Der geschlos­se­ne Immo­bi­li­en­fonds im Zuge­winn­aus­gleich

Lässt sich die Wert­hal­tig­keit eines in den Zuge­winn­aus­gleich fal­len­den Anrechts bezo­gen auf den Stich­tag nicht hin­rei­chend kon­kret bestim­men, hat der Tatrich­ter im Rah­men der gemäß § 287 ZPO durch­zu­füh­ren­den Schät­zung die ihm im Zeit­punkt sei­ner Ent­schei­dung zugäng­li­chen Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten zu nut­zen.

Der geschlos­se­ne Immo­bi­li­en­fonds im Zuge­winn­aus­gleich

Im Fal­le einer spä­te­ren Liqui­da­ti­on kann der zum maß­geb­li­chen Stich­tag bestehen­de Wert eines Kom­man­dit­an­teils an einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds grund­sätz­lich unter Berück­sich­ti­gung des Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses bestimmt wer­den.

Bei der Betei­li­gung an einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds in Form einer Kom­man­dit­ein­la­ge stellt sich die Fra­ge, wie sie im Zuge­winn­aus­gleich zum Stich­tag annä­hernd rea­lis­tisch bewer­tet wer­den kann. Denn die ent­spre­chen­den Kom­man­dit­an­tei­le sind über­haupt nicht bzw. nur sehr schlecht ver­äu­ßer­bar 1. Das bedeu­tet indes nicht, dass sie wert­los sind. Die Betei­li­gung an geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds basiert viel­mehr auf lang­fris­ti­gen Inves­ti­tio­nen, die jeden­falls in der hier maß­geb­li­chen Zeit um 1982 übli­cher­wei­se auch wegen der Aus­sicht auf Steu­er­vor­tei­le bezo­gen auf die Dau­er der Betei­li­gung getä­tigt wur­den.

Zur Ermitt­lung des Wer­tes einer Abschrei­bungs­ge­sell­schaft, die in der Regel in Form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft betrie­ben wird 2, wird in der Lite­ra­tur emp­foh­len, den zu erwar­ten­den Ver­äu­ße­rungs­er­lös bei Been­di­gung der Betei­li­gung zu ermit­teln. Hier­zu sei­en die bis dahin noch zu erwar­ten­den Steu­er­vor­tei­le hin­zu­zu­rech­nen. Abzu­zie­hen sei­en noch offe­ne Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen sowie die mit der Ver­äu­ße­rung aus­ge­lös­ten Steu­ern 3. Der Sache nach lehnt sich die­se Vor­ge­hens­wei­se an das Liqui­da­ti­ons­wert­ver­fah­ren an, bei dem Anknüp­fungs­punkt der Wert­ermitt­lung der zu erzie­len­de Ver­äu­ße­rungs­er­lös ist 4.

Die­se von der Lite­ra­tur für Abschrei­bungs­ge­sell­schaf­ten emp­foh­le­ne Metho­de ver­spricht jeden­falls für die Bewer­tung einer Kom­man­dit­ein­la­ge an einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds einen ver­läss­li­chen Rück­schluss auf den zum maß­geb­li­chen Stich­tag bestehen­den Wert 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2010 – XII ZR 170/​09

  1. BGH, Urtei­le vom 22.07.2010 – III ZR 203/​09, NZG 2010, 1026, Rn. 23; und vom 18.01.2007 – III ZR 44/​06, NJW-RR 2007, 621 Rn. 16[]
  2. Haußleiter/​Schulz Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung bei Tren­nung und Schei­dung 4. Aufl. Kap. 1 Rn. 129[]
  3. so Schrö­der, Bewer­tun­gen im Zuge­winn­aus­gleich, 4. Aufl., Rn. 115, unter Hin­weis auf ein nicht ver­öf­fent­lich­tes Urteil des OLG Hamm vom 20.03.1984 – 1 UF 233/​82; ihm fol­gend Büte Zuge­winn­aus­gleich bei Ehe­schei­dung 3. Aufl. Rn. 62; Haußleiter/​Schulz aaO; Münch FamRB 2007, 375, 380[]
  4. vgl. Schrö­der aaO Rn. 80[]
  5. vgl. zur Unter­neh­mens­be­wer­tung im Fal­le der Liqui­da­ti­on BGH, Urteil vom 17.03.1982 – IVa ZR 27/​81NJW 1982, 2497, 2498; Palandt/​Brudermüller aaO § 1376 Rn. 8[]