Der "Dr." im Per­so­nen­stands­re­gis­ter

Aka­de­mi­sche Gra­de sind seit dem Inkraft­tre­ten des refor­mier­ten Per­so­nen­stands­ge­set­zes am 1. Janu­ar 2009 nicht mehr in Per­so­nen­stands­re­gis­tern (hier: Gebur­ten­re­gis­ter) ein­zu­tra­gen.

Der "Dr." im Per­so­nen­stands­re­gis­ter

Nach § 21 Abs. 1 Nr. 4 PStG wer­den im Gebur­ten­re­gis­ter, soweit es die Eltern des Kin­des betrifft, deren Vor­na­men und Fami­li­en­na­men sowie auf Wunsch eines Eltern­teils sei­ne recht­li­che Zuge­hö­rig­keit zu einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ist, beur­kun­det. Hier­aus kann sich eine Ein­tra­gungs­fä­hig­keit für aka­de­mi­sche Gra­de der Eltern nicht erge­ben, weil aka­de­mi­sche Gra­de kei­ne Bestand­tei­le des Namens sind 1.

Unter der Gel­tung des bis zum 31.12.2008 gül­ti­gen Rechts waren auf Wunsch der Betei­lig­ten aka­de­mi­sche Gra­de in die Gebur­ten­bü­cher und die aus ihnen erteil­ten Geburts­ur­kun­den ein­zu­tra­gen.

Kon­kre­te gesetz­li­che Vor­schrif­ten zur Ein­tra­gung von aka­de­mi­schen Gra­den in Gebur­ten­re­gis­tern, Gebur­ten­bü­chern oder Geburts­ur­kun­den ent­hiel­ten auch die his­to­ri­schen Vor­läu­fer des heu­ti­gen Per­so­nen­stands­ge­set­zes nicht. Gemäß § 22 Abs. 1 Nr. 5 des Geset­zes über die Beur­kun­dung des Per­so­nen­stan­des und die Ehe­schlie­ßung vom 06.02.1875 2 hat­te die Ein­tra­gung des Gebur­ten­fal­les in das Gebur­ten­re­gis­ter "Vor- und Fami­li­en­na­men, Reli­gi­on, Stand oder Gewer­be und Wohn­ort der Eltern" zu ent­hal­ten. Nach dem Per­so­nen­stands­ge­setz vom 03.11.1937 3, wel­ches mit sei­nen Novel­lie­run­gen die Grund­la­ge für den bis zum 31.12.2008 gel­ten­den Rechts­zu­stand bil­de­te, waren in das Gebur­ten­buch "Vor- und Fami­li­en­na­men der Eltern, ihr Beruf und Wohn­ort sowie ihr reli­giö­ses Bekennt­nis" ein­zu­tra­gen (§ 21 Abs. 1 Nr. 5 PStG idF 1937); glei­ches galt gemäß § 62 PStG idF 1937 auch für die Geburts­ur­kun­de. Mit der Novel­lie­rung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 08.08.1957 4 waren hin­sicht­lich der Ein­tra­gun­gen in das Gebur­ten­buch kei­ne Ände­run­gen ver­bun­den, wäh­rend § 62 PStG idF 1957 im Gegen­satz zu der frü­he­ren Fas­sung den Beruf der Eltern in die Geburts­ur­kun­de nicht mehr auf­neh­men ließ.

