Der Anspruch des Vaters auf beglei­te­ten Umgang

Die Annah­me, dem Fami­li­en­ge­richt ste­he bei Ent­schei­dun­gen gemäß § 1684 Abs. 4 Satz 3 BGB weder gegen­über dem Jugend­amt noch gegen­über frei­en Jugend­hil­fe­trä­gern eine Anord­nungs­kom­pe­tenz zur Beglei­tung von Umgän­gen zu, ist nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich.

Der Anspruch des Vaters auf beglei­te­ten Umgang

Frei von ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken sind ins­be­son­de­re eine Aus­le­gung von § 1684 Abs. 4 Satz 3 BGB, soweit sie das Erfor­der­nis eines mit­wir­kungs­be­rei­ten Drit­ten betref­fen. Die Anord­nung eines beglei­te­ten Umgangs – als mil­de­re Maß­nah­me gegen­über einem voll­stän­di­gen Umgangs­aus­schluss – setzt einen mit­wir­kungs­be­rei­ten Drit­ten vor­aus [1]. Dem Fami­li­en­ge­richt kommt jedoch weder gegen­über dem Jugend­amt noch gegen­über frei­en Jugend­hil­fe­trä­gern eine Anord­nungs­kom­pe­tenz zur Beglei­tung von Umgän­gen zu [2].

Eine Schutz­lü­cke zum Nach­teil des den Umgang begeh­ren­den Vaters besteht des­halb nicht, weil dem Umgang bean­spru­chen­de­nen Eltern­teil in der Recht­spre­chung der Fach­ge­rich­te ein aus § 18 Abs. 3 Satz 3, 4 SGB VIII abge­lei­te­tes ver­wal­tungs­ge­richt­lich ein­klag­ba­res sub­jek­ti­ves Recht gegen den staat­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe auf Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Aus­übung des Umgangs­rechts ein­ge­räumt wird, wel­ches er nöti­gen­falls im Wege des Eil­rechts­schut­zes durch­set­zen kann [3]. Dies kann unter Berück­sich­ti­gung der sozi­al­recht­li­chen Gewähr­leis­tungs­pflicht des § 79 Abs. 2 SGB VIII auch die Pflicht des Jugend­hil­fe­trä­gers ein­schlie­ßen, sei­ne Mit­wir­kungs­be­reit­schaft vor dem Fami­li­en­ge­richt zu erklä­ren [4]. Eine Abstim­mung zwi­schen die­sen bei­den Ver­fah­ren mag im Ein­zel­fall auch dadurch erreicht wer­den, dass das Umgangs­ver­fah­ren gemäß § 21 FamFG aus­ge­setzt und dem umgangs­wil­li­gen Eltern­teil unter Set­zung einer ange­mes­se­nen Frist Gele­gen­heit gege­ben wird, sei­nen etwai­gen Mit­wir­kungs­an­spruch ver­wal­tungs­ge­richt­lich durch­zu­set­zen [5].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Juli 2015 – 1 BvR 1468/​15

  1. vgl. auch OLG Frank­furt, Beschluss vom 24.03.2015 – 5 UF 270/​14, m.w.N.; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, Beschluss vom 23.03.2015 – 10 UF 6/​15; Palandt/​Götz, BGB, 74. Aufl.2015, § 1684 Rn. 35; Rau­scher, in: Stau­din­ger, BGB, 2014, § 1684 Rn. 319[]
  2. eben­so jüngst OLG Frank­furt, Beschluss vom 24.03.2015 – 5 UF 270/​14; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, Beschluss vom 23.03.2015 – 10 UF 6/​15[]
  3. vgl. OVG des Saar­lands, Beschluss vom 04.08.2014 – 1 B 283/​14, m.w.N.; OVG für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 27.06.2014 – 12 B 579/​14[]
  4. sie­he OVG des Saar­lands, Beschluss vom 04.08.2014 – 1 B 283/​14 23 ff. m.w.N.[]
  5. so Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, Beschluss vom 23.03.2015 – 10 UF 6/​15[]