Der Sach­ver­stän­di­ge im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Soll in einem Betreu­ungs­ver­fah­ren eine Ent­schei­dung, die die Rech­te des Betrof­fe­nen beein­träch­tigt, auf Aus­füh­run­gen eines Sach­ver­stän­di­gen gestützt wer­den, die die­ser im Ter­min zur Anhö­rung in Abwe­sen­heit des Betrof­fe­nen gemacht hat, so ist dem Betrof­fe­nen zuvor Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu geben 1.

Der Sach­ver­stän­di­ge im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Die Ver­wer­tung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens als Ent­schei­dungs­grund­la­ge setzt gemäß § 37 Abs. 2 FamFG aber vor­aus, dass das Gericht den Betei­lig­ten Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me ein­ge­räumt hat. Inso­weit ist das Gut­ach­ten mit sei­nem vol­len Wort­laut grund­sätz­lich auch dem Betrof­fe­nen per­sön­lich im Hin­blick auf des­sen Ver­fah­rens­fä­hig­keit (§ 275 FamFG) zur Ver­fü­gung zu stel­len 2. Davon kann nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 288 Abs. 1 FamFG abge­se­hen wer­den 3.

Abge­se­hen davon hät­te das Gut­ach­ten in die­sem Fall aber auch dem vom Amts­ge­richt bereits bestell­ten Ver­fah­rens­pfle­ger, den auch das Land­ge­richt am Ver­fah­ren betei­ligt hat, über­ge­ben wer­den müs­sen, damit die­ser es mit dem Betrof­fe­nen bespricht 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2011 – XII ZB 616/​10

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.08.2010 – XII ZB 138/​10, BtPrax 2010, 278[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.08.2010 – XII ZB 138/​10, BtPrax 2010, 275 mwN[]
  3. Keidel/​Budde FamFG 16. Aufl. § 281 Rn. 11[]
  4. BGH, Beschluss vom 11.08.2010 – XII ZB 138/​10, BtPrax 2010, 278; und vom 08.06.2011 – XII ZB 43/​11[]