Im Zusam­men­hang mit die­ser Rechts­än­de­rung hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof im Jah­re 1962 mit der Fra­ge zu befas­sen, ob § 62 PStG idF 1957 nun­mehr der Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de der Eltern in die Geburts­ur­kun­de des Kin­des ent­ge­gen­ste­hen könn­te. Dies hat­te der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint und zur Begrün­dung im Wesent­li­chen das Fol­gen­de aus­ge­führt: Aka­de­mi­sche Gra­de könn­ten weder zum Namen noch zur Berufs­an­ga­be gerech­net wer­den. Viel­mehr sei­en sie in stän­di­ger Übung in Per­so­nen­stands­bü­chern und Per­so­nen­stands­ur­kun­den auf­ge­nom­men wor­den. Dies las­se ins­be­son­de­re die Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und Auf­sichts­be­hör­den (DA) in der Fas­sung vom 10.05.1952 erken­nen, die meh­re­re Bestim­mun­gen für die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de ent­hal­ten habe. Dem Gesetz­ge­ber sei bei der Neu­fas­sung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes im Jah­re 1957 die­se tat­säch­lich bestehen­de Übung der Stan­des­äm­ter zur Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de bekannt gewe­sen, ohne dass die­ser in einer beson­de­ren Rege­lung dazu Stel­lung genom­men habe. Dar­aus kön­ne nicht gefol­gert wer­den, dass die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de nicht mehr zuläs­sig sei; viel­mehr habe die amt­li­che Begrün­dung des Geset­zes­ent­wur­fes zu § 70 PStG idF 1957 den "Dok­tor der Medi­zin" als Bei­spiel für eine unzu­läs­si­ge Abkür­zung her­an­ge­zo­gen, was eben­falls ver­deut­li­che, dass der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich von der Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de aus­ge­gan­gen sei. Dar­an anknüp­fend sei die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de auch in meh­re­ren Bestim­mun­gen in der nach der Geset­zes­än­de­rung neu gefass­ten Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und ihre Auf­sichts­be­hör­den vom 14.01.1958 vor­ge­se­hen 5.

Der Ver­zicht auf die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de in Per­so­nen­stands­bü­chern wur­de im Jah­re 1984 im Zusam­men­hang mit einer Ände­rung der Dienst­an­wei­sung dis­ku­tiert. Die­ses Vor­ha­ben – über das auf fach­li­cher Ebe­ne an sich Einig­keit geherrscht hat­te – schei­ter­te am Wider­stand des Bun­des­ra­tes, der einer Ände­rung der Dienst­an­wei­sung nur mit der Maß­ga­be zustimm­te, dass die dort bis­lang ent­hal­te­nen Rege­lun­gen über die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de erhal­ten blie­ben 6.

Die zuletzt gül­ti­ge Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und ihre Auf­sichts­be­hör­den vom 27.07.2000 7 in der Fas­sung vom 15.08.2007 regel­te in § 265 Abs. 2 Nr. 1 DA die Ein­tra­gung der Namen der Eltern in das Gebur­ten­buch; für die Ein­tra­gung ihrer aka­de­mi­schen Gra­de wur­de auf § 63 Abs. 1 DA ver­wie­sen. § 63 Abs. 1 DA ent­hielt all­ge­mei­ne Bestim­mun­gen zur Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de in das Hei­rats, Gebur­ten- und Ster­be­buch sowie in ein­zel­nen Spal­ten des Fami­li­en­bu­ches. Danach waren aka­de­mi­sche Gra­de – sofern die von einer deut­schen Behör­de erteil­te Geneh­mi­gung zur Füh­rung eines im Aus­land erwor­be­nen aka­de­mi­schen Gra­des kei­ne ande­re Rei­hen­fol­ge vor­sah – vor dem Vor­na­men, sonst vor dem Fami­li­en­na­men ein­zu­tra­gen. Nach § 66 Abs. 3 DA konn­ten aka­de­mi­sche Gra­de mit der amt­li­chen Abkür­zung oder mit der Abkür­zung ein­ge­tra­gen wer­den, die sich aus den vor­ge­leg­ten Unter­la­gen (z.B. Ver­lei­hungs­ur­kun­de) ergab.

Ent­sprach die Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de unter dem bis­he­ri­gen Rechts­zu­stand nach all­ge­mei­ner Ansicht einer zum Gewohn­heits­recht erstark­ten tat­säch­li­chen Übung, ist nun­mehr in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten, ob dar­an auch unter der Gel­tung des neu­en Per­so­nen­stands­ge­set­zes vom 19.02.2007 8, wel­ches am 1.01.2009 in Kraft getre­ten ist, noch fest­ge­hal­ten wer­den kann.

