Der Aus­schluss des Zuge­winn­aus­gleichs und die Gren­zen ehe­ver­trag­li­cher Dis­po­si­ti­on

Der Zuge­winn­aus­gleich ist einer ehe­ver­trag­li­chen Dis­po­si­ti­on im Hin­blick auf die nach­ran­gi­ge Bedeu­tung des Zuge­winn­aus­gleichs im Sys­tem des Schei­dungs­fol­gen­rechts am wei­tes­ten zugäng­lich 1.

Der Aus­schluss des Zuge­winn­aus­gleichs und die Gren­zen ehe­ver­trag­li­cher Dis­po­si­ti­on

Wie der Bun­des­ge­richts­hof wie­der­holt dar­ge­legt hat 2, darf die grund­sätz­li­che Dis­po­ni­bi­li­tät der Schei­dungs­fol­gen nicht dazu füh­ren, dass der Schutz­zweck der gesetz­li­chen Rege­lun­gen durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen belie­big unter­lau­fen wer­den kann. Das wäre der Fall, wenn dadurch eine evi­dent ein­sei­ti­ge und durch die indi­vi­du­el­le Gestal­tung der ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­se nicht gerecht­fer­tig­te Las­ten­ver­tei­lung ent­stün­de, die hin­zu­neh­men für den belas­te­ten Ehe­gat­ten – unter ange­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung der Belan­ge des ande­ren Ehe­gat­ten und sei­nes Ver­trau­ens in die Gel­tung der getrof­fe­nen Abre­de – bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung des Wesens der Ehe unzu­mut­bar erscheint. Die Belas­tun­gen des einen Ehe­gat­ten wer­den dabei umso schwe­rer wie­gen und die Belan­ge des ande­ren Ehe­gat­ten umso genaue­rer Prü­fung bedür­fen, je unmit­tel­ba­rer die ver­trag­li­che Abbe­din­gung gesetz­li­cher Rege­lun­gen in den Kern­be­reich des Schei­dungs­fol­gen­rechts ein­greift. Zu die­sem Kern­be­reich gehört in ers­ter Linie der Betreu­ungs­un­ter­halt (§ 1570 BGB). Im Übri­gen wird man eine Ran­g­ab­stu­fung vor­neh­men kön­nen, die sich vor allem danach bemisst, wel­che Bedeu­tung die ein­zel­nen Schei­dungs­fol­gen­re­ge­lun­gen für den Berech­tig­ten in sei­ner jewei­li­gen Lage haben.

Im Rah­men der Wirk­sam­keits­kon­trol­le hat der Tatrich­ter dabei zunächst zu prü­fen, ob die Ver­ein­ba­rung schon im Zeit­punkt ihres Zustan­de­kom­mens offen­kun­dig zu einer der­art ein­sei­ti­gen Las­ten­ver­tei­lung für den Schei­dungs­fall führt, dass ihr – und zwar los­ge­löst von der künf­ti­gen Ent­wick­lung der Ehe­gat­ten und ihrer Lebens­ver­hält­nis­se – wegen Ver­sto­ßes gegen die guten Sit­ten die Aner­ken­nung der Rechts­ord­nung ganz oder teil­wei­se mit der Fol­ge zu ver­sa­gen ist, dass an ihre Stel­le die gesetz­li­chen Rege­lun­gen tre­ten (§ 138 Abs. 1 BGB). Erfor­der­lich ist dabei eine Gesamt­wür­di­gung, die auf die indi­vi­du­el­len Ver­hält­nis­se beim Ver­trags­schluss abstellt, ins­be­son­de­re also auf die Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se, den geplan­ten oder bereits ver­wirk­lich­ten Zuschnitt der Ehe sowie auf die Aus­wir­kun­gen auf die Ehe­gat­ten und auf die Kin­der. Sub­jek­tiv sind die von den Ehe­gat­ten mit der Abre­de ver­folg­ten Zwe­cke sowie die sons­ti­gen Beweg­grün­de zu berück­sich­ti­gen, die den begüns­tig­ten Ehe­gat­ten zu sei­nem Ver­lan­gen nach der ehe­ver­trag­li­chen Gestal­tung ver­an­lasst und den benach­tei­lig­ten Ehe­gat­ten bewo­gen haben, die­sem Ver­lan­gen zu ent­spre­chen 3.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erweist sich der Zuge­winn­aus­gleich einer ehe­ver­trag­li­chen Dis­po­si­ti­on am wei­tes­ten zugäng­lich. Schon im Hin­blick auf die nach­ran­gi­ge Bedeu­tung des Zuge­winn­aus­gleichs im Sys­tem des Schei­dungs­fol­gen­rechts wird ein Aus­schluss des gesetz­li­chen Güter­stands – für sich genom­men – regel­mä­ßig nicht sit­ten­wid­rig sein 4. An die­ser Auf­fas­sung hält der Bun­des­ge­richts­hof auch in Anbe­tracht der hier­ge­gen geäu­ßer­ten Beden­ken im Grund­satz fest.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits vor Erlass der grund­le­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 11. Febru­ar 2004 5 aus­ge­führt, dass aus Art. 6 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 2 GG ein ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Anspruch auf Teil­ha­be bei­der Ehe­gat­ten am gemein­schaft­lich erwirt­schaf­te­ten Ver­mö­gen fol­ge 6. Der Zuge­winn­aus­gleich die­ne eben­so wie der Ver­sor­gungs­aus­gleich der Auf­tei­lung von gemein­sam erwirt­schaf­te­tem Ver­mö­gen der Ehe­leu­te, wel­ches nur wegen der in der Ehe gewähl­ten Auf­ga­ben­ver­tei­lung einem der Ehe­gat­ten recht­lich zuge­ord­net war 7.

