Dau­er­ver­gü­tung für den Betreu­er

Ein in die Zukunft gerich­te­ter Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag des Betreu­ers ist unzu­läs­sig.

Dau­er­ver­gü­tung für den Betreu­er

Nach § 9 Satz 1 VBVG kann die Betreu­er­ver­gü­tung nach Ablauf von jeweils drei Mona­ten für die­sen Zeit­raum gel­tend gemacht wer­den. Dies be- deu­tet, dass der Ver­gü­tungs­an­spruch erst­mals drei Mona­te nach der Wirk­sam­keit der Bestel­lung des Betreu­ers und danach nur alle wei­te­re drei Mona­te gel­tend gemacht wer­den kann. Durch die Vor­schrift soll erreicht wer­den, dass ein Berufs­be­treu­er, dem eine Pau­schal­ver­gü­tung nach §§ 4, 5 VBVG zu- steht, erst­mals nach Ablauf von drei Mona­ten einen Ver­gü­tungs­an­trag stel­len kann und danach nur alle wei­te­re drei Mona­te 1. Wort­laut und Zweck der Vor­schrift gebie­ten eine strik­te Ein­hal­tung des vor­ge­schrie­be­nen Abrech­nungs­zeit­raums. Daher kann der Ver­gü­tungs­an­spruch grund­sätz­lich nicht in kür­ze­ren Abstän­den gel­tend gemacht wer­den 2.

Die Rege­lung des § 9 Satz 1 VBVG ver­folgt allein den Zweck, den für die Gerich­te mit der Aus­zah­lung der pau­scha­lier­ten Betreu­er­ver­gü­tung ver­bun­de­nen Ver­wal­tungs­auf­wand mög­lichst gering zu hal­ten 3. Eine Ver­ein­fa­chung der Abrech­nun­gen für die Betreu­er wur­de nicht ange­strebt.

Ein Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag führt auch bei der Pau­schal­ver­gü­tung des Berufs­be­treu­ers nicht zu einer Redu­zie­rung des gericht­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wands.

Nach §§ 1 Abs. 2, 4 Abs. 1, 5 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 VBVG ist der dem Betreu­er zu ver­gü­ten­de Zeit­auf­wand, wenn der Betreu­te sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt nicht in einem Heim hat, ab dem zwei­ten Jahr der Betreu­ung für einen mit­tel­lo­sen Betreu­ten mit monat­lich drei­ein­halb Stun­den anzu­set­zen. Als mit­tel­los gilt nach §§ 1908 i Abs. 1, 1836 d BGB ein Betreu­ter, der die Ver­gü­tung aus sei­nem ein­zu­set­zen­den Ein­kom­men oder Ver­mö­gen nicht oder nur zum Teil oder nur in Raten oder nur im Wege gericht­li­cher Gel­tend­ma­chung von Unter­halts­an­sprü­chen auf­brin­gen kann, wobei sich das ein­zu­set­zen­de Ver­mö­gen nach §§ 1836 c Nr. 2 BGB, 90 SGB XII bestimmt. Unab­hän­gig davon, ob die Ver­gü­tung im Nach­hin­ein oder durch einen Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag ver­langt wird, hat das Gericht nach §§ 292 Abs. 1, 168, 26 FamFG hier­für das Bestehen der Berufs­be­treu­ung, die Höhe des Stun­den­sat­zes nach § 4 Abs. 1 VBVG und die Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten im Ver­gü­tungs­zeit­raum 4 fest­zu­stel­len.

Hin­zu kommt, dass abschlie­ßen­de Anga­ben zur Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten im Ver­gü­tungs­zeit­raum erst nach Ablauf des Zeit­raums erfol­gen kön­nen.

Wird die Ver­gü­tung des Berufs­be­treu­ers bei Mit­tel­lo­sig- keit des Betreu­ten gegen die Staats­kas­se gel­tend gemacht (§§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 Satz 3 BGB, 1 Abs. 2 Satz 2 VBVG, 1836 d BGB), hat das Gericht zudem die Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten im Zeit­punkt der letz­ten Tat- sachen­ent­schei­dung fest­zu­stel­len 5. Die hier­für erfor­der­li­chen Anga­ben über die aktu­el­len per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Betreu­ten (§ 168 Abs. 2 FamFG) kön­nen nicht durch einen Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag vor­ab erfol­gen.

Aus dem Erlass des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 21.08.2007 ergibt sich abge­se­hen davon, dass er für Gerich­te ver­bind­li­che Rege­lun­gen nicht tref­fen könn­te schon des­we­gen nichts ande­res, weil die Ver­wen­dung von Dau­er­an­ord­nun­gen, gegen die dort aus betreu­ungs­recht­li­cher und haus­halts­recht­li­cher Sicht kei­ne Beden­ken erho­ben wer­den, ledig­lich die Aus­zah­lung der fest­ge­setz­ten Ver­gü­tung betref­fen, nicht aber die Fra­ge, ob die Fest­set­zung einer Ver­gü­tung durch einen Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag auch für zukünf­ti­ge Zeit­räu­me vom Betreu­er ver­langt wer­den kann. In dem Erlass wird abschlie­ßend aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es im Ein­zel­fall den Amts­ge­rich­ten über­las­sen blei­be, ob sie einen hin­rei­chend schlüs­si­gen Antrag pro Jahr für alle Quar­ta­le als aus­rei­chend erach­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2016 – XII ZB 493/​14

  1. BGH, Beschlüs­se vom 13.03.2013 XII ZB 26/​12 Fam­RZ 2013, 871 Rn.20; und vom 25.05.2011 XII ZB 440/​10 Fam­RZ 2011, 1220 Rn. 8, 12[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.05.2011 XII ZB 440/​10 Fam­RZ 2011, 1220 Rn. 12[]
  3. BT-Drs. 15/​4874 S. 33 iVm BT-Drs. 15/​2494 S. 36[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 XII ZB 582/​12 Fam­RZ 2013, 620 Rn. 11 ff.[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 XII ZB 582/​12 Fam­RZ 2013, 620 Rn. 18 mwN[]