Im Anschluss an eine frü­he­re Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts 9 wird teil­wei­se die Ansicht ver­tre­ten, dass aka­de­mi­sche Gra­de wei­ter­hin auf Antrag in Per­so­nen­stands­re­gis­tern zu beur­kun­den sei­en 10. Eine abwei­chen­de Auf­fas­sung meint dem­ge­gen­über, dass nach der Reform des Per­so­nen­stands­ge­set­zes von einer Fort­gel­tung des bis­he­ri­gen Gewohn­heits­rechts nicht mehr aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne 11.

Der Bun­des­ge­richts­hof teilt die letzt­ge­nann­te Ansicht.

Gewohn­heits­recht beruht nach stän­di­ger Recht­spre­chung auf einer lang andau­ern­den und stän­di­gen, gleich­mä­ßi­gen und all­ge­mei­nen tat­säch­li­chen Übung, mit der ein bestimm­ter Lebens­sach­ver­halt durch die betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se behan­delt wird. Hin­zu­tre­ten muss in sub­jek­ti­ver Hin­sicht, dass die­se Übung von der Über­zeu­gung getra­gen wird, mit ihrer Anwen­dung gel­ten­des Recht zu befol­gen 12, mit­hin die Zwangs­läu­fig­keit der Anwen­dung der Übung im Bewusst­sein von Rechts­an­wen­dern und Rechts­un­ter­wor­fe­nen ver­an­kert ist 13. Bezugs­punkt für die Gel­tung von Gewohn­heits­recht kann – wie hier im Hin­blick auf die Beur­kun­dungs­pra­xis der Stan­des­äm­ter – grund­sätz­lich auch eine stän­di­ge Übung der Ver­wal­tung sein 14.

Weil Gewohn­heits­recht als Rechts­quel­le gleich­wer­tig neben dem Geset­zes­recht steht, ist der Gesetz­ge­ber – wie beim Geset­zes­recht – ohne wei­te­res befugt, Gewohn­heits­recht durch die Kodi­fi­zie­rung einer abwei­chen­den Rege­lung außer Kraft zu set­zen 13.

Nach der inso­weit zutref­fen­den Auf­fas­sung des Beschwer­de­ge­richts lässt sich im neu gefass­ten Per­so­nen­stands­ge­setz eine Rege­lung, wonach aka­de­mi­sche Gra­de nicht mehr ein­tra­gungs­fä­hig sei­en, jeden­falls nicht aus dem Wort­laut der für die Füh­rung der ein­zel­nen Per­so­nen­stands­re­gis­ter maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten (§§ 15 Abs. 1, 21 Abs. 1, 31 Abs. 1 PStG) ent­neh­men. Denn die­se Vor­schrif­ten beschrän­ken sich auf die Auf­zäh­lung von ein­tra­gungs­fä­hi­gen Daten, ohne dass der Gesetz­ge­ber an die­ser Stel­le den enu­me­ra­ti­ven Cha­rak­ter die­ser Auf­zäh­lung aus­drück­lich betont hät­te 15. Dem Beschwer­de­ge­richt ist eben­falls zuzu­ge­ben, dass auch in der amt­li­chen Begrün­dung zum Ent­wurf des refor­mier­ten Per­so­nen­stands­ge­set­zes 16 an kei­ner Stel­le unmit­tel­bar zum Aus­druck kommt, dass aka­de­mi­sche Gra­de – ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Übung der Stan­des­äm­ter – in den Per­so­nen­stands­re­gis­tern nicht mehr ein­zu­tra­gen sei­en, obwohl die­se Übung bekannt gewe­sen sein muss­te.