Davon ist auch der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­gan­gen. Die for­mal aus­ge­stal­te­ten Rege­lun­gen über den Zuge­winn­aus­gleich grei­fen aller­dings über die teleo­lo­gi­schen Grund­la­gen des Teil­ha­be­an­spru­ches – die ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Gleich­wer­tig­keit von Fami­li­en­ar­beit und Erwerbs­tä­tig­keit – deut­lich hin­aus, soweit sie auch sol­che Part­ner­schaf­ten dem Aus­gleich ehe­zeit­li­cher Ver­mö­gens­zu­wäch­se unter­wer­fen, in denen eine dem klas­si­schen Ehe­typ der Allein­ver­die­ner­ehe ent­spre­chen­de Rol­len­ver­tei­lung über­haupt nicht statt­ge­fun­den hat und indem sie – von den weni­gen Aus­nah­men des § 1374 Abs. 2 BGB abge­se­hen – auch sol­chen Zuge­winn in den Aus­gleich ein­be­zie­hen, zu dem der ande­re Ehe­gat­te nicht bei­getra­gen haben kann. Der Grund­ge­dan­ke des Zuge­winn­aus­glei­ches, den in der Ehe ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­zu­wachs zumin­dest teil­wei­se unge­ach­tet der Her­kunft des Ver­mö­gens und unge­ach­tet der Rol­len­wahl der Part­ner in der Ehe nach einem Halb­tei­lungs­maß­stab aus­zu­glei­chen, kann zwar durch ein zwin­gen­des Bedürf­nis nach Pau­scha­lie­rung und Ver­ein­fa­chung gerecht­fer­tigt wer­den. Sonst wird er aber durch kei­nes der bekann­ten Begrün­dungs­mo­del­le für den Anspruch auf Teil­ha­be am Ver­mö­gen des ande­ren Ehe­gat­ten – z.B. Aus­gleich für den mit dem Ver­zicht auf eigen­ver­ant­wort­li­che Ver­mö­gens­bil­dung ein­her­ge­hen­den Ver­zicht auf eige­ne Erwerbs­tä­tig­keit, Aus­gleich dafür, dem ande­ren Ehe­gat­ten des­sen Erwerbs­tä­tig­keit ermög­licht zu haben, Aus­gleich für Ehe­gat­ten­mit­ar­beit in Beruf und Geschäft des ande­ren Ehe­gat­ten, Aus­gleich für Kon­sum­ver­zicht wäh­rend der Ehe – dog­ma­tisch über­zeu­gend legi­ti­miert 8.

