Der bio­lo­gi­sche Vater – und die Gren­zen der Vaterschaftsfeststellung

Die recht­li­che Vater­schaft des Part­ners der Kinds­mut­ter, der die Vater­schaft des Kin­des aner­kannt hat, kann der bio­lo­gi­sche Vater nur dann besei­ti­gen, wenn kei­ne sozi­al-fami­liä­re Bezie­hung zwi­schen dem Kind und dem recht­li­chen Vater besteht. Ein bestehen­der Fami­li­en­ver­band geht dem Inter­es­se des leib­li­chen Vaters vor.

Der bio­lo­gi­sche Vater – und die Gren­zen der Vaterschaftsfeststellung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Zurück­wei­sung des Antrags auf Fest­stel­lung der Vater­schaft als rich­tig ange­se­hen und der sofor­ti­gen Beschwer­de des Antrag­stel­lers gegen die­se Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Müns­ter1 kei­nen Erfolg beschie­den. Den Antrag hat ein Vater aus Müns­ter gestellt, der gericht­lich fest­stel­len las­sen woll­te, dass der Ehe­mann der Mut­ter eines im Juni 2020 gebo­re­nen Mäd­chens, der mit der Mut­ter seit 2013 ver­hei­ra­tet ist und mit ihr eben­falls in Müns­ter wohnt, nicht der Vater des Kin­des ist, son­dern er selbst.

Den dahin­ge­hen­den Antrag des Antrag­stel­lers hat das Amts­ge­richt Müns­ter zurück­ge­wie­sen mit der Begrün­dung, die sozi­al-fami­liä­re Bezie­hung zwi­schen dem Ehe­mann der Mut­ter des Kin­des und dem Mäd­chen ste­he einer sol­chen Fest­stel­lung ent­ge­gen. Dage­gen hat der Antrag­stel­ler sich mit der sofor­ti­gen Beschwer­de gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­führ­lich erklärt, dass der Antrag­stel­ler jeden­falls der­zeit die Vater­schaft des Ehe­manns der Mut­ter des Kin­des nicht anfech­ten kön­ne, weil zwi­schen die­sem und dem Kind eine sozi­al-fami­liä­re Bin­dung bestehe, die – nach § 1600 Abs. 2, 3 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) – eine Anfech­tung durch den leib­li­chen Vater aus­schlie­ße. Es kön­ne dann von einer sol­chen Bin­dung aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der recht­li­che Vater für das Kind tat­säch­lich die Ver­ant­wor­tung tra­ge. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei das hier zu ver­mu­ten, weil der Ehe­mann der Mut­ter mit die­ser ver­hei­ra­tet sei. Dem kön­ne der Antrag­stel­ler nicht ent­ge­gen­hal­ten, dass er vor der Geburt des Kin­des noch gele­gent­li­chen Kon­takt zur Mut­ter des Kin­des und die­se noch eine eige­ne Woh­nung gehabt habe.

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Eben­so wenig sei es von Bedeu­tung, dass der Antrag­stel­ler mit Beginn der Schwan­ger­schaft Ver­ant­wor­tung für das Kind habe über­neh­men wol­len. Es kom­me viel­mehr dar­auf an, dass der Ehe­mann der Mut­ter des Kin­des spä­tes­tens seit der Geburt mit ihr und dem Kind in einem Haus­halt lebe und bereit sei, die Ver­ant­wor­tung für sei­ne (rechtliche)Tochter zu tragen.

Des Wei­te­ren räumt das Ober­lan­des­ge­richt Hamm zwar ein, dass der Antrag­stel­ler in die­ser Kon­stel­la­ti­on über­haupt nicht die Mög­lich­keit habe, recht­lich gese­hen die Vater­stel­lung für sei­ne mut­maß­li­che leib­li­che Toch­ter ein­zu­neh­men. Aber das sei eine Fol­ge der in § 1600 BGB getrof­fe­nen und aktu­ell gel­ten­den gesetz­li­chen Rege­lung, nach der ein bestehen­der Fami­li­en­ver­band dem Inter­es­se des leib­li­chen Vaters vorgehe.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 6. Novem­ber 2020 – 12 WF 221/​20

  1. AG Müns­ter, 43 F 73/​20[]

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