Aller­dings dürf­ten hier­aus – im Hin­blick auf die Bil­li­gung des bis­he­ri­gen Gewohn­heits­rechts durch den Gesetz­ge­ber – nicht die glei­chen Schlüs­se gezo­gen wer­den kön­nen, die der Bun­des­ge­richts­hof bei der Beur­tei­lung der Rechts­än­de­run­gen auf­grund der Neu­fas­sung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes aus dem Jah­re 1957 noch zie­hen konn­te. Die sei­ner­zeit neu gefass­te Vor­schrift des § 62 PStG idF 1957, mit der die Ein­tra­gun­gen auf der Geburts­ur­kun­de beschränkt wor­den waren, beruh­te aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung auf der Erwä­gung, dass die (weg­fal­len­de) Berufs­be­zeich­nung der Eltern ent­behr­lich sei und ihr in der Geburts­ur­kun­de kei­ne Bedeu­tung zukä­me 17. Dem­ge­gen­über hat die zum 1.01.2009 in Kraft getre­te­ne Reform des Per­so­nen­stands­rechts im Zuge der Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Regis­ter­füh­rung eine gene­rel­le "Redu­zie­rung der Beur­kun­dungs­da­ten auf das für die Doku­men­ta­ti­on des Per­so­nen­stan­des erfor­der­li­che Maß" im Blick 18, womit auch auf die Kri­tik am Umfang des bis­he­ri­gen Beur­kun­dungs­in­halts reagiert wer­den soll­te 19. Anders als die Vor­gän­ger­fas­sun­gen ent­hält das Gesetz in § 1 Abs. 1 PStG nun­mehr eine Legal­de­fi­ni­ti­on des Per­so­nen­stan­des und der­je­ni­gen Daten, die den Per­so­nen­stand umfas­sen; dies sind Daten über Geburt, Ehe­schlie­ßung, Begrün­dung einer Lebens­part­ner­schaft und Tod sowie damit in Ver­bin­dung ste­hen­de fami­li­en- und namens­recht­li­che Tat­sa­chen (§ 1 Abs. 1 Satz 2 PStG). Weder die Berufs­be­zeich­nung noch die Füh­rung aka­de­mi­scher Gra­de stel­len nach die­ser Defi­ni­ti­on per­so­nen­stands­re­le­van­te Daten dar. Es spricht im Lich­te des § 1 Abs. 1 PStG des­halb vie­les für die Auf­fas­sung, die Auf­zäh­lung in § 21 Abs. 1 PStG (eben­so wie in §§ 15 Abs. 1, 31 Abs. 1 PStG) zumin­dest in dem Sin­ne als abschlie­ßend zu ver­ste­hen, dass nicht per­so­nen­stands­re­le­van­te Daten, die – anders als die Zuge­hö­rig­keit zu einer öffent­lich­recht­lich orga­ni­sier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaft – im Daten­ka­ta­log nicht auf­ge­führt sind, auch nicht mehr ein­tra­gungs­fä­hig sind.

Anders als bei der Novel­lie­rung des Per­so­nen­stands­ge­set­zes im Jah­re 1957 las­sen sich der amt­li­chen Begrün­dung des Reform­ge­set­zes aus dem Jah­re 2007 auch kei­ne posi­ti­ven Anhalts­punk­te für eine fort­dau­ern­de Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de mehr ent­neh­men. Viel­mehr ent­hal­ten die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en für das nach Erlass der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung ver­ab­schie­de­te Per­so­nen­stands­rechts­Än­de­rungs­ge­setz 20 in der Begrün­dung zur Neu­fas­sung von § 69 PStV einen deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass die Anga­be des aka­de­mi­schen Gra­des "nach dem ab 1.01.2009 gel­ten­den Per­so­nen­stands­recht nicht mehr vor­ge­se­hen" sei 21, ohne dass die­ser Aspekt wäh­rend der Bera­tun­gen des Gesetz­ent­wur­fes in Fra­ge gestellt wor­den wäre 22.

Letzt­lich kann es aber auf sich beru­hen, ob bereits von einer Abschaf­fung der gewohn­heits­recht­li­chen Ein­tra­gungs­fä­hig­keit aka­de­mi­scher Gra­de durch den Gesetz­ge­ber des refor­mier­ten Per­so­nen­stands­ge­set­zes aus­ge­gan­gen wer­den kann. Auch ohne ein Ein­grei­fen des Gesetz­ge­bers wird eine Norm des Gewohn­heits­rechts jeden­falls durch die Bil­dung eines ent­ge­gen­ste­hen­den Gewohn­heits­rechts außer Kraft gesetzt 23. Im Übri­gen ver­hal­ten sich Ent­ste­hung und Unter­gang von Gewohn­heits­recht spie­gel­bild­lich zuein­an­der; die Gel­tung einer gewohn­heits­recht­li­chen Regel ent­fällt, wenn bei einer gro­ßen Mehr­heit der betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se die bis­he­ri­ge Übung tat­säch­lich nicht mehr fort­ge­setzt oder wesent­lich abge­wan­delt wird oder wenn die Rechts­über­zeu­gung, mit der Anwen­dung der bis­he­ri­gen Übung gel­ten­des Recht zu befol­gen, wei­test­ge­hend abhan­den­kommt 24.

