Der Hund als Haus­halts­ge­gen­stand

Wenn das Hal­ten von meh­re­ren Hun­den zur Gestal­tung des Zusam­men­le­bens eines Ehe­paa­res gehört hat, zählt der Hund bei der Ehe­schei­dung zu den "Haus­halts­ge­gen­stän­den".

Der Hund als Haus­halts­ge­gen­stand

So hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Streit eines Ehe­paa­res um ihre drei Hun­de ent­schie­den. Zusam­men mit drei Hun­den leb­ten die Ehe­leu­te seit meh­re­ren Jah­ren in einem Land­haus mit gro­ßem Grund­stück. Sie leb­ten inner­halb des­sel­ben Hau­ses getrennt und sind zwi­schen­zeit­lich geschie­den. Als der geschie­de­ne Ehe­mann aus dem Land­haus aus­zie­hen woll­te, ver­lang­te er die Mit­nah­me der Bas­set Hün­din. Die ande­ren bei­den Hun­de woll­te er zurück­las­sen. Er behaup­te­te, allei­ni­ger Eigen­tü­mer der Bas­set Hün­din zu sein. Die geschie­de­ne Ehe­frau woll­te alle drei Hun­de behal­ten und behaup­te­te eben­falls, allei­ni­ge Eigen­tü­me­rin der Bas­set Hün­din zu sein. Sie trug unter ande­rem vor, dass sie allei­ni­ge Bezugs­per­son aller drei Hun­de sei. Zudem wür­den die drei Hun­de eine Ein­heit bil­den und im Fal­le einer Tren­nung lei­den. Bereits das Fami­li­en­ge­richt hat­te in ers­ter Instanz die Bas­set Hün­din dem geschie­de­nen Ehe­mann zuge­spro­chen.

Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts han­delt es sich bei der Hün­din um einen "Haus­halts­ge­gen­stand", weil das Hal­ten von meh­re­ren Hun­den zur Gestal­tung des Zusam­men­le­bens der Ehe­leu­te gehör­te. Davon, dass die geschie­de­ne Ehe­frau die ein­zi­ge Bezugs­per­son für die drei Hun­de gewe­sen ist, kann nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Dage­gen spricht schon, dass der Ehe­mann unstrei­tig auch mit den Hun­den spa­zie­ren ging. Zudem über­nahm er im Jahr 2010 nach den Anga­ben der Ehe­frau aus­schließ­lich das Füt­tern der Hun­de.

Die Hün­din gilt für die Ver­tei­lung als gemein­sa­mes Eigen­tum der geschie­de­nen Ehe­gat­ten. Kei­ner der Ehe­gat­ten hat sein allei­ni­ges Eigen­tum bewei­sen kön­nen. Allein der Umstand, dass die geschie­de­ne Ehe­frau die Hün­din als Wel­pen bei einer Züch­te­rin im Jahr 2007 gekauft hat­te, reicht nicht aus, ihr Allein­ei­gen­tum zu bewei­sen. Denn die Ver­si­che­rung für die Hün­din hat­te der geschie­de­ne Ehe­mann abge­schlos­sen und er zahl­te auch die Hun­de­steu­er.

Die Über­las­sung und Über­eig­nung der Bas­set Hün­din auf den geschie­de­nen Ehe­mann ent­spricht der Bil­lig­keit. Denn der Cocker Spa­ni­el und der Boxer ver­blei­ben bei der geschie­de­nen Ehe­frau. Der Cocker Spa­ni­el ver­bleibt bei der Ehe­frau, weil er in ihrem Allein­ei­gen­tum steht. Sie hat den Hund wäh­rend der Ehe von ihrem Mann geschenkt bekom­men. Dass der Ehe­frau damit die bei­den älte­ren Hun­de ver­blei­ben, von denen sie ver­mu­tet, dass die­se ihr alters- und krank­heits­be­dingt ohne­hin bald nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den, steht der Bil­lig­keit nicht ent­ge­gen. Es besteht auch kein Anlass, von der Über­las­sung der Bas­set Hün­din auf den Ehe­mann des­we­gen abzu­se­hen, weil die drei Hun­de eine Ein­heit bil­den. Die geschie­de­ne Ehe­frau hat in ers­ter Instanz in Aus­sicht gestellt, den schwer­hö­ri­gen Boxer­rü­den dem Ehe­mann zu über­las­sen. Das Weg­ge­ben des Boxers hät­te eben­falls eine – auch für die Hun­de ver­kraft­ba­re – Auf­lö­sung der Ein­heit bedeu­tet. Ange­sichts der unstrei­ti­gen Tat­sa­che, dass der Boxer schwer­hö­rig ist und die Betei­lig­ten ihm des­we­gen in der Regel auf dem gro­ßen Grund­stück und nicht im öffent­li­chen Stra­ßen­raum Aus­lauf gewäh­ren, ent­spricht auch die Aus­wahl zwi­schen die­sen bei­den Hun­den der Bil­lig­keit. Der geschie­de­ne Ehe­mann könn­te dem Boxer ange­sichts sei­ner klei­nen Woh­nung nicht den Frei­raum bie­ten, den die geschie­de­ne Ehe­frau zur­zeit auf dem gro­ßen Grund­stück zur Ver­fü­gung stel­len kann.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 20. Febru­ar 2013 – 15 UF 143/​12