Die inso­weit als Kor­rek­tiv zur gesetz­li­chen Typi­sie­rung zu ver­ste­hen­de güter­recht­li­che Ver­trags­frei­heit der Ehe­gat­ten umschließt das Recht, den von ihnen als unbil­lig oder unbe­frie­di­gend emp­fun­de­nen Ver­tei­lungs­er­geb­nis­sen des gesetz­li­chen Güter­stan­des durch eine eigen­ver­ant­wort­li­che Gestal­tung ihrer Ver­mö­gens­sphä­re begeg­nen und in die­sem Rah­men auch eige­ne öko­no­mi­sche Bewer­tun­gen ihrer Bei­trä­ge zum Fami­li­en­un­ter­halt vor­neh­men zu kön­nen 9. Aus­ge­schlos­sen wäre eine sol­che auto­no­me Bewer­tungs­be­fug­nis der Ehe­gat­ten nur dann, wenn die Ver­fas­sung eine öko­no­mi­sche Gleich­be­wer­tung der­je­ni­gen Bei­trä­ge erzwän­ge, die von den Ehe­gat­ten wäh­rend bestehen­der Ehe im Unter­halts­ver­band erbracht wor­den sind. Dafür fehlt es nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs an einer ver­fas­sungs­recht­lich über­zeu­gen­den Her­lei­tung 10.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Ver­sor­gungs­aus­gleich – anders als den Zuge­winn­aus­gleich – dem Kern­be­reich der Schei­dungs­fol­gen zuge­ord­net. Als vor­weg­ge­nom­me­ner Alters­un­ter­halt steht der Ver­sor­gungs­aus­gleich einer ver­trag­li­chen Gestal­tung nur begrenzt offen, so dass Ver­ein­ba­run­gen über ihn nach den­sel­ben Kri­te­ri­en geprüft wer­den müs­sen wie ein voll­stän­di­ger oder teil­wei­ser Unter­halts­ver­zicht 11. Die hoch­ran­gi­ge Bedeu­tung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs inner­halb des Sys­tems der Schei­dungs­fol­gen recht­fer­tigt sich auch dar­aus, dass die Ansamm­lung von Vor­sor­ge­ver­mö­gen – gera­de in den Regel­si­che­rungs­sys­te­men – wirt­schaft­li­chen Dis­po­si­tio­nen der Ehe­gat­ten weit­ge­hend ent­zo­gen und auch auf die­se Wei­se sicher­ge­stellt ist, dass das gebil­de­te Ver­mö­gen ent­spre­chend sei­ner Zweck­be­stim­mung für die Absi­che­rung bei Alter oder Inva­li­di­tät tat­säch­lich zur Ver­fü­gung steht.

In sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat der Bun­des­ge­richts­hof an der Kern­be­reichs­fer­ne des Zuge­winn­aus­gleichs auch für Unter­neh­mer­ehen fest­ge­hal­ten, in denen der selb­stän­dig erwerbs­tä­ti­ge Ehe­gat­te sei­ne Alters­vor­sor­ge nicht durch die Bil­dung von Vor­sor­ge­ver­mö­gen im Sin­ne des § 2 VersAus­glG, son­dern im Wesent­li­chen durch die Ansamm­lung pri­va­ten Ver­mö­gens auf­baut. Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich auch dann nicht ver­an­lasst gese­hen, einen ver­trag­li­chen Aus­schluss des Zuge­winn­aus­gleichs im Rah­men der Wirk­sam­keits­kon­trol­le zu kor­ri­gie­ren, wenn bereits bei Ver­trags­schluss abseh­bar gewe­sen ist, dass sich der ande­re Ehe­gat­te ganz oder teil­wei­se aus dem Erwerbs­le­ben zurück­zie­hen wür­de und ihm des­halb eine vor­her­seh­bar nicht kom­pen­sier­te Lücke in der Alters­ver­sor­gung ver­bleibt. Viel­mehr hat der Bun­des­ge­richts­hof dem­ge­gen­über ein über­wie­gen­des legi­ti­mes Inter­es­se des erwerbs­tä­ti­gen Ehe­gat­ten aner­kannt, das Ver­mö­gen sei­nes selb­stän­di­gen Erwerbs­be­trie­bes durch die Ver­ein­ba­rung der Güter­tren­nung einem mög­li­cher­wei­se exis­tenz­be­dro­hen­den Zugriff sei­nes Ehe­gat­ten im Schei­dungs­fall zu ent­zie­hen und damit nicht nur für sich, son­dern auch für die Fami­lie die Lebens­grund­la­ge zu erhal­ten 12. Die­se Recht­spre­chung ist nicht ohne Kri­tik geblie­ben 13, wor­auf im vor­lie­gen­den Fall aller­dings nicht näher ein­ge­gan­gen wer­den muss. Denn ein Fall der Funk­ti­ons­äqui­va­lenz zwi­schen Ver­sor­gungs­aus­gleich und Zuge­winn­aus­gleich liegt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht vor, weil der Ehe­mann wäh­rend der gesam­ten Ehe­zeit beam­ten­recht­li­che Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten erwor­ben hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­mag sich auch den im Schrift­tum zur Fort­bil­dung der Kern­be­reichs­leh­re ent­wi­ckel­ten Ansät­zen, der Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis der Ehe­gat­ten über ihre güter­recht­li­chen Bezie­hun­gen von vorn­her­ein den­je­ni­gen Betrag zu ent­zie­hen, der – nach oben durch den Halb­tei­lungs­grund­satz beschränkt dem Betrag einer hypo­the­ti­schen Ver­mö­gens­bil­dung des auf die eige­ne Erwerbs­tä­tig­keit ganz oder teil­wei­se ver­zich­ten­den Ehe­gat­ten ent­spricht 14, nicht anzu­schlie­ßen.