Die Dienst­an­wei­sung für die Stan­des­be­am­ten und ihre Auf­sichts­be­hör­den vom 27.07.2000 ist mit Wir­kung zum 1.08.2010 durch die All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift zum Per­so­nen­stands­ge­setz (PStGV­wV) vom 29.03.2010 25 ersetzt wor­den. Den Rege­lun­gen zu Nr. 21 PStGV­wV, die sich zu den Ein­tra­gun­gen in das Gebur­ten­re­gis­ter ver­hal­ten, las­sen sich kei­ne Hin­wei­se auf eine Ein­tra­gung von aka­de­mi­schen Gra­den der Eltern ent­neh­men. Anders als die außer Kraft getre­te­ne Dienst­an­wei­sung (§§ 63 Abs. 1, 66 Abs. 3 DA) ent­hal­ten die PStGV­wV und ihre Anla­gen auch kei­ne all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen über die Ein­tra­gung aka­de­mi­scher Gra­de und ihre Abkür­zun­gen mehr. Sol­che ein­heit­li­chen Rege­lun­gen wären in einer Ver­wal­tungs­vor­schrift bei einer Fort­gel­tung der bis­he­ri­gen Übung aller­dings zu erwar­ten gewe­sen, da es – gera­de bei der elek­tro­ni­schen Regis­ter­füh­rung – nicht dem Belie­ben des ein­zel­nen Stan­des­be­am­ten über­las­sen wer­den kann, in wel­chem Datei­feld und auf wel­che Wei­se er aka­de­mi­sche Gra­de in die Per­so­nen­stands­re­gis­ter ein­trägt 26.

Dar­über hin­aus ist in Nr. 56.02.1 PStGV­wV vor­ge­se­hen, dass in Per­so­nen­stands­ur­kun­den, die auf Ein­trä­gen in Alt­re­gis­tern beru­hen, aka­de­mi­sche Gra­de von Ehe­gat­ten, Lebens­part­nern, Eltern oder Ver­stor­be­nen nicht zu über­neh­men sei­en. Es ist daher mit der Rechts­be­schwer­de und den von ihr mit­ge­teil­ten Erkennt­nis­sen des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums des Innern davon aus­zu­ge­hen, dass es der­zeit – schon im Hin­blick auf die Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung – eine der PStGV­wV ent­ge­gen­ste­hen­de stän­di­ge Übung der deut­schen Stan­des­äm­ter, wonach aka­de­mi­sche Gra­de auf Antrag von Betei­lig­ten in Per­so­nen­stands­re­gis­ter ein­zu­tra­gen sei­en, nicht mehr gibt 27.

Durch die feh­len­de Ein­tra­gung sei­nes aka­de­mi­schen Gra­des in das Gebur­ten­re­gis­ter und die Geburts­ur­kun­de des betrof­fe­nen Kin­des wird der Vater in sei­nem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 iVm Art. 1 Abs. 1 GG), wel­ches das Recht zur Füh­rung eines ver­lie­he­nen aka­de­mi­schen Gra­des umschließt 28, nicht beein­träch­tigt.

Durch die Nicht­ein­tra­gung sei­nes aka­de­mi­schen Gra­des in Per­so­nen­stands­re­gis­ter und Per­so­nen­stands­ur­kun­den wird der Titel­in­ha­ber weder gegen­über dem Stan­des­amt noch gegen­über sons­ti­gen – auch staat­li­chen – Stel­len an der Füh­rung sei­nes aka­de­mi­schen Gra­des gehin­dert. Eine Beein­träch­ti­gung sei­nes all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts kann sich für den Titel­in­ha­ber auch nicht dadurch erge­ben, dass bei Drit­ten, denen Per­so­nen­stands­ur­kun­den ohne ein­ge­tra­ge­nen aka­de­mi­schen Grad vor­ge­legt wür­den, der Ein­druck einer unrecht­mä­ßi­gen Füh­rung des Titels her­vor­ge­ru­fen wer­den könn­te. Ein sol­cher Ein­druck kann schon des­halb nicht ent­ste­hen, weil der Titel­in­ha­ber auch nach dem frü­he­ren Recht nur berech­tigt, aber nicht ver­pflich­tet war, sei­nen aka­de­mi­schen Grad in Per­so­nen­stands­ur­kun­den ein­tra­gen zu las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2013 – XII ZB 526/​12

