gungs­ver­fah­ren – und sei­ne Bekannt­ga­be an den Betrof­fe­nen

Die Ver­wer­tung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens als Grund­la­ge einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che setzt gemäß § 37 Abs. 2 FamFG vor­aus, dass das Gericht den Betei­lig­ten Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt hat. Inso­weit ist das Gut­ach­ten mit sei­nem vol­len Wort­laut im Hin­blick auf die Ver­fah­rens­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen (§ 316 FamFG) grund­sätz­lich auch ihm per­sön­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len. Davon kann nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 325 Abs. 1 FamFG abge­se­hen wer­den 2.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren nicht gerecht.

Weder aus den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts noch aus den Gerichts­ak­ten lässt sich ent­neh­men, dass der Inhalt des Gut­ach­tens dem Betrof­fe­nen in vol­lem Umfang bekannt gege­ben wor­den ist. Aus­weis­lich des Pro­to­kolls des Amts­ge­richts über den am 5.10.2017 durch­ge­führ­ten Anhö­rungs­ter­min wur­de das Gut­ach­ten ledig­lich mit dem Betrof­fe­nen erör­tert. Dies genügt den ver­fah­rens­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht, weil dem Betrof­fe­nen damit die Mög­lich­keit genom­men wird, sich auf den Anhö­rungs­ter­min aus­rei­chend vor­zu­be­rei­ten und durch die Erhe­bung von Ein­wen­dun­gen und Vor­hal­te an die Sach­ver­stän­di­ge eine ande­re Ein­schät­zung zu errei­chen. Eben­so wenig ent­hält das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten einen Hin­weis dar­auf, dass der Betrof­fe­ne durch des­sen Bekannt­ga­be Gesund­heits­nach­tei­le ent­spre­chend § 325 Abs. 1 FamFG zu befürch­ten hät­te 3.

Die­ser Ver­fah­rens­man­gel wur­de im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht geheilt. Das Land­ge­richt hat zwar den Betrof­fe­nen erneut ange­hört und im Rah­men des Anhö­rungs­ter­mins eine ergän­zen­de münd­li­che Stel­lung­nah­me der Sach­ver­stän­di­gen ein­ge­holt. Es hat es jedoch ver­säumt, vor dem Anhö­rungs­ter­min dem Betrof­fe­nen das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in sei­nem vol­len Wort­laut zu über­sen­den.

Der ange­foch­te­ne Beschluss konn­te daher kei­nen Bestand haben. Der Bun­des­ge­richts­hof konn­te in der Sache nicht abschlie­ßend ent­schei­den, da er die feh­ler­haf­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen nicht selbst nach­ho­len und die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht selbst tref­fen konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2018 – XII ZB 14/​18

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 08.03.2017 – XII ZB 516/​16 , Fam­RZ 2017, 911[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.03.2017 – XII ZB 516/​16 , Fam­RZ 2017, 911 Rn. 5 mwN zur Unter­brin­gung; und vom 16.09.2015 – XII ZB 250/​15 , Fam­RZ 2015, 2156 Rn. 15 mwN zur Betreu­ung[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 08.03.2017 – XII ZB 516/​16 , Fam­RZ 2017, 911 Rn. 6[]