Der Aus­kunfts­an­spruch im Zuge­winn­aus­gleich und das Rechts­schutz­be­dürf­nis aus Beweis­last­grün­den

Für den Aus­kunfts­an­trag nach § 1379 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB besteht auch dann ein Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn der Klä­ger damit in ers­ter Linie die Umkehr der Beweis­last nach § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB errei­chen will.

Der Aus­kunfts­an­spruch im Zuge­winn­aus­gleich und das Rechts­schutz­be­dürf­nis aus Beweis­last­grün­den

Nach § 254 ZPO kann die bestimm­te Anga­be der Leis­tung, die der Klä­ger bean­sprucht, vor­be­hal­ten wer­den, wenn nament­lich mit der Aus­kunfts­kla­ge die Kla­ge auf Her­aus­ga­be des­je­ni­gen ver­bun­den wird, was der Beklag­te aus dem zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis schul­det. Die Beson­der­heit der Stu­fen­kla­ge liegt in ers­ter Linie in der Zulas­sung eines unbe­stimm­ten Antra­ges. Dar­aus folgt, dass im Rah­men der Stu­fen­kla­ge die Aus­kunft ledig­lich ein Hilfs­mit­tel ist, um die (noch) feh­len­de Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs her­bei­zu­füh­ren. Die der Stu­fen­kla­ge eige­ne Ver­knüp­fung von unbe­stimm­tem Leis­tungs­an­spruch und vor­be­rei­ten­dem Aus­kunfts­an­spruch steht dage­gen nicht zur Ver­fü­gung, wenn die Aus­kunft nicht dem Zwe­cke einer Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs die­nen, son­dern dem Klä­ger sons­ti­ge mit der Bestimm­bar­keit als sol­cher nicht im Zusam­men­hang ste­hen­de Infor­ma­ti­on über sei­ne Rechts­ver­fol­gung ver­schaf­fen soll 1. Eine Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO ist des­halb nur zuläs­sig, wenn die Aus­kunft dazu benö­tigt wird, den Leis­tungs­an­trag nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO bezif­fern zu kön­nen 2.

Der Zuläs­sig­keit der Stu­fen­kla­ge steht nicht ent­ge­gen, dass sich der Klä­ger selbst wegen Ver­jäh­rung kei­nen Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch ver­spricht, der über den zunächst erst­in­stanz­lich und nun­mehr hilfs­wei­se bezif­fer­ten Betrag hin­aus­geht. Ein Anspruch bis zu die­ser Höhe steht noch gar nicht fest.

Dem Klä­ger fehlt es eben­so wenig hin­sicht­lich sei­nes Aus­kunfts­be­geh­rens an dem erfor­der­li­chen Rechts­schutz­be­dürf­nis.

Auch wenn nahe­liegt, dass der maß­geb­li­che Beweg­grund für die Kla­ge­än­de­rung der Wunsch des Klä­gers ist, über sein Aus­kunfts­be­geh­ren nach § 1379 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB zu sei­nen Guns­ten eine Umkehr der Dar­le­gungs- und Beweis­last gemäß § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB zu errei­chen, lässt dies sein Rechts­schutz­be­dürf­nis nicht ent­fal­len.

Gemäß § 1379 Abs. 1 Satz 1 BGB in der bis zum 31.08.2009 gel­ten­den Fas­sung war jeder Ehe­gat­te ver­pflich­tet, nach Been­di­gung des Güter­stan­des dem ande­ren Ehe­gat­ten auf Ver­lan­gen über den Bestand sei­nes End­ver­mö­gens Aus­kunft zu ertei­len.

Nach § 1379 Abs. 1 Satz 1 BGB in der ab 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung kann jeder Ehe­gat­te ab den dort näher bezeich­ne­ten Zeit­punk­ten von dem ande­ren Aus­kunft über das Ver­mö­gen zum Zeit­punkt der Tren­nung (Nr. 1) oder Aus­kunft über das Ver­mö­gen ver­lan­gen, soweit es für die Berech­nung des Anfangs- und End­ver­mö­gens maß­geb­lich ist (Nr. 2). Nach § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB nF hat der aus­kunfts­pflich­ti­ge Ehe­gat­te dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, dass die Ver­mö­gens­min­de­rung nicht auf eine Hand­lung im Sin­ne des § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 3 BGB zurück­zu­füh­ren ist, wenn das End­ver­mö­gen die­ses Ehe­gat­ten gerin­ger als das Ver­mö­gen ist, das er in der Aus­kunft zum Tren­nungs­zeit­punkt ange­ge­ben hat. Sinn die­ser Rege­lung ist es, den ande­ren Ehe­gat­ten nach erfolg­ter Tren­nung zu schüt­zen 3.

