Der Rechts­an­walt als Betreu­er – und sein Sam­me­lan­der­kon­to

Der als Betreu­er bestell­te Rechts­an­walt han­delt pflicht­wid­rig, wenn er Ver­fü­gungs­gel­der des Betreu­ten i.S.v. § 1806 2. Halb­satz BGB auf einem Sam­me­lan­der­kon­to ver­wal­tet.

Der Rechts­an­walt als Betreu­er – und sein Sam­me­lan­der­kon­to

Gemäß § 1908 i Abs. 1 i.V.m. § 1837 Abs. 2 BGB hat das Betreu­ungs­ge­richt gegen Pflicht­wid­rig­kei­ten des Betreu­ers durch geeig­ne­te Gebo­te und Ver­bo­te ein­zu­schrei­ten. Zutref­fend hat das Land­ge­richt eine Pflicht­wid­rig­keit des Betei­lig­ten zu 1 dar­in gese­hen, Ver­fü­gungs­gel­der des Betrof­fe­nen auf einem Sam­me­lan­der­kon­to zu ver­wal­ten.

Gemäß § 1908 i Abs. 1 i.V.m. § 1805 Satz 1 BGB darf der Betreu­er Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen nicht für sich ver­wen­den. Mit der Vor­schrift des § 1805 Satz 1 BGB soll­te nach den Geset­zes­mo­ti­ven eine "unzwei­deu­ti­ge Mah­nung" erteilt wer­den, dass der Vor­mund sein Ver­mö­gen und das des Mün­dels in allen Bezie­hun­gen getrennt zu hal­ten habe 1. Ent­spre­chen­des gilt gemäß § 1908 i Abs. 1 BGB für den Betreu­er. Es besteht daher Einig­keit dar­in, dass der Betreu­er ein Tren­nungs­ge­bot für die Ver­mö­gens­sphä­ren sei­ner eige­nen Per­son und der des Betrof­fe­nen ein­zu­hal­ten hat 2.

§ 1908 i Abs. 1 i.V.m. § 1806 2. Halb­satz BGB gestat­tet es dem Betreu­er aller­dings, zur Bestrei­tung von Aus­ga­ben des Betreu­ten benö­tig­tes Geld bereit­zu­hal­ten. Die­ses soge­nann­te Ver­fü­gungs­geld darf er getrennt von sei­nem eige­nen Ver­mö­gen als Bar­geld für den Betrof­fe­nen ver­wah­ren.

Ob die Befug­nis zur Bereit­hal­tung eines Bar­be­trags zur Bestrei­tung von Aus­ga­ben des Betrof­fe­nen auch die Berech­ti­gung eines Rechts­an­walts als Betreu­er ein­schließt, für den Betrof­fe­nen ein Ander­kon­to zu füh­ren, ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten.

Nach ver­brei­te­ter Auf­fas­sung wird das Ver­wal­ten von Gel­dern eines Mün­dels oder Betreu­ten auf einem Ander­kon­to des Betreu­ers als grund­sätz­lich unzu­läs­sig ange­se­hen 3, wobei dies auch für Rechts­an­walt­sAn­der­kon­ten gel­te.

Nach ande­rer Auf­fas­sung sei Rechts­an­wäl­ten als Vor­mün­dern oder Betreu­ern die Ver­wal­tung von Gel­dern auf Ander­kon­ten erlaubt 4.

Von eini­gen Ver­tre­tern der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung wird sogar die Ver­wal­tung auf Sam­me­lan­der­kon­ten als zuläs­sig erach­tet, solan­ge eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung gewahrt sei 5, von ande­ren hin­ge­gen als gene­rell unzu­läs­sig ange­se­hen 6.

Zutref­fend ist, dass auch Rechts­an­wäl­te als Betreu­er Gel­der von Betrof­fe­nen jeden­falls nicht auf Sam­me­lan­der­kon­ten ver­wal­ten dür­fen.

Bereits für das frei ver­ein­bar­te, auf beson­de­rem Ver­trau­en beru­hen­de 7Man­dats­ver­hält­nis ent­hält § 4 Abs. 2 Sät­ze 2 und 5 BORA eine Beschrän­kung dahin, dass Fremd­gel­der man­gels abwei­chen­der Ver­ein­ba­rung in der Regel auf Ein­zelan­der­kon­ten zu ver­wal­ten sind. Denn auf Sam­mel­kon­ten kön­nen im Lau­fe der Zeit Unklar­hei­ten dar­über ent­ste­hen, wel­chem Treu­ge­ber wel­che Beträ­ge zuste­hen 8.

Noch stren­ge­re Maß­stä­be sind ange­legt, wenn das Treu­hand­ver­hält­nis nicht auf einer frei ver­ein­bar­ten Ver­trau­ens­stel­lung grün­det, son­dern auf öffent­li­cher Amts­stel­lung beruht. So ist etwa Nota­ren als Trä­ger eines öffent­li­chen Amtes (§ 1 BNo­tO) die Ein­rich­tung von Sam­me­lan­der­kon­ten im Rah­men öffent­li­cher Beur­kun­dun­gen und Ver­wah­run­gen gänz­lich unter­sagt (§ 58 Abs. 2 Satz 3 BeurkG).

