Der End­punkt der Kon­troll­be­treu­ung – und die Betreu­er­ver­gü­tung

Der Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers endet erst mit der gericht­li­chen Auf­he­bung der Betreu­ung nach § 1908 d BGB, es sei denn, das Ende der Betreu­ung steht be-reits durch den Tod des Betreu­ten oder auf­grund eines ent­spre­chen­den Frist­ab­laufs fest [1].

Der End­punkt der Kon­troll­be­treu­ung – und die Betreu­er­ver­gü­tung

Hat der Kon­troll­be­treu­er nach Wider­ruf der Vor­sor­ge­voll­macht dem Gericht mit­ge­teilt, dass die Betreu­ung aus sei­ner Sicht been­det sei, und ihm zugleich sei­nen Betreu­er-aus­weis sowie einen sich bis zu die­sem Zeit­punkt erstre­cken­den Ver­gü­tungs­an­trag über­sandt, steht dem Ver­gü­tungs­an­spruch für die Fol­ge­zeit bis zur gericht­li­chen Auf-hebung der Betreu­ung, in der der Kon­troll­be­treu­er kei­ne Tätig­keit mehr für den Be-treu­ten erbracht hat, der Ein­wand von Treu und Glau­ben gemäß § 242 BGB ent­ge-gen.

Der Ver­gü­tungs­an­spruch des Kon­troll­be­treu­ers ist nicht gemäß § 5 Abs. 4 Satz 2 VBVG ent­fal­len. Viel­mehr hat der Ver­gü­tungs­zeit­raum erst mit der gericht­li­chen Auf­he-bung der Betreu­ung sein Ende gefun­den.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs besteht der Ver­gü-tungs­an­spruch in dem durch § 5 VBVG pau­schal fest­ge­leg­ten Umfang für den gesam­ten Zeit­raum der Betreu­ung. Die­se endet gemäß § 1908 d BGB erst durch aus­drück­li­che gericht­li­che Ent­schei­dung. Die Rege­lung dient der Klar­heit der Rechts­ver­hält­nis­se. Denn es ist viel­fach zwei­fel­haft und erst durch gericht­li-che Ermitt­lung zu klä­ren, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Betreu­ung nicht mehr vor­lie­gen. Des­halb ist es hin­zu­neh­men, dass zwi­schen dem Ende der Not­wen­dig­keit der Betreu­ung und der Auf­he­bung der Betreu­ung eine gewis­se noch mit dem pau­scha­len Stun­den­an­satz nach § 5 VBVG zu ver­gü­ten­de Zeit-span­ne liegt, die auf gerichts- oder behör­den­in­ter­ne Abläu­fe und auf die Prü-fung, ob die Vor­aus­set­zung für die Auf­he­bung der Betreu­ung tat­säch­lich vor­lie-gen, zurück­zu­füh­ren ist [2].

Gemes­sen hier­an hat der Zeit­raum, für den der Kon­troll­be­treu­er eine Ver-gütung nach §§ 4, 5 VBVG bean­spru­chen kann, erst mit der gericht­li­chen Auf-hebung der Kon­troll­be­treu­ung sein Ende gefun­den hat. Anders als im Fall des Todes des Betreu­ten oder des Ablaufs der vom Gesetz bzw. vom Gericht fest-gesetz­ten Frist [3] wird die Kon­troll­be­treu­ung bei Wider­ruf der Vor­sor-gevoll­macht nicht per se gegen­stands­los. Die Betreu­ung nach § 1896 Abs. 3 BGB umfasst viel­mehr auch die Gel­tend­ma­chung etwai­ger Aus­kunfts- und Re-chen­schafts­pflich­ten sowie von Erstat­tungs- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen des Betrof­fe­nen gegen den Bevoll­mäch­tig­ten aus dem der Voll­macht zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis [4]. Auch wenn man letz­te­re vor­lie­gend von der kon-kre­ten Bestim­mung des Auf­ga­ben­krei­ses durch das Amts­ge­richt nicht als er-fasst ansä­he, blie­ben zumin­dest die Ansprü­che auf Aus­kunft und Rech­nungs­le-gung.

Die Gel­tend­ma­chung des Ver­gü­tungs­an­spruchs durch den Kon­troll­be­treu­er für den Zeit­raum ab Rück­sen­dung sei­nes Betreu­er­aus­wei­ses stellt für den Bun­des­ge­richts­hof jedoch eine unzu­läs­si­ge Rechts­aus­übung im Sin­ne von § 242 BGB dar.

Ein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten ist rechts­miss­bräuch­lich i.S.v. § 242 BGB, wenn u.a. beson­de­re Umstän­de die Rechts­aus­übung als treu­wid­rig er-schei­nen las­sen [5]. Ent­schei­dend sind letzt­lich die Umstän­de des jewei­li-gen Ein­zel­falls. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann eine Rechts­aus­übung unzu­läs­sig sein, wenn sich objek­tiv das Gesamt­bild eines wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens ergibt, weil das frü­he­re Ver­hal­ten mit dem spä­te-ren sach­lich unver­ein­bar ist und die Inter­es­sen der Gegen­sei­te im Hin­blick da-rauf vor­ran­gig schutz­wür­dig erschei­nen. Ist durch das frü­he­re Ver­hal­ten des Betei­lig­ten kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en der Gegen­sei­te begrün­det wor­den, ist ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten aller­dings nur in beson­ders gela­ger­ten Ein­zel­fäl­len in Betracht zu zie­hen, etwa bei einem unlös­ba­ren Wider­spruch zwi-schen frü­he­rer und spä­te­rer Rechts­aus­übung [6].

