Der nicht voll­stre­ckungs­fä­hi­ge Aus­kunfts­ti­tel – und die Beschwer

Hat die Aus­kunfts­ver­pflich­tung, gegen die sich der Rechts­mit­tel­füh­rer zur Wehr setzt, kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt, erhöht sich die Beschwer um die mit der Abwehr einer inso­weit unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten 1.

Der nicht voll­stre­ckungs­fä­hi­ge Aus­kunfts­ti­tel – und die Beschwer

Der Wert der Beschwer eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung rich­tet sich grund­sätz­lich nach dem Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses ist hier­bei auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 2.

Auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge ist der Wert der Beschwer nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 3 ZPO nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men. Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt kann die Bemes­sung der Beschwer nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prü­fen, ob das Beschwer­de­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 3. Dabei lehnt es der Bun­des­ge­richts­hof ab, ein Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se wert­er­hö­hend zu berück­sich­ti­gen 4.

Aller­dings ist bei der Wert­fest­set­zung zu berück­sich­ti­gen, dass die vom Amts­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge von Bele­gen nicht voll­stre­ckungs­fä­hig ist und daher zu berück­sich­ti­gen­de Kos­ten für die Abwehr der Zwangs­voll­stre­ckung ver­ur­sacht, die zur Über­schrei­tung der Gren­ze des § 61 Abs. 1 FamFG füh­ren.

Hat die Aus­kunfts­ver­pflich­tung, gegen die sich der Rechts­mit­tel­füh­rer zur Wehr setzt, kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt, erhöht sich die Beschwer nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs um die mit der Abwehr einer inso­weit unge­recht­fer­tig­ten Zwangs­voll­stre­ckung ver­bun­de­nen Kos­ten. Denn im maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Beschwer­de­ein­le­gung muss der Unter­halts­schuld­ner gewär­ti­gen, dass er in vol­lem Umfang aus dem erst­in­stanz­li­chen Titel in Anspruch genom­men wird und sich hier­ge­gen zur Wehr set­zen muss 5.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall konn­te nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Berück­sich­ti­gung der mit der Abwehr einer Zwangs­voll­stre­ckung aus Zif­fer 4 des amts­ge­richt­li­chen Teil­be­schlus­ses ver­bun­de­nen Kos­ten zu einem Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands von über 600 € füh­ren wür­de. Denn es erscheint mög­lich, dass die­se Kos­ten die Dif­fe­renz zwi­schen der vom Beschwer­de­ge­richt ange­nom­me­nen Beschwer von bis zu 500 € und der Wert­gren­ze des § 61 Abs. 1 FamFG über­stei­gen.

Abzu­stel­len ist dar­auf, wel­che Kos­ten dem Antrag­stel­ler ent­stün­den, um sich gegen die Voll­stre­ckung der Pflicht "ent­spre­chen­de Bestä­ti­gun­gen vor­zu­le­gen" zur Wehr zu set­zen. Im Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung kön­nen bis zu 0, 6 Anwalts­ge­büh­ren (§ 18 Nr. 13 RVG i.V.m. VV RVG 3309, 3310) zuzüg­lich Aus­la­gen (VV RVG 7000 ff.) und Mehr­wert­steu­er anfal­len 6. Danach bedürf­te es im vor­lie­gen­den Fall eines Gegen­stands­werts von 1.000 €, um zu Kos­ten von über 100 € zu gelan­gen. Maß­geb­lich ist inso­weit gemäß § 25 Abs. 1 Nr. 3 RVG der Wert, den die Vor­la­ge der von Beschluss­zif­fer 4 erfass­ten Bestä­ti­gun­gen für die Antrags­geg­ne­rin hat. Inso­weit ist zwar nach § 42 Abs. 1 FamG­KG grund­sätz­lich ein Bruch­teil des Mehr­be­trags zugrun­de zu legen, den die Antrags­geg­ne­rin sich im Zuge­winn­aus­gleich erhofft 7. Die­ser Bruch­teil wäre hier zudem gege­be­nen­falls wei­ter zu redu­zie­ren, weil es nicht um die Aus­kunft selbst, son­dern ledig­lich um die Vor­la­ge von die Aus­kunft bestä­ti­gen­den Bele­gen geht. Nach­dem jedoch kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich sind, anhand derer sich der von der Antrags­geg­ne­rin erhoff­te Mehr­be­trag bestim­men lässt, ist zumin­dest denk­bar, auch zur Bewer­tung der Pflicht zur Beleg­vor­la­ge auf den Auf­fang­wert des § 42 Abs. 3 FamG­KG von 5.000 € zurück­zu­grei­fen 8.

emnach könn­te das Beschwer­de­ge­richt bei einer neu­er­li­chen Wert­be­mes­sung mög­li­cher­wei­se zu einem 600 € über­stei­gen­den Beschwer­de­wert gelan­gen. Der ange­foch­te­ne Beschluss ist daher auf­zu­he­ben und die Sache zur erneu­ten Behand­lung und Ent­schei­dung an das Beschwer­de­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Juli 2019 – XII ZB 116/​19

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 02.09.2015 XII ZB 132/​15 Fam­RZ 2015, 2142[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.01.2014 XII ZB 278/​13 Fam­RZ 2014, 644 Rn. 6 mwN; BGHZ GSZ 128, 85 = Fam­RZ 1995, 349, 350 f.[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 XII ZB 53/​16 Fam­RZ 2016, 1681 Rn. 7 mwN[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 30.07.2014 XII ZB 85/​14 Fam­RZ 2014, 1696 Rn. 9; und vom 09.04.2014 XII ZB 565/​13 Fam­RZ 2014, 1100 Rn. 11 mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 02.09.2015 XII ZB 132/​15 Fam­RZ 2015, 2142 Rn. 17 mwN[]
  6. vgl. auch BGH, Urteil vom 10.12 2008 – XII ZR 108/​05 Fam­RZ 2009, 495 Rn. 16[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2008 – XII ZR 108/​05, Fam­RZ 2009, 495 Rn. 16[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 11.05.2016 – XII ZB 12/​16, Fam­RZ 2016, 1448 Rn.19[]