Ent­spre­chen­des muss gel­ten für die auf gericht­li­cher Bestel­lung des Vor­munds oder Betreu­ers grün­den­de Ver­wal­tung von Mün­del­gel­dern und Gel­dern von Betreu­ten. Denn § 1805 Satz 1 BGB erfor­dert nicht nur die Tren­nung der Ver­mö­gens­sphä­re der eige­nen Per­son und der des Betrof­fe­nen, son­dern auch, die Ver­mö­gen meh­re­rer Mün­del oder Betreu­ten von­ein­an­der getrennt zu hal­ten 9. Dies erlaubt es grund­sätz­lich nicht, Mün­del­gel­der und Gel­der von Betreu­ten dau­er­haft gemein­sam mit ande­ren Fremd­gel­dern auf Sam­me­lan­der­kon­ten zu ver­wal­ten. Die Gefahr ent­ste­hen­der Unklar­hei­ten wäre hier beson­ders groß, da die Ver­wal­tung von Ver­fü­gungs­gel­dern nicht in sin­gu­lä­ren, leicht rekon­stru­ier­ba­ren Einund Aus­zah­lun­gen besteht, son­dern sich in einem lau­fen­den Kon­to­kor­rent voll­zieht. Auch die Kon­trol­le durch das Betreu­ungs­ge­richt unter Wah­rung der Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen der wei­te­ren Berech­tig­ten an dem Sam­me­lan­der­kon­to wäre unzu­träg­lich erschwert.

Das Füh­ren von Sam­mel­kon­ten für Mün­del ist des­halb von Geset­zes wegen auf­grund der Son­der­be­stim­mung des § 56 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII ledig­lich einem Amts­vor­mund gestat­tet. Selbst dies steht unter einem grund­sätz­li­chen Geneh­mi­gungs­vor­be­halt des Fami­li­en­ge­richts und setzt vor­aus, dass es den Inter­es­sen des Mün­dels dient sowie die siche­re Ver­wal­tung, Trenn­bar­keit und Rech­nungs­le­gung des Gel­des ein­schließ­lich der Zin­sen jeder­zeit gewähr­leis­tet ist.

Da das Gesetz für Rechts­an­wäl­te kei­ne dem­entspre­chen­de Gestat­tung ent­hält, auch nicht unter dem Vor­be­halt einer Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts, kommt für sie eine dau­er­haf­te Ver­mi­schung der ihnen gesetz­lich anver­trau­ten Fremd­gel­der von Mün­deln und Betreu­ten auf Sam­me­lan­der­kon­ten nicht in Betracht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Okto­ber 2018 – XII ZB 300/​18

  1. vgl. Moti­ve – IV S. 1107, zitiert bei Mug­dan Die gesam­ten Mate­ria­li­en zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch Bd. – IV S. 587 f.[]
  2. LG Müns­ter, Beschluss vom 28.07.2011 – 5 T 309/​11 BeckRS 2012, 22126; BeckOGK/​Fröschle BGB [Stand: 1.10.2018] § 1805 Rn. 7; Münch­Komm-BGB/Kroll­Lud­wigs 7. Aufl. § 1805 Rn. 3; juris­PK-BGB/La­fon­tai­ne [Stand: 15.10.2016] § 1805 BGB Rn. 5; Damrau/​Zimmermann Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1805 BGB Rn. 2; NKBGB/​Fritsche 3. Aufl. § 1806 Rn. 2[]
  3. KG NJW 1967, 883; OLG Köln OLGR 1997, 51; LG Müns­ter, Beschluss vom 28.07.2011 – 5 T 309/​11 BeckRS 2012, 22126; Beck­OK BGB/​Bettin [Stand: 1.08.2018] § 1805 Rn. 2; juris­PK-BGB/La­fon­tai­ne [Stand: 15.10.2016] § 1805 BGB Rn. 11; HkBGB/​Kemper 9. Aufl. § 1805 Rn. 1; Damrau/​Zimmermann Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1805 BGB Rn. 2; RGRK-BGB/­Di­cke­scheid 12. Aufl. § 1805 Rn. 2; Jurgeleit/​Reinfarth Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1805 BGB Rn. 2[]
  4. Beitzke ZBlJu­gR 1967, 237, 241; Schütz NJW 1967, 1569; Staudinger/​Veit BGB [2014] § 1805 Rn. 9; Erman/​SchulteBunert BGB 15. Aufl. § 1805 Rn. 4; Palandt/​Götz BGB 77. Aufl. § 1805 Rn. 1; auf Aus­nah­me­fäl­le beschrän­kend Münch­Komm-BGB/Kroll-Lud­wigs 7. Aufl. § 1806 BGB Rn. 16; BtKomm/​Roth 5. Aufl. Teil D Rn. 48; Jürgens/​von Crails­heim Betreu­ungs­recht 5. Aufl. § 1805 BGB Rn. 5 f.; vgl. all­ge­mein BeckOGK/​Fröschle BGB [Stand: 1.10.2018] § 1805 Rn. 9 ff.[]
  5. Staudinger/​Veit BGB [2014] § 1805 Rn. 9; Beitzke ZBlJu­gR 1967, 237, 242; Erman/​SchulteBunert BGB 15. Aufl. § 1805 Rn. 4; Palandt/​Götz BGB 77. Aufl. § 1805 Rn. 1; auf gerin­ge­re Sum­men beschrän­kend NKBGB/​Fritsche 3. Aufl. § 1805 Rn. 3[]
  6. BtKomm/​Roth 5. Aufl. Teil D Rn. 48; BeckOGK/​Fröschle BGB [Stand: 1.10.2018] § 1805 Rn. 10; eben­so LG Müns­ter, Beschluss vom 28.07.2011 – 5 T 309/​11 BeckRS 2012, 22126; Damrau/​Zimmermann Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1805 BGB Rn. 2; Jurgeleit/​Reinfarth Betreu­ungs­recht 4. Aufl. § 1805 BGB Rn. 3[]
  7. vgl. KG NJW 1967, 883[]
  8. Henssler/​Prütting/​Henssler BRAO 4. Aufl. § 4 BORA Rn. 6[]
  9. BeckOGK/​Fröschle BGB [Stand: 1.10.2018] § 1805 Rn. 7, 10[]