Der Rechts­öko­nom als Berufs­be­treu­er

Gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG kann der Betreu­er die erhöh­te Ver­gü­tung von 44 € pro Stun­de nur bean­spru­chen, wenn er über beson­de­re Kennt­nis­se ver­fügt, die für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­bar sind und wenn er die­se Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder durch eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben hat.

Der Rechts­öko­nom als Berufs­be­treu­er

Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Berufs­be­treu­er im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG die Bewil­li­gung einer erhöh­ten Ver­gü­tung recht­fer­ti­gen, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob er die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt, Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt und die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat1.

Dass die von einem Berufs­be­treu­er berufs­be­glei­tend an einer Ver­wal­tungs­aka­de­mie abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung zum Rechts­öko­nom und zum Betriebs­wirt nicht mit einer abge­schlos­se­nen Hoch­schul­aus­bil­dung im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG als ver­gleich­bar erach­tet wird, hält sich danach im Rah­men der – einer Kon­trol­le durch den Bun­des­ge­richts­hof ent­zo­ge­nen – tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung2.

Ob sich der dar­an anschlie­ßen­de Stu­di­en­gang, den der Berufs­be­treu­er nach zwei wei­te­ren Semes­tern mit „Bache­lor of busi­ness admi­nis­tra­ti­on” abge­schlos­sen hat, auf­bau­end auf die vor­an­ge­gan­ge­ne Aus­bil­dung zum Betriebs­wirt bei der Ver­wal­tungs­aka­de­mie als eine abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG dar­stellt, kann hier dahin­ste­hen. Denn das „Bachelor”-Zusatzstudium ver­mit­telt kei­ne für die Betreu­ung nutz­ba­ren Kennt­nis­se. Der Rege­lungs­ge­halt des § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG stellt die bei­den Erhö­hungs­tat­be­stän­de jeweils dar­auf ab, dass die Aus­bil­dung in ihrem Kern­be­reich auf die Ver­mitt­lung betreu­ungs­re­le­van­ter Kennt­nis­se aus­ge­rich­tet ist3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2014 – XII ZB 684/​13

  1. BGH, Beschluss vom 16.01.2014 – XII ZB 525/​13 Fam­RZ 2014, 471 Rn. 3 mwN
  2. vgl. auch BGH, Beschluss vom 30.10.2013 – XII ZB 23/​13 , Fam­RZ 2014, 117
  3. BGH, Beschluss vom 16.01.2014 – XII ZB 525/​13 , Fam­RZ 2014, 471 Rn. 4