Der Maß­stab einer hypo­the­ti­schen Ver­mö­gens­bil­dung lässt sich nur schwer mit nach­voll­zieh­ba­ren und rechts­si­che­ren Kri­te­ri­en erfas­sen. Ob einem Ehe­gat­ten ein Nach­teil in Form unter­las­se­ner Ver­mö­gens­bil­dung ent­stan­den ist, beur­teilt sich nicht allein nach des­sen fik­ti­ver Erwerbs­bio­gra­phie, son­dern dar­über hin­aus nach sei­ner indi­vi­du­el­len Bereit­schaft und Nei­gung, einen Teil sei­ner Ein­künf­te unter Inkauf­nah­me von Kon­sum­ver­zicht zur Bil­dung pri­va­ten Ver­mö­gens zu ver­wen­den. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­kennt dabei kei­nes­wegs, dass er sol­che Betrach­tun­gen im Ein­zel­fall bereits für erfor­der­lich gehal­ten hat 15; als all­ge­mei­ner Maß­stab zur Beschrän­kung der Ver­trags­frei­heit der Ehe­gat­ten im Güter­recht wer­den Hypo­the­sen zur Ver­mö­gens­bil­dung des haus­halt­füh­ren­den Ehe­gat­ten aller­dings kaum Akzep­tanz fin­den kön­nen 16.

Von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung ist für den Bun­des­ge­richts­hof aller­dings wei­ter­hin der Gesichts­punkt, dass die gene­rel­le Aus­deh­nung des Kern­be­rei­ches der Schei­dungs­fol­gen auf das Güter­recht – wenn auch unter Zugrun­de­le­gung eines vom Halb­tei­lungs­grund­satz abwei­chen­den Ver­tei­lungs­maß­stabs – die Gren­ze des zuläs­si­gen Ein­grif­fes in die Pri­vat­au­to­no­mie der Ehe­gat­ten über­schrei­tet. Mit dem Aus­schluss des Güter­stan­des der Zuge­winn­ge­mein­schaft machen die Ehe­gat­ten ledig­lich von einer im Gesetz aus­drück­lich eröff­ne­ten Gestal­tungs­mög­lich­keit Gebrauch 17. Die unter fai­ren Ver­hand­lungs­be­din­gun­gen getrof­fe­ne Ent­schei­dung der Ehe­gat­ten, sich einem ande­rem durch das Gesetz aus­drück­lich vor­ge­hal­te­nen ver­trag­li­chen (und sub­si­diär­ge­setz­li­chen) Güter­stand zu unter­stel­len, kann für sich genom­men regel­mä­ßig nicht die Miss­bil­li­gung der Rechts­ord­nung fin­den.

Auch wenn die Ver­ein­ba­rung der Güter­tren­nung für sich genom­men den Vor­wurf der Sit­ten­wid­rig­keit nicht zu recht­fer­ti­gen ver­mag, kann sich ein Ehe­ver­trag im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung als ins­ge­samt sit­ten­wid­rig erwei­sen, wenn das Zusam­men­wir­ken aller ehe­ver­trag­li­chen Ein­zel­re­ge­lun­gen erkenn­bar auf die ein­sei­ti­ge Benach­tei­li­gung eines Ehe­gat­ten abzielt 18. Auch dar­aus lässt sich hier aller­dings nach der zutref­fen­den Ansicht des Beru­fungs­ge­richts eine Sit­ten­wid­rig­keit des Ehe­ver­tra­ges nicht her­lei­ten.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat mehr­fach betont, dass das Gesetz einen unver­zicht­ba­ren Min­dest­ge­halt an Schei­dungs­fol­gen zuguns­ten des berech­tig­ten Ehe­gat­ten nicht kennt 19, so dass auch aus dem objek­ti­ven Zusam­men­spiel ein­sei­tig belas­ten­der Rege­lun­gen nur dann auf die wei­ter erfor­der­li­che ver­werf­li­che Gesin­nung des begüns­tig­ten Ehe­gat­ten geschlos­sen wer­den kann, wenn die Annah­me gerecht­fer­tigt ist, dass sich in dem unaus­ge­wo­ge­nen Ver­trags­in­halt eine auf unglei­chen Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen basie­ren­de ein­sei­ti­ge Domi­nanz eines Ehe­gat­ten und damit eine Stö­rung der sub­jek­ti­ven Ver­trags­pa­ri­tät wider­spie­gelt. Eine ledig­lich auf die Ein­sei­tig­keit der Las­ten­ver­tei­lung gegrün­de­te tat­säch­li­che Ver­mu­tung für die sub­jek­ti­ve Sei­te der Sit­ten­wid­rig­keit lässt sich bei fami­li­en­recht­li­chen Ver­trä­gen nicht auf­stel­len 20. Ein unaus­ge­wo­ge­ner Ver­trags­in­halt mag zwar ein gewis­ses Indiz für eine unter­le­ge­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on des belas­te­ten Ehe­gat­ten sein. Gleich­wohl wird das Ver­dikt der Sit­ten­wid­rig­keit in der Regel nicht gerecht­fer­tigt sein, wenn sonst außer­halb der Ver­trags­ur­kun­de kei­ne ver­stär­ken­den Umstän­de zu erken­nen sind, die auf eine sub­jek­ti­ve Impa­ri­tät, ins­be­son­de­re infol­ge der Aus­nut­zung einer Zwangs­la­ge, sozia­ler oder wirt­schaft­li­cher Abhän­gig­keit oder intel­lek­tu­el­ler Unter­le­gen­heit, hin­deu­ten könn­ten 21.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Novem­ber 2012 – XII ZR 48/​11

