Der Name eines Ägyp­ters

Ein ägyp­ti­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, in des­sen Geburts­ein­trag neben dem Vor­na­men nur noch die Namen des Vaters, Groß­va­ters und Urgroß­va­ters ange­ge­ben sind (Namenskette/​Eigennamen) kann nach ägyp­ti­schem Recht durch form­lo­se Erklä­rung gegen­über den Behör­den des Hei­mats­staats wäh­len, ob das drit­te oder vier­te Glied der Namens­ket­te als Fami­li­en­na­me gel­ten soll. Die Namens­wahl ist bei der Ein­tra­gung in deut­sche Per­so­nen­stands­re­gis­ter zu über­neh­men. Die Namens­wahl führt nicht dazu, dass die nicht als Fami­li­en­na­men gewähl­ten Tei­le der Namens­ket­te weg­fal­len; die­se sind viel­mehr als dem Vor­na­men gleich­ste­hen­de Zwi­schen­na­men ein­zu­tra­gen.

Der Name eines Ägyp­ters

Bei einem ägyp­ti­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen unter­liegt sein Name dem dort gel­ten­den Recht (Arti­kel 10 Absatz 1 EGBGB). Dar­an hat sich auch durch die Ehe­schlie­ßung mit einer Deut­schen nichts geän­dert. Wie sich im vor­lie­gen­den Fall aus den zur Ehe­schlie­ßung vor­ge­leg­ten Unter­la­gen ergibt, hat der Betrof­fe­ne die in Arti­kel 10 Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB vor­ge­se­he­ne Erklä­rung abge­ge­ben, sei­nen Namen nach dem Hei­mat­recht, also dem ägyp­ti­schen Recht, füh­ren zu wol­len.

Der Betrof­fe­ne ist nach ägyp­ti­schem Recht befugt, den von ihm aus der Namens­ket­te gewähl­ten Namen als Fami­li­en­na­me zu füh­ren.

Arti­kel 38 des ägyp­ti­schen ZGB 1 bestimmt, dass jede Per­son einen Vor- und einen Zuna­men habe und der Zuna­me eines Man­nes auf sei­ne Kin­der über­ge­he. Die­se seit 1949 gel­ten­de gesetz­li­che Rege­lung stimmt aller­dings mit der Namens­tra­di­ti­on und der tat­säch­li­chen Rechts­an­wen­dung nicht über­ein. Aus der vor­ge­leg­ten Aus­kunft der Bot­schaft Kai­ro aus dem Jah­re 1989, deren Inhalt durch die aktu­el­le Rechts­aus­kunft des Max-Planck-Insti­tuts bestä­tigt wird, bestehen die Namen in Ägyp­ten tra­di­tio­nell aus einer Ket­te aus drei oder vier Glie­dern, die aus dem Vor­na­men des Neu­ge­bo­re­nen und in auf­stei­gen­der Linie aus den (Vor-) Namen der väter­li­chen Vor­fah­ren gebil­det wird, wobei in jeder Genera­ti­on ein Name aus der Ket­te ent­fällt (vgl. auch OLG Hamm, OLGZ 1978, 129). Dabei bil­det sich kein Fami­li­en­na­me, der unver­än­dert von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den könn­te.

Eine abschlie­ßen­de gesetz­li­che Rege­lung des ägyp­ti­schen Rechts zu der Fra­ge, wel­cher Teil des in einer Geburts­ur­kun­de ein­ge­tra­ge­nen – nach tra­di­tio­nel­lem Mus­ter gebil­de­ten – Namens als Fami­li­en­na­me anzu­se­hen ist, wenn ein Bedarf für die Ver­wen­dung eines Fami­li­en­na­mens besteht, exis­tiert nicht. Das beson­de­re Namens­ge­setz, das Arti­kel 39 ZGB an sich vor­sieht, ist bis­her nicht erlas­sen wor­den.