Nach die­sen Maß­stä­ben stellt es sich als rechts­miss­bräuch­lich dar, wenn ein Kon­troll­be­treu­er – wie hier – zunächst erklärt, aus sei­ner Sicht sei die Kon­troll­be­treu­ung mit dem Voll­machts­wi­der­ruf been­det, zugleich sei­nen Be-treu­er­aus­weis sowie einen Antrag auf Ver­gü­tungs­fest­set­zung für den Zeit­raum bis zum Voll­machts­wi­der­ruf beim Amts­ge­richt ein­reicht und anschlie­ßend kei­ne irgend­wie gear­te­te Tätig­keit für den Betrof­fe­nen mehr ent­fal­tet, gleich­wohl aber für den nach­fol­gen­den Zeit­raum eine Ver­gü­tung bean­sprucht. Zwar besteht for­mal gese­hen auch für die­sen Zeit­raum ein Anspruch auf Ver­gü­tung. Jedoch hat der Betreu­er durch sein Ver­hal­ten ein­deu­tig zum Aus­druck gebracht, dass er sei­ne Tätig­keit als been­det erach­tet hat. Sich dann noch auf die for­ma­le Rechts­po­si­ti­on, die sich aus der Fort­gel­tung der Betreu­ung bis zu ihrer gericht­li­chen Auf­he­bung ergibt, zu beru­fen, begrün­det einen unlös­ba­ren Wider­spruch zwi­schen frü­he­rer und spä­te­rer Rechts­aus­übung und ist des­halb treu­wid­rig [7].

Der Ein­wand gemäß § 242 BGB ist auch bereits im Ver­gü­tungs­fest-set­zungs­ver­fah­ren nach § 168 FamFG zu beach­ten.

Für das Ver­fah­ren auf Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung ist gemäß § 3 Nr. 2 lit. b RPflG i.V.m. §§ 292 Abs. 1, 168 FamFG der Rechts­pfle­ger funk­tio­nell zustän­dig. Sei­ne Kom­pe­tenz umfasst die Ent­schei­dung über Grund und Höhe des Ver­gü­tungs­an­spruchs, nicht jedoch die Ent­schei­dung über Gegen­an­s­prü-che wegen man­gel­haf­ter Amts­füh­rung. Er ist des­halb nur zur Ent­schei­dung über Ein­wen­dun­gen beru­fen, die im Ver­gü­tungs­recht ihren Grund haben, nicht aber über sol­che, die auf man­gel­haf­te Amts­füh­rung [8] oder auf eine bereits frü­her mög­li­che Auf­he­bung der Betreu­ung gestützt wer­den [9]. Im Fest­set­zungs­ver­fah­ren ist dage­gen etwa über die Ein­re­de der Ver­jäh­rung oder die Fra­ge, ob der Ein­re­de § 242 BGB ent­ge­gen­steht, zu ent­schei­den [10].

Eben­so ver­hält es sich mit dem hier gegen­ständ­li­chen Ein­wand der un-zuläs­si­gen Rechts­aus­übung hin­sicht­lich der zuvor nie­der­ge­leg­ten Tätig­keit. In der­art kla­ren Fäl­len, die wei­te­ren gericht­li­chen Ermitt­lun­gen nicht mehr zugäng-lich sind, kann der Rechts­pfle­ger eben­falls in der Sache ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juli 2015 – XII ZB 508/​14

  1. im Anschluss an BFH, Beschluss vom 20.08.2014 XII ZB 479/​12FamRZ 2014, 1778[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10FamRZ 2012, 1051 Rn. 24; und vom 07.08.2013 – XII ZB 233/​13FamRZ 2013, 1883 Rn. 9; s. auch BFH, Beschlüs­se vom 14.12 2011 XII ZB 489/​10FamRZ 2012, 295 Rn. 10 ff.; und vom 20.08.2014 XII ZB 479/​12FamRZ 2014, 1778 Rn. 16 f.[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 14.12 2011 – XII ZB 489/​10FamRZ 2012, 295 Rn. 11[]
  4. BFH, Beschluss vom 17.07.2013 – XII ZB 311/​12FamRZ 2013, 1571 Rn. 5[]
  5. vgl. BGH Urteil vom 04.02.2015 – VIII ZR 154/​14NJW 2015, 1087 Rn. 24 mwN[]
  6. vgl. BGH Urteil vom 04.02.2015 – VIII ZR 154/​14NJW 2015, 1087 Rn. 25 f. mwN[]
  7. s. auch Frösch­le FamRZ 2013, 1884, 1885[]
  8. BFH, Beschluss vom 05.11.2014 – XII ZB 186/​13FamRZ 2015, 248 Rn. 18[]
  9. BFH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 25[]
  10. BFH, Beschluss vom 05.11.2014 – XII ZB 186/​13, FamRZ 2015, 248 Rn.20[]