  1. BGHZ 38, 380, 382 f. = NJW 1963, 581, 582; BayO­bLGZ 1961, 148, 153 und 1995, 140, 143; BVerw­GE 5, 291, 293 = DÖV 1957, 870[]
  2. RGBl. S. 23[]
  3. RGBl. I S. 1146[]
  4. BGBl. I S. 1125[]
  5. BGHZ 38, 380, 382 f. = NJW 1963, 581, 582[]
  6. Gaaz StAZ 1985, 189, 190; vgl. auch OLG Karls­ru­he NJW 2013, 1099, 1100; Berkl StAZ 2013, 177, 178[]
  7. BAnz Nr. 154 a vom 17.08.2000[]
  8. BGBl. I S. 122[]
  9. vgl. OLG Nürn­berg StAZ 2010, 148[]
  10. Rhein PStG § 1 Rn. 13 und § 21 Rn. 14 [zum Gebur­ten­re­gis­ter]; Palandt/​Ellenberger BGB 72. Aufl. § 12 Rn. 7; Münch­Komm-BGB/­Sä­cker 6. Aufl. § 12 Rn. 13[]
  11. OLG Karls­ru­he NJW 2013, 1099, 1100 f; OLG Cel­le Beschluss vom 05.02.2013 – 17 W 9/​12 – juris Rn. 15 ff. = StAZ 2013, 142 [Ls.]; Gaaz/​Bornhofen Per­so­nen­stands­ge­setz 2. Aufl. § 1 Rn. 30 und § 21 Rn. 35 [zum Gebur­ten­re­gis­ter]; Gaaz Fam­RZ 2007, 1057, 1060; Sel­big StAZ 2010, 148 f.; Helms StAZ 2012, 376; Berkl StAZ 2013, 177, 179 ff.[]
  12. BGH, Urtei­le vom 19.03.2013 – VI ZR 56/​12, NJW-RR 2013, 675 Rn. 29; und vom 16.02.2001 – V ZR 422/​99, NJW-RR 2001, 1208, 1209[]
  13. BGHZ 37, 219, 222 = NJW 1962, 2054, 2055[][]
  14. vgl. Frei­tag Gewohn­heits­recht und Rechts­sys­tem [1976] S. 120, 128 f.[]
  15. zu den Grün­den für die­se Geset­zes­tech­nik vgl. Berkl StAZ 2013, 177, 183[]
  16. BT-Drucks. 16/​1831 S. 29 ff.[]
  17. BGHZ 38, 380, 383 = NJW 1963, 581, 582[]
  18. BT-Drucks. 16/​1831 S. 29[]
  19. vgl. BT-Drucks. 16/​1831 S. 32[]
  20. Gesetz zur Ände­rung per­so­nen­stands­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 07.05.2013 BGBl. I S. 1122[]
  21. BT-Drucks. 17/​10489 S. 52; vgl. auch OLG Karls­ru­he NJW 2013, 1099, 1101[]
  22. Berkl StAZ 2013, 177, 181[]
  23. BGHZ 37, 219, 222 = NJW 1962, 2054, 2056[]
  24. vgl. Krebs/​Becker JuS 2013, 97, 102 f.[]
  25. BAnz Nr. 57 a vom 15.04.2010[]
  26. vgl. OLG Cel­le Beschluss vom 05.02.2013 – 17 W 9/​12[]
  27. vgl. auch Berkl StAZ 2013, 177, 181; Helms StAZ 2012, 376[]
  28. BVerwG NVwZ 1988, 365; BAG NZA 1984, 225; Jarr­ass NJW 1989, 867, 858[]