  1. Fest­hal­ten an BGH, Urteil in BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601[]
  2. grund­le­gend BGH, Urteil BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601, 604 ff.[]
  3. BGH, Urteil BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601, 606; vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 18.03.2009 – XII ZR 94/​06, Fam­RZ 2009, 2124 Rn. 13[]
  4. vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 09.07.2008 – XII ZR 6/​07, Fam­RZ 2008, 2011 Rn.19 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 11.02.2004, BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601[]
  6. BVerfG Fam­RZ 2002, 527, 529 und Fam­RZ 2003, 1153[]
  7. BVerfG Fam­RZ 2003, 1153[]
  8. vgl. ins­be­son­de­re Muscheler Fami­li­en­recht 2. Aufl. Rn. 336[]
  9. BGH, Urteil in BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601, 605[]
  10. vgl. auch Wagenitz in Hölland/​Sethe, Ehe­ver­trä­ge und Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­run­gen [2007] S. 1, 18[]
  11. BGH, Urteil BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601, 605 und BGH, Beschluss vom 06.10.2004 – XII ZB 57/​03, Fam­RZ 2005, 185, 187[]
  12. BGH, Urtei­le vom 28.03.2007 – XII ZR 130/​04, Fam­RZ 2007, 1310, 1311; und vom 17.10.2007 – XII ZR 96/​05, Fam­RZ 2008, 386 Rn. 23[]
  13. vgl. etwa Dau­ner-Lieb AcP 210 [2010], S. 580, 604; Berg­schnei­der Fam­RZ 2010, 1857, 1859; Reetz Fam­FR 2011, 339, 341; Bru­der­mül­ler NJW 2008, 3191, 3192 f.[]
  14. vgl. ins­be­son­de­re Dau­ner-Lieb AcP 210 [2010], 580, 605 ff.; Meder FPR 2012, 113, 116[]
  15. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.08.2010 – XII ZR 102/​09, Fam­RZ 2010, 1637 Rn. 33; und vom 31.10.2012 – XII ZR 129/​10[]
  16. vgl. auch Hop­penz Fam­RZ 2011, 1697, 1699[]
  17. vgl. BGH, Urteil vom 28.03.2007 – XII ZR 130/​04, Fam­RZ 2007, 1310, 1311[]
  18. vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 12.01.2005 – XII ZR 238/​03, Fam­RZ 2005, 691, 693; und vom 09.07.2008 – XII ZR 6/​07, Fam­RZ 2008, 2011 Rn.20 f.[]
  19. vgl. BGH, Urtei­le BGHZ 158, 81 = Fam­RZ 2004, 601, 604; und vom 28.03.2007 – XII ZR 130/​04, Fam­RZ 2007, 1309, 1310[]
  20. BGH, Urteil BGHZ 178, 322 = Fam­RZ 2009, 198 Rn. 32 f.[]
  21. BGH, Urteil vom 31.10.2012 – XII ZR 129/​10; vgl. auch OLG Cel­le NJW-RR 2009, 1302, 1304; Palandt/​Brudermüller BGB 71. Aufl. § 1408 Rn. 10; Rau­scher Fami­li­en­recht 2. Aufl. Rn. 366 m; Münch DNotZ 2005, 819, 825 f.; Berg­schnei­der Fam­RZ 2007, 1246[]