Der Streit um den Rechts­weg – und der Instanzenzug

Hat das Ober­lan­des­ge­richt im Beru­fungs­ur­teil sei­ne Rechts­weg­zu­stän­dig­keit bejaht, ohne dar­über im Wege der Vor­ab­ent­schei­dung befun­den zu haben, ist das Revi­si­ons­ge­richt dar­an gebun­den1.

Der Streit um den Rechts­weg – und der Instanzenzug

Der Bun­des­ge­richts­hof ist in einem sol­chen Fall zur Ent­schei­dung über die Revi­si­on unab­hän­gig davon zustän­dig, ob Ersatz­an­sprü­che (hier:) nach § 225 Abs. 1 Satz 1 SGB VI unter den Begriff einer öffent­lich-recht­li­chen Strei­tig­keit gemäß § 51 Abs. 1 SGG fal­len2. Denn das Ober­lan­des­ge­richt hat sei­ne Rechts­weg­zu­stän­dig­keit bejaht, wor­an der Bun­des­ge­richts­hof gemäß § 17 a Abs. 5 GVG gebun­den ist.

Zwar war auch das Ober­lan­des­ge­richt grund­sätz­lich nach § 17 a Abs. 3 Satz 2 GVG gehal­ten, im Wege der Vor­ab­ent­schei­dung über sei­ne Rechts­weg­zu­stän­dig­keit zu befin­den. Eine Vor­ab­ent­schei­dung ist jedoch aus­nahms­wei­se dann ent­behr­lich, wenn das Beru­fungs­ge­richt den Rechts­weg bejaht und kei­nen Grund für die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de (§ 17 a Abs. 4 Satz 4 GVG) sieht3. Denn hät­te das Ober­lan­des­ge­richt durch Vor­ab­ent­schei­dung ent­schie­den, wäre ohne Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de auch dage­gen kein Rechts­mit­tel mög­lich gewe­sen und der Bun­des­ge­richts­hof dar­an eben­so gebunden.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Mai 2021 – XII ZR 45/​20

  1. im Anschluss an BGH Urtei­le vom 18.11.1998 – VIII ZR 269/​97 , NJW 1999, 651 und BGHZ 132, 245 = NJW 1996, 1890[]
  2. hier­zu BSG Urteil vom 14.03.2006 – B 4 RA 8/​05 R – SozR 4–2600 § 225 Nr. 2 Rn. 12; vgl. auch GmS-OGB BGHZ 108, 284 = NJW 1990, 1527[]
  3. BGH Urtei­le vom 18.11.1998 – VIII ZR 269/​97 , NJW 1999, 651 und BGHZ 132, 245 = NJW 1996, 1890; MünchKommZPO/​Zimmermann 5. Aufl. § 17 a GVG Rn. 29 mwN[]

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