Der Ver­fah­rens­wert in Ehe­sa­chen – und das Ver­mö­gen der Ehe­gat­ten

Die über­wie­gen­de Mei­nung in Lite­ra­tur und Recht­spre­chung zieht vom Net­to­ver­mö­gen der Ehe­leu­te zunächst ange­mes­se­ne Frei­be­trä­ge ab. Hier­bei wer­den Beträ­ge zwi­schen 15.000 € – 64.000 € pro Ehe­gat­ten ver­tre­ten 1.

Der Ver­fah­rens­wert in Ehe­sa­chen – und das Ver­mö­gen der Ehe­gat­ten

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt geht in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass ein Frei­be­trag in Höhe von 30.000 € je Ehe­gat­te in Abzug zu brin­gen ist 2.

Ein Betrag von 60.000 € je Ehe­gat­te erscheint dem Ober­lan­des­ge­richt auf­grund des erheb­li­chen Ver­mö­gens der Betei­lig­ten und unter dem Gesichts­punkt einer ange­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung des Ver­mö­gens bei der Fest­set­zung des Ver­fah­rens­wer­tes als über­höht 3 Rn. 60)).

Von dem dann sich erge­ben­den Ver­mö­gens­be­trag wird all­ge­mein für die Wert­be­rech­nung ein Anteil von 5 ‑10 % berück­sich­tigt 4. Hier geht das Ober­lan­des­ge­richt in stän­di­ger Recht­spre­chung 5 davon aus, dass die Berück­sich­ti­gung eines Anteils in Höhe von 10 % ange­mes­sen ist 6. Hier­bei berück­sich­tigt das Ober­lan­des­ge­richt ins­be­son­de­re das berech­tig­te Inter­es­se der Anwalt­schaft an aus­kömm­li­chen Gebüh­ren 7 sowie den Umstand, dass im vor­lie­gen­den Fall von einem deut­lich über­durch­schnitt­li­chen Ver­mö­gen der Betei­lig­ten aus­zu­ge­hen ist. So betrug im Jah­re 2012 das durch­schnitt­li­che Ver­mö­gen eines Erwach­se­nen in Deutsch­land 83.000 € 8. Selbst unter Berück­sich­ti­gung der anzu­neh­men­den Stei­ge­rung bis zum Jah­re 2017 ist bei den Betei­lig­ten von deut­lich über dem Durch­schnitts­wert lie­gen­den Ver­mö­gen aus­zu­ge­hen, mit­hin eine nen­nens­wer­te Her­an­zie­hung zu Bemes­sung des Ver­fah­rens­wer­tes bil­lig erscheint.

Hin­zu­zu­rech­nen ist der sich aus dem lau­fen­den Ein­kom­men der Betei­lig­ten erge­ben­de Ver­fah­rens­wert sowie der Ver­fah­rens­wert für das Ver­fah­ren wegen des Ver­sor­gungs­aus­gleichs.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 4. August 2017 – 10 WF 137/​17

  1. vgl. Über­sicht bei OLG Hamm Fam­RZ 2015, 1748[]
  2. vgl. OLG Hamm Fam­RZ 2015, 1748; OLG Schles­wig, Beschluss vom 08.04.2014 – 10 WF 3/​14, NZFam 2014, 801, Rn. 13; OLG Cel­le, Beschluss vom 29.06.2012 – 12 WF 140/​12, Fam­RZ 2013, 149, Rn.20; OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 26.05.2010 – 13 WF 20/​10, Fam­RZ 2011, 755, Rn. 7; KG Ber­lin, Beschluss vom 03.11.2009 – 18 WF 90/​09, Fam­RZ 2010, 829, Rn. 7; OLG Dres­den, Beschluss vom 29.07.2005 – 20 WF 99/​05, Fam­RZ 2006, 1053, Rn. 8[]
  3. so auch Schmidt in: Herberger/​Martinek/​Rüssmann und ande­re, juris­PK-BGB, 8. Aufl.2017, Kos­ten­recht­li­che Hin­wei­se in Fami­li­en­sa­chen ((Teil 2[]
  4. vgl. Über­sicht bei OLG Köln Fam­RZ 2016, 1298[]
  5. OLG Schles­wig NZFam 2014, 801[]
  6. so auch KG AGS 2015, 132 – 133[]
  7. so auch OLG Köln Fam­RZ 2016, 1298[]
  8. vgl. DIW Wochen­be­richt 9/​2014[]