Nach der Rechts­aus­kunft des Max-Planck-Insti­tuts ent­spricht es der ägyp­ti­schen Rechts­pra­xis, dass als Fami­li­en­na­me das vor­letz­te oder das letz­te Glied einer Namens­ket­te ver­wen­det wird, wenn hier­für im Rechts­ver­kehr ein Bedürf­nis besteht. Der Betrof­fe­ne habe inso­weit ein Wahl­recht, das form­los aus­ge­übt wer­den kön­ne. Für die Rich­tig­keit die­ser Rechts­aus­kunft spricht, dass das ägyp­ti­sche Gene­ral­kon­su­lat die Befug­nis des Betrof­fe­nen bestä­tigt hat, den Namen "Sh." als Fami­li­en­na­me zu füh­ren; von einem Wahl­recht des Betrof­fe­nen wird auch in der Lite­ra­tur unter Hin­weis auf eine frü­he­re Aus­kunft der Deut­schen Bot­schaft Kai­ro berich­tet 2.

Soweit die Kon­su­lar­ab­tei­lung der ägyp­ti­schen Bot­schaft Ber­lin in einem Schrei­ben an die Stadt Nürn­berg vom 10. Okto­ber 2005 die Aus­kunft erteilt hat, die deut­schen Behör­den könn­ten, um den Vor­ga­ben des deut­schen Rechts zu ent­spre­chen, den letz­ten Namen der im Pass ein­ge­tra­ge­nen Namens­ket­te als Fami­li­en­na­me nut­zen, steht dies hier­zu nicht im Wider­spruch; die­se Lösung ist viel­mehr dann sinn­voll, wenn der Namens­trä­ger eine Wahl nicht getrof­fen hat.

Dass der Betrof­fe­ne die nach dem ägyp­ti­schen Recht vor­ge­se­he­ne form­lo­se Wahl des Fami­li­en­na­mens vor­ge­nom­men hat, ergibt sich aus der Beschei­ni­gung des Gene­ral­kon­su­lats Frank­furt, nach der der Name "Sh." als Fami­li­en­na­me genutzt wer­den kön­ne. Die­se zeigt, dass der Betrof­fe­ne jeden­falls gegen­über dem Kon­su­lat die Erklä­rung abge­ge­ben hat, den drit­ten Namen der Ket­te als Fami­li­en­na­men nut­zen zu wol­len; die Wahl des drit­ten Namens ent­spricht auch einer im Her­kunfts­land (auch) ver­brei­te­ten Pra­xis 2.

Die Wahl eines Fami­li­en­na­men durch den Betrof­fe­nen hat aller­dings nicht zur Fol­ge, dass die übri­gen Bestand­tei­le der Namens­ket­te aus den ägyp­ti­schen Urkun­den ersatz­los ent­fal­len und ledig­lich noch der Vor­na­me und der Fami­li­en­na­me in das Hei­rats­re­gis­ter ein­zu­tra­gen wären 3. Das ergibt sich im Umkehr­schluss aus der in Arti­kel 47 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 EGBGB getrof­fe­nen Rege­lung, die es erlaubt, dass der Namens­trä­ger nach einer Ein­bür­ge­rung Namens­be­stand­tei­le ablegt, die das deut­sche Recht nicht vor­sieht 4. Da die Zwi­schen­na­men nach deut­schem Ver­ständ­nis den Vor­na­men näher ste­hen als die Fami­li­en­na­men – nach der geschil­der­ten ara­bi­schen Rechts­tra­di­ti­on han­delt es sich nicht um ein­heit­li­che, von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­be­ne Namens­be­stand­tei­le 5 -, sind sie in den deut­schen Regis­tern wie Vor­na­men ein­zu­tra­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2012 – 11 Wx 2/​12

  1. vgl. deut­sche Über­set­zung bei Bergmann/​Ferid, Stand der 178. EL, S. 44[]
  2. Jauß StAZ 2001, 303[][]
  3. vgl. hier­zu auch OLG Hamm, OLGZ 1978, 129[]
  4. vgl. zur Ein­tra­gung von Zwi­schen­na­men nach marok­ka­ni­schem Recht auch BGH, Beschluss vom 26. 5. 1971 – IV ZB 22/​70, NJW 1971, 1521[]
  5. vgl. auch Gund­rum StAZ 1973, 149[]