Der Klä­ger konn­te in ers­ter Instanz von der Beklag­ten noch kei­ne Aus­kunft zum Zeit­punkt der Tren­nung ver­lan­gen und damit auch kei­ne Umkehr der Beweis­last im vor­ge­nann­ten Sin­ne errei­chen. Der Klä­ger hät­te allen­falls einen Aus­kunfts­an­spruch aus § 242 BGB gel­tend machen kön­nen, wenn und soweit er Aus­kunft über ein­zel­ne Vor­gän­ge ver­langt und kon­kre­te Anhalts­punk­te für ein Han­deln im Sin­ne des § 1375 Abs. 2 BGB vor­ge­tra­gen hät­te 4, ohne damit aller­dings eine Umkehr der Beweis­last im Sin­ne des § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB nF errei­chen zu kön­nen.

Dem Klä­ger kann es in die­ser Situa­ti­on nicht ver­wehrt wer­den, die für ihn güns­ti­gen Wir­kun­gen der Geset­zes­än­de­run­gen in Anspruch zu neh­men.

Dem Aus­kunfts­be­geh­ren des Klä­gers ist auch nicht des­halb der Erfolg zu ver­sa­gen, weil es selbst bei einer Hin­zu­rech­nung des im Streit befind­li­chen Kon­to­gut­ha­bens zum End­ver­mö­gen der Beklag­ten an einem Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch des Klä­gers gegen­über der Beklag­ten fehl­te.

Jeder Ehe­gat­te hat grund­sätz­lich nach Been­di­gung des Güter­stan­des der Zuge­winn­ge­mein­schaft gegen den ande­ren Ehe­gat­ten einen Anspruch auf Aus­kunft im Sin­ne des § 1379 BGB ohne Rück­sicht dar­auf, ob er tat­säch­lich einen Aus­gleich for­dern kann 5. Der Aus­kunfts­an­spruch soll ihm ermög­li­chen, sich Klar­heit über das Bestehen einer sol­chen For­de­rung zu ver­schaf­fen. Der Anspruch auf Aus­kunft nach § 1379 BGB ist aller­dings nur ein Hilfs­an­spruch, der der Ver­wirk­li­chung der Aus­gleichs­for­de­rung nach § 1378 BGB dient. Ihm kann der Ein­wand des Rechts­miss­brauchs ent­ge­gen­ge­setzt wer­den, wenn aus­nahms­wei­se nicht zwei­fel­haft sein kann, dass dem Aus­kunft Begeh­ren­den kei­ne Aus­gleichs­for­de­rung zusteht 6. In die­sem Fal­le wäre die Aus­kunfts­kla­ge sinn­los, weil der Klä­ger kei­nen schutz­wür­di­gen Vor­teil erlan­gen kann, wes­halb es am ent­spre­chen­den Rechts­schutz­be­dürf­nis fehl­te 7.

Umstän­de, die einem Aus­kunfts­be­geh­ren des Klä­gers danach ent­ge­gen­ste­hen könn­ten, lie­gen jedoch nicht vor.

Zwar wür­de nach der Berech­nung der Beklag­ten ihrem – vom Klä­ger ursprüng­lich zuge­stan­de­nen – inde­xier­ten Anfangs­ver­mö­gen in Höhe von 433.375,72 € auch bei Berück­sich­ti­gung des strei­ti­gen Kon­to­gut­ha­bens ein End­ver­mö­gen in Höhe von nur 426.940,22 € gegen­über­ste­hen (335.000 € Grund­stücks­wert, 43,82 € Wert Giro­Kon­to, 92.513,98 € Kon­to­gut­ha­ben und 3.000 € Pkw­Wert abzüg­lich Schul­den in Höhe von 3.617,58 €) und damit ein Zuge­winn aus­schei­den. Jedoch ver­kennt sie, dass die nun­mehr geschul­de­te Aus­kunft zum Zeit­punkt der Tren­nung auch Ver­mö­gens­be­stand­tei­le auf­zei­gen kann, die bis­lang in der Ver­mö­gens­bi­lanz noch kei­ne Erwäh­nung gefun­den haben und deren Ein­be­zie­hung zu einem Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch für den Klä­ger füh­ren könn­te. Jeden­falls ist die­se Mög­lich­keit nicht aus­ge­schlos­sen, wes­halb man dem Klä­ger inso­weit auch nicht das Rechts­schutz­be­dürf­nis abspre­chen kann.

BGH, Urteil vom 17. Okto­ber 2012 – XII ZR 101/​10

  1. vgl. BGH Urteil vom 02.03.2000 – III ZR 65/​99, NJW 2000, 1645, 1646[]
  2. BGH, Urteil vom 19.04.2000 – XII ZR 62/​98, Fam­RZ 2000, 948, 950[]
  3. BGH, Urteil vom 15.08.2012 – XII ZR 80/​11[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.08.2012 – XII ZR 80/​11[]
  5. jeweils zu § 1379 BGB aF: BGH Urtei­le vom 22.12.1971 – IV ZR 42/​70, NJW 1972, 433, 434 und vom 16.12.1982 – IX ZR 90/​81, NJW 1983, 753, 754[]
  6. BGH Urteil vom 22.12.1971 – IV ZR 42/​70, NJW 1972, 433, 434[]
  7. vgl. Reichold in Thomas/​Putzo ZPO 33. Aufl. Vorb. zu § 253 Rn. 26 f. mwN[]