Der in der Ver­gan­gen­heit bezo­ge­ne Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt – und der Aus­kunfts­an­spruch

Erteilt der Unter­halts­be­rech­tig­te dem Unter­halts­pflich­ti­gen auf des­sen Auf­for­de­rung hin kei­ne Aus­kunft über die Ver­wen­dung des in der Ver­gan­gen­heit bezo­ge­nen Alters­vor­sor­ge­un­ter­halts und bestehen des­halb begrün­de­te Zwei­fel dar­an, dass er die hier­für an ihn geleis­te­ten Beträ­ge zweck­ent­spre­chend ver­wen­den wird, steht der For­de­rung auf Zah­lung künf­ti­gen Alters­vor­sor­ge­un­ter­halts der Ein­wand der Treu­wid­rig­keit nach § 242 BGB ent­ge­gen [1].

Der in der Ver­gan­gen­heit bezo­ge­ne Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt – und der Aus­kunfts­an­spruch

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist der Vor­sor­ge­un­ter­halt gemäß § 1578 Abs. 3 BGB ein zweck­ge­bun­de­ner, in der Ent­schei­dung beson­ders aus­zu­wei­sen­der Bestand­teil des nach­ehe­li­chen Unter­halts, den der Berech­tig­te für eine ent­spre­chen­de Ver­si­che­rung zu ver­wen­den hat. Der Unter­halts­gläu­bi­ger ist bei zweck­wid­ri­ger Ver­wen­dung der als Vor­sor­ge­un­ter­halt geleis­te­ten Beträ­ge spä­ter so zu behan­deln, als hät­ten die­se zu einer ent­spre­chen­den Ver­si­che­rung geführt [2].

Macht der Berech­tig­te erst­mals Vor­sor­ge­un­ter­halt gel­tend, braucht er grund­sätz­lich kei­ne kon­kre­ten Anga­ben über die Art und Wei­se der von ihm beab­sich­tig­ten Vor­sor­ge zu machen. Dies gilt nach den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) jedoch nicht, wenn er in der Ver­gan­gen­heit als Vor­sor­ge­un­ter­halt erhal­te­ne Beträ­ge nicht bestim­mungs­ge­mäß ver­wen­det hat. Ent­spre­chen­des gilt auch dann, wenn der Unter­halts­be­rech­tig­te einem Aus­kunfts­ver­lan­gen zur Ver­wen­dung des bereits gezahl­ten Alters­vor­sor­ge­un­ter­halts nicht nach­kommt. Denn in die­sem Fall besteht die begrün­de­te Besorg­nis, dass er die an sich gezahl­ten Beträ­ge nicht zweck­ent­spre­chend ver­wen­det. Auch dann wäre die For­de­rung des Unter­halts­be­rech­tig­ten auf Vor­sor­ge­un­ter­halt nicht schlüs­sig begrün­det [3].

Nach die­sen Grund­sät­zen wäre der Ehe­mann im hier ent­schie­de­nen Fall nach der Wei­ge­rung der Ehe­frau, eine ent­spre­chen­de Aus­kunft zu ertei­len, nicht mehr ver­pflich­tet, wei­ter­hin Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt zu zah­len. Eine Ver­pflich­tung des Ehe­manns, die Beträ­ge direkt an einen bestimm­ten Ver­si­che­rungs­trä­ger zu zah­len, schei­det schon des­halb aus, weil die Ehe­frau einen sol­chen nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht benannt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Novem­ber 2019 – XII ZB 3/​19

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 25.03.1987 IVb ZR 32/​86 FamRZ 1987, 684[]
  2. BGH, Urteil vom 06.10.1982 IVb ZR 311/​81 FamRZ 1982, 1187, 1189[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1987 IVb ZR 32/​86 FamRZ 1987, 684, 688[]